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Inlinehockey ist ganz und gar ihr Ding: Tim Bornhausen, Benjamin Groß und Jan Balgar (von links).

Rüsselsheim Royals

Stolz darauf, ein Königlicher zu sein

Seit 20 Jahren gehen die Rüsselsheim Royals auf Puck-Jagd. Das Team gibt es schon länger – doch der ursprüngliche Name war den Königlichen damals zu peinlich.

Von DIRK WINTER

Es war eher eine Randnotiz bei der Hauptversammlung im März 1995. Beim Rüsselsheimer Roll- und Schlittschuhclub (RRSC), so berichtete der damalige Vorsitzende Fredi Kneitz, werde jetzt eine weitere Sportart außer Rollkunstlauf und Stockschießen betrieben: Vier Aktive hätten sich zusammengefunden, um Hockey auf Inlineskates zu spielen. Einen offiziellen Namen habe sich das Quartett auch schon gegeben: Rüssel-Skate.

Mehr als 21 Jahre sind seither vergangen. Die Exoten von damals sind längst die einzig verbliebene RRSC-Sparte. Über ihren ursprünglichen Namen, der mehr an Rollakrobatik auf einer Skateranlage erinnert, rümpften sie schon bald den Rüssel. Auf Vorschlag von Mario Viggiani gaben sie sich einen königlichen Namen: Als Rüsselsheim Royals debütierten die RRSC-Neulinge 1996 in der erst kurz zuvor eingeführten Hessenliga.

Kürzlich versammelten sich Puckjäger verschiedener Spielergenerationen vorm Vereinsheim, um mit dem Echo auf 20 Jahre Royals zurückzublicken. Darunter Viggiani, der als kreativer Kopf des Vereins auch das Teamlogo – ein gekrönter Totenkopf – entworfen hat.

Inlinehockey ist eine dem Eishockey ähnelnde, aber nicht gleichende Sportart. Beispielsweise ist harter Körpereinsatz, sogenannte Bodychecks, bei der Inlinervariante verboten. Dennoch spielt mancher Eishockeyspieler gerne auf Rollen, um auch über die Sommermonate den Umgang mit Schläger und Puck pflegen zu können. Entstanden ist das Inlinehockey hierzulande aber als Ableger des Inlineskatens, das in den neunziger Jahren als Trendsportart aus den USA kam. So finden sich auch bei den Royals Skater und Eishockeyspieler.

Neben Viggiani zählte unter anderem Krzysztof Bielski, lange Spielertrainer und Torjäger, zu den Pionieren. Swoboda nennt auch Thorsten Michel, einst spielender RRSC-Vorsitzender, und Sebastian Raab, der als Kassenwart ebenfalls dem Vorstand angehörte. Aktuell wird der RRSC von Benjamin Groß und Tim Bornhausen geführt.

Auf der Rollsportanlage zwischen Stadion und SC-Opel-Gelände gab es damals allerdings noch keine Bande, sondern nur etwa 15 Zentimeter hohe Holzlatten. Als ernstes Gesundheitsrisiko erwies sich die auf Sportplätzen übliche Begrenzung mit eisernen Stützrohren und Handläufen. Wehe, wenn ein rasender Royal auf Abwegen dagegenknallte. Swoboda kann sich an üble Verletzungen bis hin zu offenen Brüchen erinnern: „Da gab es Leute, die vom Schicksal ziemlich gebeutelt wurden.“ Zum Verständnis, warum sich Inline-Puckjäger darauf einließen, sagt Bornhausen: „Damals war es ein Privileg, überhaupt einen Platz zu haben.“

Um eine Bande ist die Rollsportanlage erst ergänzt worden, als die Royals bis in die Bundesliga stürmten. Im Jahr 2000 gehörten sie eine Saison der deutschen Eliteklasse an.

Danach rollte es nicht mehr so geschmiert. 2004 verloren die Royals sogar 14 Spiele in Folge. Der Grund war ein personeller Umbruch: Altgediente Leistungsträger waren gegangen, junge, unerfahrene Spieler gekommen. Erst 2013 konnten die Royals wieder eine Meisterschaft feiern – und was für eine. Bornhausen und Jan Balgar erinnern sich an das Landesliga-Finale in Baunatal, als die Rüsselsheimer mit fünf Feldspielern und einem Torwart auskommen mussten. Ihnen stand also lediglich ein (statt der üblichen acht) Auswechselspieler zur Verfügung. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit bei dieser kraftaufwendigen Sportart. Und dann sahen sich die Royals nach zwei Platzverweisen auch noch in Unterzahl – für zehn Minuten. Trotzdem schafften sie die Sensation und besiegten ihren Finalgegner Nordhessen Hornets mit 7:5.

Kurios auch, dass Balgar bei der Abfahrt in Rüsselsheim seine Handschuhe vergessen hatte. So mussten bei jedem Spielerwechsel auch die Handschuhe getauscht werden. „Das war so ziemlich das Skurrilste, was in 20 Jahren Royals je passiert ist“, sagt Swoboda.

Die Zeitzeugenrunde ist sich einig, dass der RRSC ein Verein mit besonderem Zusammenhalt ist. Die Spieler kämen nicht nur zu Training und Wettkampf zusammen. Vielmehr erinnert sich Bornhausen an Abende, da man bis spät in die Nacht im Vereinsheim feierte. Von Sebastian Löw, Spieler des aktuellen Landesligateams, ist das Zitat überliefert: „Über all die Jahre hinweg hat es immer viele Leute bei den Royals gegeben, die sich mehr engagiert haben, als es in normalen Vereinen üblich ist. Es steckt einfach sehr viel Herzblut beim RRSC drin.“

Ein Königlicher zu sein, geht den rollenden Hockeyspielern geradezu unter die Haut. Bei Janik Schwedler sogar im Wortsinne: Der Kapitän des aktuellen Landesligateams hat sich eine Variation des Royals-Logos auf die Wade tätowieren lassen.

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