Seit Einführung des "Segmented Approach" im März soll der Fluglärm in Bauschheim stark zugenommen haben, klagen die Bewohner. Foto: dpa
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Seit Einführung des "Segmented Approach" im März soll der Fluglärm in Bauschheim stark zugenommen haben, klagen die Bewohner.

Fluglärm

Flughafen Frankfurt: Süd-Anflüge plagen Bewohner in Rüsselsheim

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    VonDorothea Ittmann
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Anwohner in Rüsselsheim klagen über starken Fluglärm. Der Grund: Das segmentierte Anflugverfahren am Flughafen Frankfurt. Die Fluglärminitiative wendet sich an die Politik.

Rüsselsheim/Bauschheim - Für die Bauschheimer ist Fluglärm nichts Neues. Dass nun aber Ortsteile betroffen sind, wo vorher noch keine Flugzeuge zu hören waren, ärgert die Bewohner. Grund dafür ist der seit 1. März laufende Probebetrieb des "Segmented Approach" am Flughafen Frankfurt. Dahinter verbirgt sich ein satellitengestütztes Anflugverfahren, das zurzeit ausschließlich für aus dem Süden kommende Flugzeuge genutzt wird.

Thomas Hoffmann wohnt mit seiner Familie seit etwa zwei Jahren in Bauschheim. Er hat sich mittlerweile einer örtlichen Fluglärm-Gruppe angeschlossen, die sich nach einem Aufruf der Bauschheimer Umweltinitiative gebildet hat. Hoffmann würde sich nicht als Flughafengegner bezeichnen, schließlich sei Fraport einer der größten Arbeitgeber im Rhein-Main-Gebiet. "Es darf nicht zu viel werden", sagt der Bauschheimer, und diese Grenze sei nun überschritten worden.

Flughafen Frankfurt: Fluglärm ist für Anwohner in Rüsselsheim ein Problem - 30 Flugzeuge pro Nacht

Eigentlich habe er sich in dem Rüsselsheimer Ortsteil ein Häuschen im Grünen gekauft, um dem Großstadttrubel in Wiesbaden zu entkommen. Nun zählten aufmerksame Bauschheimer bei Ostwind an Spitzentagen bis zu 30 Flugzeuge über dem Ort. Weil die Flieger bei Westwind eine östliche Route nehmen, bleibe es an manchen Tagen ruhig. Das sei aber trügerisch. In solchen Phasen beruhigten sich zwar die Gemüter wieder, aber nur solange, bis der Wind sich dreht. Dann verzeichne die Lärm-Messstation schon einmal mehr als 80 Dezibel, was mit einem vorüberfahrenden Zug oder einer stark befahrenen Autobahn vergleichbar ist. Die Tageswerte können auf der Internetseite des Deutschen Fluglärmdienstes abgefragt werden.

Hinzu komme, dass Flugzeuge gelegentlich von ihrer Route abwichen. Die Fluglärm-Gruppe könne diese Abweichungen mit einer Flug- radar-App für das Smartphone nachweisen. Größere Abweichungen seien Fraport nicht bekannt und aufgrund des GPS-basierten Anflugverfahrens auch gar nicht möglich, habe die Flughafenbetreiberin auf Nachfrage geantwortet. Von Vorteil für die Fluglärm-Gegner wäre die Installation einer Feinstaubmessanlage in Bauschheim. Bei erhöhter Feinstaubbelastung hätte die Stadt etwas in der Hand, um gegen das Anflugverfahren vorzugehen, so Hoffmann.

Flughafen Frankfurt: Fluglärm-Gruppe in Rüsselsheim appelliert an die Politik

Denn die Fluglärm-Gruppe ist besorgt darüber, dass der segmentierte Anflug nach Ende der Testphase im Herbst dauerhaft eingeführt werden könnte. Man wolle auf keinen Fall vor vollendete Tatsachen gestellt werden, weshalb Thomas Hoffmann vor ein paar Wochen stellvertretend für die Aktionsgruppe den Stadtverordnetenvorsteher Jens Grode (SPD) um ein gemeinsames Vorgehen mit der Stadt Rüsselsheim gebeten hatte.

Parallel dazu hat der Ortsbeirat Bauschheim eine schriftliche Anfrage an den Magistrat gestellt, der prüfen soll, ob die Stadt Rüsselsheim gegen das Testverfahren und die geplante Überführung in den Regelbetrieb Einspruch einlegen kann. "Die Stadt ist ein wirksamer Akteur", weiß Hoffmann. Er befürchtet, dass sonst das Engagement kleinerer Gruppen verpuffen könnte. Dem Thema dürfte sich der neue ehrenamtliche Lärmabwehr-Dezernent annehmen, der die Interessen Rüsselsheims in der Fluglärmkommission vertritt. Das Amt hatte zuletzt Marianne Flörsheimer (Linke/Liste Solidarität) inne. Noch steht ihr Nachfolger nicht fest.

Ein Ende des segmentierten Anflugverfahrens sei auch im Interesse der Stadt, betont Hoffmann. Schließlich liege das geplante Neubaugebiet Eselswiese ebenfalls in der Nähe der Flugschneise. Fluglärm beeinträchtige die Attraktivität des zukünftigen Wohngebiets. "Wir wollen unsere Lebensqualität erhalten", appelliert der Bauschheimer an die Politik, schnell tätig zu werden. (Dorothea Ittmann)

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