Im vergangenen Jahr fand "Jazz im Inselhof" vor dem Gemeindezentrum der evangelischen Kirche in Königstädten statt. Rechts Stephan Völker. Archivfoto: Susanne Rapp
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Im vergangenen Jahr fand "Jazz im Inselhof" vor dem Gemeindezentrum der evangelischen Kirche in Königstädten statt. Rechts Stephan Völker. Archivfoto: Susanne Rapp

Kultursommer

Stephan Völker wirft Kultur 123 "Gutsherrenart" vor

"Nicht geladen und nicht gewünscht": Der Berufsmusiker Stephan Völker wollte bei der Auftakt-Pressekonferenz zum Kultursommer teilnehmen, durfte aber nicht. Der Eigenbetrieb kontert die Kritik: "Sehr eigenwillige Auffassung von Zusammenarbeit".

Rüsselsheim -Stephan Völker zeigte sich am Dienstag verärgert darüber, an der Pressekonferenz von Kultur 123 zum Kultursommer 2021 nicht teilnehmen zu dürfen. Als Mitglied des Vorstands des Fördervereins Wohnstätte Inselhof wandte er sich daher mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit.

Es sei die "Gutsherrenart", mit der Kultur 123 in Person von Kristina Theis und Karin Krömer über die Köpfe der Kulturtreibenden hinweg entscheide, moniert der Kulturpreisträger von 2017. Völker erklärt, er werde dieses Jahr beim Rüsselsheimer Kultursommer drei Veranstaltungen für Jugendliche und ein Konzert im Inselhof geben. Im Schreiben des Fördervereins Wohnstätte Inselhof heißt es: "Obwohl wir insgesamt vier Veranstaltungen in Eigenverantwortung und mit ausdrücklicher Zustimmung des Kulturdezernenten ausrichten, sind wir nicht geladen und nicht gewünscht."

Der Wunsch Völkers, an der Pressekonferenz teilzunehmen, hat durchaus praktische Gründe. "Bis zum 17. Mai hätten die Fördermittel da sein sollen", so der Jazzmusiker. Mittlerweile seien sie überwiesen worden. Auch habe es bislang keine Informationen über andere Termine im Kultursommer gegeben. Daher sei es nicht möglich gewesen, zu überprüfen, ob es bei den geplanten Auftritten Überschneidungen gibt. Für die Konzerte sei Völker technische Ausstattung zugesagt worden. Doch auf Nachfrage sei ihm gesagt worden, man müsse erst einmal sehen, was für den Adamshof gebraucht wird. Der Tonfall sei herablassend und alles andere als freundlich gewesen. "Ich bin Berufsmusiker", unterstreicht Völker. "Ich muss mir nicht alles gefallen lassen."

Zweimal habe er angefragt, ob er an der Pressekonferenz teilnehmen kann und habe keine Antwort bekommen. Beim dritten Mal habe die Antwort schließlich gelautet, dass die Teilnahme einzelner Veranstalter nicht möglich sei. Eine Begründung sei jedoch ausgeblieben.

Kein Verständnis zeigt Völker für den Umgang von Kultur 123 mit den Künstlern. "Es finden keine Gespräche statt. Alles wird von oben herab entschieden." Da stelle sich die Frage, wer für wen da sei. Beim Kultursommer handle es sich um ein Angebot für die Öffentlichkeit. Die Künstler sollten nicht wie Bittsteller behandelt werden.

"Vermutungen und Unterstellungen"

Danach befragt, warum Stephan Völker die Teilnahme an der Pressekonferenz verweigert wurde, erklärt Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne), er sei irritiert über das Auftreten von Völker. Noch nie seien die Veranstalter oder Künstler zur Pressekonferenz eingeladen worden. Im Jahr 2021 seien es 21 Veranstalter. Das sei nicht verhältnismäßig. Er fühle sich persönlich betroffen von den Vorwürfen.

Derweil nimmt Kultur 123 in Person von Betriebsleiterin Karin Mairitsch gestern Abend Stellung zu den Vorwürfen Völkers, die befremdlich und überwiegend als Anliegen in eigener Sache zu interpretieren seien. Es handele sich auf Völkers Seite um eine "offenbar alternative Wahrnehmung von Fakten und sehr eigenwillige Auffassung von Zusammenarbeit", heißt es in der Stellungnahme.

Zum Ausschluss aus der Pressekonferenz verweist Kultur 123 darauf, dass die Auftakt-Pressekonferenzen zu "Kultur im Sommer" in der Regel ohne Veranstalter abgehalten werde. Daraus ein Desinteresse an Zusammenarbeit abzuleiten, sei weder schlüssig noch korrekt. Völker werde in Summe vier Veranstaltungen beim Kultursommer durchführen. "Wäre unsererseits tatsächlich Desinteresse an Zusammenarbeit gegeben, müsste man doch eher von keiner oder bestenfalls vereinzelter Auftrittsmöglichkeit ausgehen", schreibt Mairitsch.

Was die Kritik an mangelnder Verbindlichkeit hinsichtlich technischer Ausstattung anbelangt, verweist Kultur 123 darauf, dass schon im Herbst 2020 über die Möglichkeiten der technischen Unterstützung informiert worden sei. Möglicherweise wolle Völker einbringen, dass nicht alle seine Wünsche vollumfänglich erfüllt werden konnten. Zum Vorwurf bezüglich paralleler Veranstaltungen sei festzuhalten, dass sich bei mehr als 50 Veranstaltungen innerhalb von vier Wochen eine Gleichzeitigkeit nicht vermeiden lasse. Der Hinweis, dass die Produktionsbeiträge nicht wie angekündigt zum 17. Mai, sondern erst am 25. Mai überwiesen wurden, sei richtig. Dies sei den momentan schwierigen Rahmenbedingungen rund um Corona geschuldet.

Abschließend sei zu betonen, dass die Forderung Völkers, "aus allen anderen Veranstaltern und Künstlerkollegen besonders hervorgehoben und mit außerordentlicher Aufmerksamkeit bedacht werden zu wollen" sowie die von ihm geäußerten "Vermutungen und Unterstellungen" nicht der Vorstellung von Kultur 123 von konstruktiver Zusammenarbeit entspreche, so Mairitsch. sura/red

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