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Strategie gegen Fachkräftemangel

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Der Fachkräftemangel zählt zu den großen Problemen der Wirtschaft.
Der Fachkräftemangel zählt zu den großen Problemen der Wirtschaft. © Stephanie Pilick

Amtsleiter klagen über den Mangel von Fachpersonal – doch das ist kein exklusives Rüsselsheimer Problem. Eine neue Arbeitsgruppe soll jetzt Abhilfe schaffen.

Hört man sich dieser Tage bei Rüsselsheimer Rathaus-Mitarbeitern und Grundschullehrern um, wird schnell klar: Neues Fachpersonal ist ein rares Gut. Und es scheint, dass es selten so einfach war, einen Job in der Verwaltung, in einer Kita oder in einer Grundschule zu ergattern wie derzeit.

Fieberhaft wird neues Personal gesucht, in vielen verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung. Amtsleiter sprechen von Notsituationen. Aus Behörden kommen Klagen, dass das Personal am Rande der Belastbarkeit arbeite. Grundschullehrer beschweren sich darüber, dass offene Stellen lange nicht besetzt werden.

Und auch die Dezernenten wissen um die große Belastung ihrer Kollegen: So sagte etwa Nils Kraft (SPD) kurz vor seiner Wiederwahl zum Baudezernenten der Stadt Rüsselsheim: „Im Bau-Sektor stehen wir bei Stellenausschreibungen beispielsweise im Wettbewerb um Fachpersonal zu anderen Städten, zum Land und zum Bund.“ Von der freien Wirtschaft ganz zu schweigen. Und dort werden Gehälter gezahlt, die im öffentlichen Dienst nicht aufgerufen werden können.

Flexible Modelle

Nils Kraft sagt: „Wir sind jedoch ein verlässlicher Arbeitgeber, damit müssen wir punkten.“ Zudem setze man verstärkt auf flexible Arbeitszeitmodelle, um im Zeitalter der Digitalisierung ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Doch ob das reicht? Laut einer aktuellen Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, die der „Rheinischen Post“ vorliegt, hinkt das Gehaltsniveau im öffentlichen Dienst dem Gehaltsniveau in der Gesamtwirtschaft um beachtliche elf Prozent hinterher.

Trudi Hartung, Chefin des Rüsselsheimer Bürgerservice, fordert sechs neue Stellen, um den Betrieb der Stadtbüros für die Zukunft rüsten zu können: „Wir brauchen diese neuen Stellen, um die Arbeitssituation der Kollegen auf eine normale Basis zu bringen“, sagt sie. Doch auch sie klagt: „Es ist momentan sehr schwierig, entsprechend ausgebildetes Fachpersonal zu finden.“ So habe man zuletzt etwa drei Ausschreibungen für die Stadtbüros laufen gehabt, von den Bewerbern seien allerdings nur sehr wenige für den Job geeignet gewesen.

Als Grund für die zunehmende Belastung in den Bürgerservice-Büros wird die steigende Bevölkerungsentwicklung der Stadt herangezogen, für deren Abwicklung es zu wenige Stellen in der Verwaltung, in den Kitas oder den Grundschulen gibt. „Beim Standesamt im Geburtenbereich hinken wir zum Beispiel hinterher. Der Bereich ist für 800 Geburten im Jahr ausgelegt, doch haben wir mittlerweile über 1000 Geburten jährlich zu bewältigen“, so Trudi Hartung.

Der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst ist nicht nur in Rüsselsheim ein Problem: Laut einer Studie der Beratungsfirma PwC werden im Jahr 2030 bundesweit 194 000 Lehrkräfte sowie 276 000 Verwaltungsfachleute und Büroangestellte fehlen. Wie darauf reagieren? Wie vorbereiten? Wie gegensteuern?

Lösung in Sicht?

In Rüsselsheim setzt man auf eine Arbeitsgemeinschaft. So gab der neue Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) unlängst zu Protokoll: „Es gibt bereits eine dezernatsübergreifende Arbeitsgruppe zum Thema Personalentwicklung, und momentan wird eine Arbeitsgruppe zum Thema Personalgewinnung und -bindung in den Kitas eingerichtet.“ Ergebnisse oder konkrete Arbeitsziele sind noch nicht bekannt.

Um die personelle Situation in den Stadtbüros zumindest kurzfristig zu verbessern und dem großen Zuspruch Rechnung zu tragen, seien sechs neue Stellen zum Stellenplan für 2018 angemeldet, so Udo Bausch.

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