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Stadtkritiker Michael Hamann mit einem Plastik-Handkäs?. Er wirft Rüsselsheim vor, mit der Organisation des Hessentags überfordert zu sein. Mitmachen will er dennoch.

Standbetreiber wartet auf Vertrag

„Stadt mit Hessentag überfordert“

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Die Stadt spricht von „zeitlichen Verzögerungen“, Michael Hamann von Überforderung. Der Rüsselsheimer drängt auf Vertragsunterzeichnung.

 Michael Hamann ist sauer. Er will während des Hessentags (9. bis 18. Juni) ein Handkäs’-Bike auf die Straße bringen. Allein: Die Stadt lässt ihn nicht. Dieses Gefühl wird Hamann zumindest nicht los.

Die Idee des 49-Jährigen: Ein Lieferfahrrad mit großem Gepäckträger, von dem aus er Handkäs’ und Ebbelwei an die Besucher bringt. Doch Hamann – vielen besser bekannt als Musiker mit dem Künstlernamen Handkäs’-Ede – klagt: „Die Stadt schafft es nicht, die Verträge für die Ständler fertigzumachen. Die sind mit dem Hessentag überfordert.“

Er erzählt: Im August 2016 habe er die erste Anfrage an die Stadt beziehungsweise das Hessentags-Büro geschickt. „Ich sollte mich über ein Portal im Internet bewerben, das habe ich dann getan.“ Im Anschluss sei eine automatisierte E-Mail gekommen, Hamann solle sich an eine Kontaktperson wenden. Das tat der Rüsselsheimer. Passiert sei nichts – und zwar zwei Monate lang.

„Im Oktober habe ich dann nachgehakt. Auch diese Mail blieb unbeantwortet“, so Hamann kopfschüttelnd. Im Dezember, also wieder zwei Monate später, habe sich eine Agentur aus Wiesbaden bei ihm gemeldet. „Da wurde mir gesagt: Ende Januar kommt der Vertrag der Stadt.“ Den hat Hamann bis heute nicht.

Die Stadt Rüsselsheim räumt auf Echo-Nachfrage ein, dass es „zu zeitlichen Verzögerungen“ komme. Als Grund heißt es aus dem Rathaus: Aufgrund aktualisierter Sicherheitsbestimmungen müssten die Standplätze noch mal überprüft werden. Die Stadt sagt aber auch: „Herr Hamann hat von der beauftragten Firma Helmiss-Events bereits eine mündliche Zusage erhalten und die Mitteilung, dass die schriftlichen Verträge nachgereicht werden.“

Mündliche Zusage hin oder her, Hamann wartet auf die Papiere. „Ich muss mir für die Zeit des Hessentags Urlaub nehmen. Und ich muss meinen Lieferanten verlässliche Mengen an Handkäs’ und Ebbelwei durchgeben“, sagt der Rüsselsheimer, der sicher planen will. Er versteht nicht, wieso einem ortsansässigen Unternehmer, der regionale Produkte auf dem Hessentag vermarkten will, Steine in den Weg gelegt würden.

Unklar ist, ob Michael Hamann mit seinem Ärger allein ist. Die Stadt antwortet auf die Frage, ob es bereits Beschwerden seitens der Beschicker gegeben habe, ausweichend. „Bisher gab es Nachfragen, die in persönlichen Gesprächen zufriedenstellend beantwortet werden konnten“, schreibt die Presseabteilung der Stadt.

Insgesamt hat es für die rund 200 Stände bei der Hessentagsstraße knapp 350 Bewerbungen gegeben. Bei der Bürgerversammlung Anfang März teilte die Stadt mit, dass bereits 120 Zusagen erfolgt seien. Unterschrieben ist bis heute nichts.

Der Grund: „Die Verträge haben einen komplexen und umfangreichen Anhang, der mit den jeweils Beteiligten (Veterinäramt des Kreises, Strom- und Wasser bzw. Abwassergestellung, Gema-Gebühren, Sicherheitsbestimmungen, Getränke-Konzessionen etc.) abzustimmen ist. Die Klärung von wesentlichen Details befinden sich derzeit in der Endphase“, so die Stadt.

Die Zusendung der Verträge sollte eigentlich bis Ende Februar erfolgen. Die Hessentags-Verantwortlichen verlängerten diese Frist zwischenzeitlich auf Ende März. Eine Anfrage des Echos am gestrigen Mittwoch – also zwei Tage vor Monatsende – ergab eine Korrektur des Zeitraumes auf „bis Mitte April“.

Und so wartet Michael Hamann weiter auf die Papiere. Er bezeichnet sich selbst als Stadtkritiker. „Tendenziell ist der Hessentag aber eine Chance“, sagt Hamann. Doch er fürchtet, dass Rüsselsheim schlicht das Flair für das Landesfest fehle. Anlass für ihn, es mit seinem Handkäs’-Bike ein bisschen besser zu machen.

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