Gleichberechtigung

Starke Mädchen feiern sich selbst

Noch immer sind Mädchen und Jungen nicht immer gleichberechtigt. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde der internationale Mädchentag von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Am Samstag feierten dies verschiedene Jugendhäuser des Kreises mit einer gemeinsamen Aktion im Freizeithaus Dicker Busch.

Beide Geschlechter werden nach wie vor in Rollen gezwängt, bei denen der weibliche Teil der Erdbevölkerung klar den Kürzeren zieht. Das sieht die 15 Jahre alte Basma aus Königstädten deutlich: Die Jungs in der Schule machten dumme Sprüche. „Frauen gehören an den Herd“ oder „das kannst du nicht, weil du ein Mädchen bist.“ Aber das sei falsch. „Wir Mädels können alles genauso gut und oft sogar noch besser als die Jungs. Wir dürfen uns die Ungleichbehandlung nicht gefallen lassen, sondern müssen Kontra geben“, sagt sie.

Basma ist eines von rund 50 Mädchen zwischen 9 und 16 Jahren, die am Samstag bei der Aktion „Just girls in action“ im Freizeithaus Dicker Busch feiern und Spaß haben. Jungs und auch männliche Betreuer haben an diesem Nachmittag keinen Zutritt.

Die Aktion ist eine kreisweite Initiative des Jugendbildungswerks Groß-Gerau. Bisher fand die Veranstaltung immer in Mörfelden-Walldorf statt, informiert Alexandra Zerl vom Jugendbildungswerk und fügt hinzu: „Wir sind zum ersten Mal in Rüsselsheim.“

Es gehe auch darum, Mädchen einen Raum für sich zu bieten, in dem sie sie selbst sein und machen können, was „Mädels eben so interessiert.“ Zudem die Möglichkeit sich einfach ungezwungen auszuprobieren.

Lina ist ebenfalls 15 Jahre alt und schaut sich gerade die Tattoo-Station an. „Ich helfe mit, damit die Kleineren ganz viel erleben können“, erzählt die Jugendliche.

Dann löst sie Betreuerin Marcella von der Jugendförderung in Kelsterbach an der Station ab. Gleich wird Lina ihre Mitfeierenden mit Glitter Tattoos verschönern, während DJane Jasmin einige Mädels nebenan auf der Bühne in die Kunst des Plattenauflegens einweiht.

Im oberen Bereich des Freizeithauses gibt es zudem eine Hairstyling-Station und einen Tanzworkshop.

Im Fotoraum können sich die Mädchen in allen möglichen Posen gegenseitig ablichten und vielleicht ein wenig den Traum des Fotomodels ausleben.

Die letzten 90 Minuten von „Just girls in Action“ wollen die Mädels mit einer Disco feiern. „Wir haben den Nachmittag mit einer Filmvorführung zum Thema Frauenrechte begonnen“, erzählt Basma, während sie gerade die langen Haare einer jüngeren Teilnehmerin flicht. „Lina und ich haben das Ganze moderiert. Danach haben wir mit den Mädchen über konkrete Beispiele der Ungleichbehandlung gesprochen. Die Mädels konnten alle mindestens von einer persönlichen Erfahrung berichten“, stellt die Jugendliche fest.

Diese Beobachtung bestätigt auch Betigül Altuntas, Mitarbeiterin im Freizeithaus Dicker Busch. „Sie können das exakt runterbrechen.“ Ein Mädchen habe zum Beispiel erzählt, dass immer nur sie ihre Mutter im Haushalt unterstützen muss. Wenn sie die Mutter frage, warum der Bruder nichts machen muss, antworte die Mutter immer, das sei Frauensache, berichtet Altuntas. Dabei sei es so schade, dass dieses falsche Rollendenken noch immer in den Köpfen festsitze, bemerkt die Mitarbeiterin des Freizeithauses.

So würden, führt Altuntas aus, selbst selbstbewusste Frauen damit konfrontiert, sich mit Frauenbildern auseinanderzusetzen, die veraltet und falsch seien. „Menschen sollten alle so sein können, wie sie möchten und sich nicht irgendwelchen Stereotypen unterwerfen“, macht Betigül Altuntas deutlich.

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