Rekordversuch

24 Stunden am Stück ans Limit gehen

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Eine Höchstleistung für den Körper: In 24 Stunden will Nicola Walde über 1219 Kilometer zurücklegen, und das mit reiner Muskelkraft. Wenn sie es schafft, winkt ihr der Weltrekord.

Geübt klettert Nicola „Nici“ Walde (44) in ihr knapp 1,50 Meter langes und höchstens 30 Zentimeter breites Liegerad, auch Velomobil genannt. Hier will die Athletin ab heute, 10 Uhr, die nächsten 24 Stunden verbringen.

Warum diese Frau sich das bei der derzeitigen Hitze antut? Sie will einen neuen 24-Stunden-Weltrekord aufstellen. Und nicht nur den für Frauen, sondern auch den für Männer. Das bedeutet, sie muss innerhalb von 24 Stunden mehr als 1219 Kilometer mit dem aerodynamischen und vollverkleideten Liegedreirad zurücklegen. Das hat bisher noch keiner geschafft.

Entwickelt und konstruiert hat das Liegerad – ein Unikat – Partner Daniel Fenn. „Er ist eigentlich die wichtigste Person bei diesem Rennen, ich fahre nur“, sagt Walde. Auf dem Pressetermin am Freitag ist Walde gut drauf. „Normalerweise bin ich einen Tag vor so einem Ereignis schlecht gelaunt, aber gerade genieße ich den ganzen Wirbel“, schwärmt sie. Unterstützt wird sie bei dem Rekordversuch von der Firma Opel, die Walde auch die 4,8 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsrundbahn des Opel-Testcenters Rodgau-Dudenhofen zur Verfügung stellt.

Um die derzeit hohen Temperaturen macht sich die 1,50 Meter große und 45 Kilogramm schwere Walde keine großen Gedanken. Denn wenn es warm ist, rolle das Velomobil besser. „Mein Körper kommt mit Hitze gut klar“, sagt sie. Trainiert habe Walde bisher nur knapp zehn Stunden am Stück. Wie ihr Körper auf 24 Stunden reagieren wird, kann sie noch nicht genau sagen. „Ich werde natürlich versuchen, komplett durchzufahren. Aber nachts werde ich vermutlich aussteigen müssen, was Zeit kosten wird“, sagt sie voraus. Denn wenn das knapp 15 Kilogramm schwere Velomobil einmal steht, dauert es seine Zeit, es wieder auf Geschwindigkeit zu bekommen. Der Rekordversuch ist eine Zerreißprobe für den Körper. Walde muss fast am Stück 24 Stunden lang in die Pedalen treten und dabei immer an ihr körperliches Limit gehen. Denn um den Rekord zu schaffen, muss sie die Durchschnittsgeschwindigkeit von 51 Kilometer pro Stunde halten. Damit ihr Körper dabei mit Energie versorgt wird, ist der Innenraum des Sechs-Gang-Velomobils mit einem Kanister Wasser mit Salz, einem Kanister Multivitaminsaft und fünf bis sechs Boxen gefüllt mit Kartoffelsalat, Mais mit Thunfisch und – für Walde besonders wichtig – Vollkornbrötchen mit Butter und Nutella. Der Brotaufstrich sei eben ihr Antrieb, das brauche sie. Nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch ihre Notdurft wird Walde in dem Liegedreirad verrichten müssen. Eine Freundin habe sie dafür mit Windeln ausgestattet.

Viel Ablenkung wird Walde auf der im Kreis führenden Teststrecke nicht haben. Kein Radio oder sonstigen Reize würden dann noch etwas bringen. „Nach zehn Stunden steigt der Kopf einfach aus, da werd ich blöd“, betont sie. Sie müsse dann ihrem Körper mentalen Antrieb geben. „Der Kopf wird sagen: ,Hör auf‘,. Dann muss ich sagen ’Nein‘.“ Für solche Extremsituationen sei es außerdem wichtig, ein Gefühl für seinen Körper zu haben, um zu wissen wann eine Pause nötig sei. Das habe sie. „#WeBelieve“ ist das passende Motto der Aktion, denn nicht nur Walde, sondern alle Unterstützer glauben ganz fest an ihren Erfolg.

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