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Klangkünstler Axel Schwebe und Zeichnerin Tatjana Basting vorm molekularen Klangobjekt.

Ausstellung

Im Stadtmuseum zeigen zwei Künstler, was Zeichnungen und Töne miteinander zu tun haben

Der Kunstverein präsentiert eine spannende Ausstellung, die Zeichnungen und Klänge vereint. „Resonanzen“ heißt die Schau von Zeichnerin Tatjana Basting und Klanginstallationskünstler Axel Schweppe.

Fasziniert nahmen Besucher mittig im Sechseck aus Stahlrohren und Styroporkugeln, unter denen sich Lautsprecher verbergen, Platz: Sie schlossen die Augen, wurden umhüllt vom tiefen Klang der Naturtonreihe aus sieben Obertönen.

„Ich sitze wie im Universum aus Tönen“, sagte eine Besucherin begeistert. Zur Vernissage der Ausstellung „Resonanzen“ im Stadt- und Industriemuseum war die Klanginstallation von Axel Schweppe Blickfang. Das molekulare Klanggebilde habe er bereits vor einiger Zeit als Modell gebaut, nun werde die Skulptur erstmals in einem Ausstellungshaus präsentiert, sagte der Ethnologe und Philosoph, der sich künstlerisch der Verbindung von Sicht- und Hörbarem widmet.

Halb Mensch, halb Tier

„Das Thema dieses Oktaeders ist die Frage, wie es sich anfühlt, in einem Ton zu wohnen“, sagte der Künstler. Seine Begegnung mit der Zeichnerin Tatjana Basting habe vor Jahren zu einer inspirierenden Weiterentwicklung der jeweils eigenen Ausdrucksform geführt, so Axel Schweppe.

Die heute in Berlin lebende Zeichnerin, die Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach studiert hat, setzt sich zeichnerisch mit Metamorphosen auseinander. „Ich habe immer mein Skizzenbuch dabei, arbeite sehr introvertiert, folge einem inneren Klang. Figuren, Objekte, Tiere, Pflanzen werden von Seite zu Seite weiter transformiert“, erläutert sie ihre Arbeitsweise.

Die ausgestellten kleinformatigen Zeichnungen sind mit Bleistift, Tinte oder Tusche ausgeführt, und bannen die Blicke durch Ausformungen des Seins in Bekanntes, Verfremdetes und in Objekte mit archaischem Grundton.

Halb Mensch, halb Tier

, Teil einer Maschine oder Teil einer Pflanze – so scheint das Leben bei Tatjana Basting in steter, geheimnisvoller Veränderung. „Form steht vor Farbe. Schwarzweiß erhöht die Intensität“, so Basting.

Mit Axel Schweppe verbinde sie eine künstlerische Wahlverwandtschaft, so die junge Frau. Naturformen und Naturklang ist Thema beider Künstler, die von gemeinsamen Naturspaziergängen erzählen. „Da nehmen wir Formen und Verwandlungen auf – von Pflanzenkapseln, Tropfen, Blättern, Dornen, Stielen und vielem mehr“, erzählen sie. Alles ist Metamorphose, in allem wohnt Klang.

Eine Blüte öffnet sich

Eine Synthese ihrer sensiblen Vorgehensweise stellt bei der Ausstellung eine Videoarbeit dar, die unter dem Titel „Pflanzenhörer“ einlädt, den Kopfhörer aufzusetzen, so dass Bildanimation und Klang verschmelzen. Es ist eine fantastische Erfahrung, wie sich die Zeichnungen Bastings auf dem Bildschirm in langsamere Bewegung verändern, die dem Atemrhythmus folgt: Zur ruhigen Klangkulisse fällt ein Tropfen herab, öffnet sich eine Blüte.

„Was hat Zeichnung mit Klang zu tun? Wie kann man in einem Ton wohnen? Axel macht Klangobjekte, Tatjana zeichnet. Aus der Linie der Zeichnerin leitet Axel Klangfarben ab“, lud Karl-Heinz Becker als Gastgeber des Kunstvereins die Besucher ein, sich dem Erlebnis der doppelten Inspiration hinzugeben.

Spannende Schnittstellen der Künste vorzustellen, habe sich der Kunstverein für seine Ausstellungen ja seit langem zur Aufgabe gemacht, so Becker. Im metamorphischen Spiel von Klang und Linie gelingt dies eindrucksvoll. Finissage der Ausstellung „Resonanzen“ ist am 13. Januar 2019.

von CHARLOTTE MARTIN

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