Adventskonzert

Stille Nacht als Pop-Version

Ein ungezwungenes, fröhliches Musizieren in einer gewachsenen, harmonisch funktionierenden Gemeinschaft von Schülern und Lehrern bestimmte das Adventskonzert der Gustav-Heinemann-Schule am vergangenen Mittwochabend in der evangelischen Stadtkirche.

Von ALBRECHT SCHMIDT

Die Band „Behind Rare Art“, ein Zusammenschluss der jungen Gitarristen Francesco Tattone und Andrea Ingrosso sowie des Schlagzeugers Michele Ingrosso und des Bassisten Fabrizio Casali, eröffnet das von modernen Pop-Klängen gekennzeichnete Programm des Konzerts in der evangelischen Stadtkirche. Im ersten Titel („Snow“) lassen die „vier kleinen Italiener im feinen Zwirn“ mit mediterraner Leichtigkeit, einem angenehmen, keineswegs auftrumpfenden Sound und eindringlich sich wiederholenden Floskeln den Schnee rieseln. „Dear Longyear Friend“, eine von den Mitschülern lautstark umjubelte Eigenkomposition mit klangmächtigen Gitarren-Soli, zeigt die durchaus ansprechende, persönliche Handschrift des Quartetts.

Ebenfalls mit großem vokalem Einfühlungsvermögen: zwei Gesangssolisten. Mohammed Edrisi überzeugt, von einem Gitarristen begleitet, durch seine bescheidene und natürliche Art sowie die geschickte Nutzung einer kopfigen Resonanz. Anna Schlegels „Hallelujah“ (Leonard Cohen), mit zarter Schlichtheit vorgetragen, verteilt Schmeichelklänge.

Mit Katharina Grossardt meldet sich eine seit diesem Schuljahr dem Kollegium der Gustav-Heinemann-Schule angehörige junge Musiklehrerin mit einem weiteren Gesangsbeitrag. Die Gitarrenbegleitung mit markanten Klopfgeräuschen übernimmt sie selbst, beginnt verhalten und steigert ihre „Why-Did-You-Go“-Fragen zu packender Intensität.

Die Schulband spielt mit drei Saxofonen, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard und ihrem Leiter Hanno Kirsch am Flügel. Im poppig-peppigen Sound lassen die Bandmitglieder bei fünf Weihnachtsweisen die Blue Notes hüpfen, wobei sogar die „Stille Nacht“ ihre Tauglichkeit für eine Pop-Version beweist. Freilich kommen einige dieser Arrangements von Andy Clark – so etwa „Jingle Bells“ – allzu dickflüssig und aufgebläht daher.

Einen ausgezeichneten Auftritt legt der Schulchor hin. Thomas Möller dirigiert, Hanno Kirsch begleitet am Flügel. „Believe“ und „Once More“ leben von einem schönen, präsenten, jugendlich strahlenden Chorklang mit schlanken, mühelosen Sopranhöhen. Im rund zwanzigköpfigen Ensemble widerlegen die sieben jungen Herren bei ihren Einwürfen mit sauberer Intonation das Vorurteil, dass die Männerwelt angeblich beim Singen eher unbeholfen sei.

 

Im „Christmas Pop Trio“, voller jazziger Reibeharmonien und Tonartrückungen, zeigen die Schüler, dass sie

fleißig geübt

haben und auch mit diffizilen, anspruchsvollen Chorsätzen zurechtkommen. Sie belohnen sich abschließend im fröhlichen Schunkeltakt, indem sie lauthals verkünden: „It’s the most wonderful time of the year“.

Bei diesen Fähigkeiten könnte sich die Gruppe getrost auch im klassischen Repertoire nach geeigneter Chorliteratur umsehen. Es gibt langanhaltenden Beifall der etwa 70 Besucher, Dankesworte, Blumen für Solisten und Lehrer sowie mit „Rock my soul“ einen gemeinsam gesungenen Abschluss eines Adventskonzertes, das wieder einmal bewusst macht, in welch hohem Maße das gemeinsame Musizieren in der Schule zur Stärkung der Identität und des Selbstwertgefühls beiträgt.

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