150 Euro für einen Lichtschalter

Stadtwerke werben für Technologie, die zu Hause den Alltag erleichtern kann

Wie man sich moderne Technologien zunutze machen kann, um die Hauselektronik benutzerfreundlich und umweltverträglich zu regeln, darum ging es beim „Bürgerlabor Quartier der Zukunft“ von den Stadtwerken Rüsselsheim.

„Mich interessiert alles, was neu ist“, sagt Luise Rieke-Prinz. Mit ihrem Rollator ist die Anwohnerin der Moritz-von-Schwind-Straße gekommen, um sich über das Angebot der Stadtwerke zu informieren. Die Seniorin wohnt im Horlache Park, dem Bereich von Haßloch Nord, den sich die Stadtwerke für ihr Pilotprojekt ausgesucht haben.

„Hier haben wir eine für Rüsselsheim typische Wohnstruktur“, erklärt Stadtwerke Chef Hans-Peter Scheerer. Fünf Mehrfamilienhäuser der Gewobau befinden sich auf dem Areal neben rund 20 Einfamilienhäusern. Alle betroffenen Bewohner seien angeschrieben worden. Luise Rieke-Prinz ist eine der ersten, die zu der zwei Stunden geöffneten Mini-Messe erschienen ist.

„Ich habe lange am PC gearbeitet, spreche über Skype mit meinen Kindern und bin auch auf Facebook aktiv“, erklärt die rüstige Rentnerin. Das Angebot sei interessant, aber auch eine Preisfrage. „150 Euro für einen Lichtschalter sind viel Geld“ gibt sie zu bedenken. Aber man müsse ja auf dem Laufenden bleiben. „Es ist jedenfalls interessant, was es alles so gibt“, sagt sie.

Die flexiblen Zusatzschalter zu den fest installierten Lichtschaltern gehören zu den smarten Erneuerungen, die Mark Hasenkopf von der Firma Jäger Direkt vorstellt. Aber auch Fenstergriffe, die von unterwegs aus mit dem Handy überwacht werden können und Bewegungsmelder sind eine Option für das Haus der Zukunft. Um die Vernetzung des Quartiers und die Nutzung von Synergieeffekten geht es am Stand der Firma The Urban Institute. Hier wären zum Beispiel Angebote wie Nachbarschaftsbörsen auf neuestem technischen Niveau anzusiedeln.

Eine Messstation für Umweltdaten – Lärm, Temperatur und andere – auf die alle Teilnehmer zugreifen können, ist das erste konkrete Projekt dieses ambitionierten Unterfangens, das in seine dreijährige Erprobungsphase startet. Je nachdem wie die Resonanz in der Zeit sei, werde dann über das weitere Vorgehen entschieden, erklärt Jürgen Gelis, Unternehmenssprecher der Stadtwerke.

Ein großes Thema

sei dabei auch die Datensicherheit und die Datensouveränität der einzelnen Nutzer, sagt er.

„Das Besondere hier ist, dass wir nicht in Neubauten sondern in bestehender Bebauung arbeiten“, sagt Scheerer. Etwa 100 Wohneinheiten seien betroffen, die seien alle angeschrieben und eingeladen worden. Mit den 40 Rückmeldungen sei er sehr zufrieden, beteuert er. Eines der nächsten Ziele sei nun einen Projektbeirat aus Bewohnern des Quartiers zu etablieren. „Die können mit Input helfen und Rückmeldung geben“, erläutert Gelis. „Wir bieten die Grundlagen, und jeder darf sich das nehmen, was er will“, betont er. Bei Erfolg solle das Projekt dann auf weitere Quartiere ausgedehnt werden.

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