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Egal ob Sommer oder Winter: Der Betrieb des „Rinds“ läuft nicht wirtschaftlich. Die Stadt will nun die Förderung erhöhen. Archivfoto: Westbrock

Fördersumme soll erhöht werden

Die Stadt Rüsselsheim will ins Kulturzentrum „Rind“ investieren

Das „Rind“ zählt zu den wichtigsten Kultureinrichtungen der Opelstadt. Doch der Betrieb ist aus finanziellen Gründen stark gefährdet. Nun will die Stadt eingreifen und das „Rind“ unterstützen.

Rüsselsheim - Um den weiteren Betrieb des Kulturzentrums „Das Rind“ zu sichern, hat der Magistrat beschlossen, den Stadtverordneten vorzuschlagen, sowohl die städtische Fördersumme zu erhöhen als auch in die Veranstaltungstechnik zu investieren. „Uns hat ein ernstzunehmender Hilferuf des ,Rinds’ erreicht. Nach verschiedenen Haushaltskonsolidierungsrunden sind die Fördermittel für das Kulturzentrum in der Vergangenheit auf jährlich 41 800 Euro abgesenkt worden. Wie der Betreiber uns mitgeteilt hat, kann der Betrieb mit dieser Summe und mit der veralteten Ton- und Lichttechnik nicht weitergeführt werden“, erläutert Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) die Beweggründe.

In mehr als 26 Jahren habe sich das „Rind“ zu einer herausragenden und unverzichtbaren Kultureinrichtung in Rüsselsheim entwickelt, die mit ihrem Programm das städtische Kulturangebot hervorragend ergänze. „Das autonome Kulturzentrum richtet sich mit einem abwechslungsreichen und qualitativ hochwertigen Programm an junge und jung gebliebene Menschen in Rüsselsheim und der Region. Es gibt nichts Vergleichbares in unserer Stadt“, sagt Grieser. Ziel sei es, das Kulturzentrum nachhaltig aufzustellen.

Als Dauerleihgabe

Die Beschlussempfehlung an das Stadtparlament sieht daher vor, die jährliche Fördersumme auf 115 800 Euro festzusetzen. Die Laufzeit der Fördervereinbarung bis zum 31. Dezember 2021 bleibt unverändert. Zusätzlich will der Magistrat in die marode Veranstaltungstechnik investieren. 175 000 Euro sollen aus den Mitteln von Kultur 123 noch in diesem Jahr investiert werden. Davon sollen die rund 30 Jahre alte Lautsprecheranlage ersetzt und auch die Lichttechnik auf Vordermann gebracht werden.

Die neue technische Ausstattung geht als Dauerleihgabe an das „Rind“, sie bleibt im Eigentum des städtischen Kulturbetriebs. Bei der Anschaffung soll auch darauf geachtet werden, dass die neue Veranstaltungstechnik unabhängig vom Standort ist. Denn im Zusammenhang mit der Prüfung, ob und wo in der Rüsselsheimer Innenstadt ein Bildungs- und Kulturzentrum errichtet werden soll, soll auch das „Rind“ mit betrachtet werden.

Nicht zum Nulltarif

Auch Wiesbaden und Mainz haben in die Kulturzentren „Schlachthof“ und „KUZ“ erheblich investiert und für den laufenden Betrieb deutlich erhöhte Mittel bereitgestellt. Im Vergleich zu anderen hessischen Kulturzentren sei der städtische Zuschuss pro Veranstaltung im „Rind“ rekordverdächtig niedrig, so Grieser. Die Eigenfinanzierungsquote liege bisher bei sehr hohen 85 Prozent und werde auch nach der Erhöhung einen Mittelplatz einnehmen.

„Kultur ist nicht zum Nulltarif zu haben, und auch in diesen Branchen steigen die Gagen, die Personalkosten und die Anforderungen an die Technik“, sagt Grieser. Die Impulse für das kulturelle Leben in einer Stadt seien jedoch vielfältig und unübersehbar. „Es kann nicht sein, dass in diesem Bereich dauerhaft Arbeitsverhältnisse entstehen, die nur in grenzenloser Selbstausbeutung und mit großem Enthusiasmus noch den Betrieb aufrechterhalten. Das wollen wir an anderer Stelle nicht, und das wollen wir auch hier nicht“, betont der Kulturdezernent.

Das benötigte Geld für die Veranstaltungstechnik soll per Fortschreibung noch in den aktuellen Vermögensplan von Kultur 123 aufgenommen werden, die Anhebung des Zuschusses zum Programm wird zudem die Zuweisungen der Stadt an den Eigenbetrieb als Verlustübernahme erhöhen. Der Magistrat hat die Ausgabe mit einem Sperrvermerk belegt. Vor der Freigabe sollen der Betriebskommission von Kultur 123 noch genauere wirtschaftliche Unterlagen wie Jahresabschlüsse und ähnliches vom „Rind“ vorgelegt werden. Die Mittel sind dann jedoch bereits im Haushaltsplan 2019 vorhanden, so dass kurzfristig reagiert werden kann. Die Entsperrung könne durch den Kultur-, Schul- und Sportausschuss oder das Stadtparlament erfolgen. red

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