Jetzt dürfen auch wieder mehr als zehn Personen Kontaktsport ausüben - das freut auch die Handballer (hier die erste Mannschaft der TG Rüsselsheim). Archivfoto: UWE Kramer
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Jetzt dürfen auch wieder mehr als zehn Personen Kontaktsport ausüben - das freut auch die Handballer (hier die erste Mannschaft der TG Rüsselsheim). Archivfoto: UWE Kramer

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Sportler sind erleichtert

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Rüsselsheimer Vereine bereiten sich auf regulären Trainingsbetrieb ab 1. August vor. Dann darf wieder in Mannschaftsstärke trainiert werden.

Rüsselsheim-Lange mussten die Mannschaften auf die frohe Botschaft warten, aber am Samstag ist es so weit: Training und sogar Wettkämpfe können in Hessen - unter Einhaltung gewisser Hygieneregeln - quasi wieder regulär stattfinden. Zuletzt war Kontaktsport nur mit maximal zehn Personen erlaubt, was ein sinnvolles Training bei vielen Sportarten fast unmöglich machte.

"Wir können wieder richtige Trainingsspiele machen, das ist super", sagt Michael Weber, Vorstandsmitglied der Crusaders. Wie es mit der Football-Saison aussieht, sei noch unklar, man habe sich aber schon mal vorsorglich für die Herbstsaison angemeldet.

Offiziell los mit Ligaspielen ginge es für die Volleyballer der TG Rüsselsheim am 12. September. Dabei hat die zweite Herrenmannschaft, die in der dritten Liga spielt, während des bisherigen Sommers der Jugend den Vortritt beim Training auf den Beach-Feldern gelassen.

"Wir hatten einen Home-Trainingsplan", sagt Tim Zimmermann, Abteilungsvorstandsmitglied und selbst Spieler der zweiten Mannschaft. vom 3. August an dürfen nun alle Mannschaften wieder voll trainieren.

Die Drittligisten sind allerdings in einer ungewöhnlichen Situation: Weil in der Liga Süd Mannschaften aus vier Bundesländern mit unterschiedlichen Regelungen spielen, ist noch unklar, wie der Saisonstart klappen kann. "Das kann nicht funktionieren, solange nicht alle Bundesländer zugesagt haben", sagt Zimmermann. Trotzdem ist er erst einmal froh, dass das Training wieder aufgenommen wird.

Auch für die Handballer der verschiedenen Vereine ist die Aufhebung der Beschränkung ein Lichtblick. Die Vorbereitungen liefen bei den Mannschaften von TG Rüsselsheim und HSG Rüsselsheim/Bauschheim/Königstädten sowieso schon und waren mit Lauftraining relativ gut machbar, berichten Rainer Melchior (HSG) und Knut Schaeffter (TG). Das alleine reiche längst nicht für einen regulären Spielbetrieb. "Davon sind wir noch weit entfernt", sagt TG-Abteilungsleiter Schaeffter.

Aber: "Es eine Erleichterung, Perspektiven zu haben und vernünftig zu trainieren." Und auch Melchior, sportlicher Leiter der SKG und Vorstandsmitglied der HSG, ist sicher: "Das wird."

Bei einer kontaktintensiven Sportart wie Handball müsse das Training am Ball schnellstmöglich wieder aufgenommen werden, wenn das Verletzungsrisiko minimiert werden soll, daher komme die politische Entscheidung gerade recht. "Wer drei Monate lang keinen Handball geworfen hat, dem fliegt die Schulter hinterher", sagt Schaeffter. Das findet auch Volleyballer Tim Zimmermann, vor allem, weil die Vorbereitungszeit so extrem verkürzt sei.

Ähnlich sieht es bei der HSG aus, berichtet Rainer Melchior. Mit Waldläufen und in der "CrossFit"-Box habe man zwar viel trainiert, aber jetzt sei es wichtig, wieder Handball zu spielen. Unklar ist auch hier, wie die Saison ablaufen soll, aber "es gab mehrere Gespräche mit dem Hessischen Handballverband".

Unterstützung der Verbände

Die Unterstützung seitens des HHV und des Deutschen Handballbundes (DHB), bestätigt Knut Schaeffter, sei sehr gut. Hilfe habe es da zum Beispiel mit den Hygienekonzepten gegeben, außerdem gibt es einen umfangreichen Stufenplan, der alle Eventualitäten einbeziehen und den Wiedereinstieg in den Spielalltag erleichtern soll. Mit Stufe 7, die jetzt erreicht ist, dürfen wieder Freundschaftsspiele stattfinden; Stufe 8 würde dann einen regulären Ligabetrieb zulassen.

Für die Fußballer des TV Haßloch geht es direkt am Sonntag zum ersten Spiel - "nur ein Freundschaftsspiel", sagt Markus Cube, Trainer der Aktiven. Trainiert wurde dafür in voller Mannschaftsstärke freilich nicht, denn das ist ja erst ab Samstag überhaupt möglich.

Macht nichts, hier gehe es jetzt erst mal wieder darum, überhaupt wieder "richtig" Fußball zu spielen. Das erste Ligaspiel ist für den 6. September angesetzt, so Cube weiter.

Ab Dienstag kommender Woche gehe das Training im Normalzustand wieder los. "Natürlich ist das eine Erleichterung. Das hat wochenlang gefehlt, wir haben Beschäftigungstherapie betrieben", sagt Cube. "In dem Moment, wo man keinen Wettkampf vor Augen hat, ist es sinnlos." Um die Zuschauerbeschränkung von maximal 250 macht er sich keine Sorgen. "Wenn wir Glück haben, sind es maximal zehn Leute, die zugucken", sagt er und lacht.

Organisatorischer Aufwand ist groß

Für die Handballer ist der organisatorische Aufwand dagegen noch sehr groß: Die Zuschauer, die wieder in die Hallen dürfen, müssen nach wie vor registriert und die Hallenbetreiber kontaktiert und informiert werden, weil die Tribünen einen separaten Ein- und Ausgang brauchen.

Hier in Rüsselsheim laufe zwar alles gut, aber insgesamt sei es schon erschreckend, wie sehr die Akteure der Politik die Sportvereine finanziell alleine ließen, kritisiert Schaeffter. Vereine, die gut gewirtschaftet haben, werden nicht vom Hilfspaket unterstützt, obwohl deren Rücklagen für andere Projekte dringend gebraucht werden. "Wir Sportvereine sind der größte soziale Dienstleister, den Deutschland hat", so der TG-Abteilungsleiter. "Wir machen das ja alles ehrenamtlich."

Stella Lorenz

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