Özgür Bilgin und Ramona Schwitter

Streetworker: Auf der Straße und bei den Jugendlichen

Sie sind Ansprechpartner, Ideengeber, Konfliktlöser _ – oder einfach nur da. Die Streetworker der Stadt nehmen dafür auch mal unübliche Arbeitszeiten in Kauf, um Jugendliche zu erreichen.

Die Arbeit von Özgür Bilgin und Ramona Schwitter hat zwei wesentliche Schwerpunkte: Der eine ist die aufsuchende Jugendarbeit, das heißt sie sprechen Jugendliche an, die sich im öffentlichen Raum aufhalten. Der andere Bereich ist die mobile Jugendarbeit, wenn die Streetworker Aktionen anbieten, wie zuletzt das Hip-Hop-Mobil auf dem Bahnhofsplatz. Außerdem leiten sie den Jugendtreff in Haßloch-Nord und führen Hallenangebote in der Sporthalle der Albrecht-Dürer-Schule durch. Die Streetworker haben immer ein offenes Ohr für die Bedürfnisse von Jugendlichen, helfen ihnen bei Problemen weiter und vermitteln auch bei Konflikten in der Familie, Schwierigkeiten in der Schule beziehungsweise am Arbeitsplatz, bei Streitereien mit Freunden oder bei Beschwerden von Anwohnern.

Die beiden Sozialarbeiter haben ein sehr enges Netzwerk und kennen sich in der Jugendszene gut aus, zu der sich auch immer jüngere Jugendliche gesellen. Bilgin sagt: „Bei der Arbeit haben wir rund 50 Ecken und Nischen im Blick, in denen sich Jugendliche aufhalten. Was die Jugendlichen bewegt, kann sehr unterschiedlich sein.“

Mal wüssten sie nicht, was sie in ihrer Freizeit machen können. Dann fragen die Streetworker nach den Interessen und stellen die vielen Angebote in Rüsselsheim vor. Doch die Jugendlichen bewegt noch wesentlich mehr. Häufig sind es auch Probleme in der Familie, die Ratlosigkeit, welchen Beruf sie lernen wollen oder wie sie an eine Ausbildungsstelle kommen. Probleme mit Alkohol und Drogen kommen ebenfalls vor. Bilgin sagt: „Wir arbeiten präventiv und greifen früh ein, vermitteln Hilfsangebote und begleiten die Jugendlichen, wenn gewünscht, auch bei den ersten Terminen.

Durch Mundpropaganda würden auch Jugendliche im Büro an der Dammgasse 7 vorbeikommen oder anrufen. Dabei müssen sie immer abwägen, ob bei Problemen in der Familie eine Gefährdung der Jugendlichen vorliegt und weitere Schritte erforderlich sind.

Zu einem der größten Erfolge hinsichtlich der mobilen Jugendarbeit zählt, dass sich die Anlaufstelle in Haßloch-Nord nach 18 Jahren zum Jugendtreff gewandelt hat und erst kürzlich erweitert wurde. Auch hier entwickeln Bilgin und Schwitter die Angebote zusammen mit den Jugendlichen immer weiter. So war im Jugendtreff das Interesse am Parkour-Sport groß, und die offene Akrobatik-Gruppe hat sich immer mehr zu einer Parcours-Gruppe entwickelt. Hier üben nun zwischen zehn bis 15 Jugendliche Sprünge und Bewegungen, um Hindernisse im Stadtgebiet zu überwinden.

Wichtig ist beiden, den Jugendlichen nicht irgendwelche Angebote überzustülpen. Wenn sie Teenies erreichen und zum Mitmachen animieren wollen, müssen sie sich auch an ihrer Lebenswelt orientieren, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und sie mitgestalten lassen. „Wir schauen uns den Sozialraum genau an“, erläutert Bilgin. So richten sich die Streetball-Aktionen, das Sportsfun-Festival oder die Fußballnächte nach den Interessen der Jugendlichen. Als besondere Aktionen werden auch gemeinsame Ausflüge unternommen. Die Jugendlichen können ihre Wünsche äußern, und wenn es pädagogisch mit eingebunden werden kann, geht es los. So war es Wunsch der Parkour-Sportler, zu einem Trampolinpark zu fahren, um sich dort neuen Herausforderungen zu stellen, oder der Basketballer, die Profis der „Fraport Skyliners“ bei einem Spiel zu sehen und sich vielleicht das ein oder andere abzuschauen.

Weitere Projekte sind aus den Anregungen der Jugendlichen heraus durch Moderation von Streetwork und dem Kinder- und Jugendbüro entstanden, zum Beispiel der Skatepark am Stadion oder der Stadtwerke-Dirt-Park im Ostpark. Eines der jüngsten Projekte ist die künftige Streetball-Anlage an der Max-Planck-Schule. Jugendliche haben den Wunsch nach einer solchen Anlage im Jugendforum vorgetragen, derzeit wird sie im Zuge der Bauarbeiten an der Max-Planck-Schule geplant.

„Das wird für die Streetballer eine deutliche Verbesserung ab dem kommenden Jahr bedeuten“, sagt Bilgin. Neben der Arbeit mit den Jugendlichen, die inhaltlich und hinsichtlich der Arbeitszeiten viel Flexibilität erfordert, steht auch immer wieder Büroarbeit an. Denn die Streetworker müssen Projekte planen, vor- und nachbereiten und sechs Honorarkräfte mit unterschiedlichen Stundenkontingenten koordinieren. Für Schwitter ist die Mischung genau richtig: „Ich möchte Projekte vorantreiben, dabei aber auch immer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“ Bilgin kann dies nur bestätigen: „Das Schönste ist das Vertrauen der Jugendlichen“, sagt er. Teilweise würden auch Jugendliche, die schon über 20 Jahre alt sind, immer noch den Kontakt zu den Streetworkern suchen.

Für die Stadt war die Einstellung der beiden „ein Glücksgriff, weil sie beide während des Studiums schon als Honorarkräfte im Freizeithaus Dicker Busch oder im Jugendtreff Haßloch-Nord aktiv waren und sowohl die Stadt als auch die Jugendszene bestens kennen. Bilgin hat an der Hochschule Darmstadt Sozialpädagogik studiert und im Anschluss im Jugendzentrum am Frankfurter Berg gearbeitet, danach kam er zur Stadt Rüsselsheim.

Als Schwitter das Studium in Darmstadt aufgenommen hat, hieß der Studiengang bereits Soziale Arbeit. Mit dem Abschluss in der Tasche arbeitete sie bei der Stadt Langen, bevor sie nach Rüsselsheim kam. Beide sind in Rüsselsheim aufgewachsen und leben hier. Auch zu Opel haben sie Bezüge: Bilgins Vater war Opelaner, bei Schwitter war es der Großvater.

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