Bibliothekarin

Eva Süßmilch will Kinder für Literatur begeistern

Ein Leben ohne Bücher? Für Bibliothekarin Eva Süßmilch (50) ist das unvorstellbar. Kaum eine Ecke, kaum ein Platz auf dem Holztisch bei ihr zu Hause, wo sie sich nicht türmen. Schon bei Kindern Leselust zu wecken, ist ihr Beruf und ihre Mission.

Köstlich schmeckt das „Ewige Leben“, wenn Eva Süßmilch es als grünen Tee, versetzt mit duftenden Blüten, serviert. Unter dem Kannenwärmer aus Irland verströmt der Tee seinen Duft, während sich auf dem rustikalen Holztisch Bücher über Bücher stapeln.

„,Max Frisch – die Tagebücher’. Ein faszinierender Fundus. Ich habe mich jahrelang daran abgearbeitet“, erzählt Süßmilch, nimmt das Exemplar zur Hand. Und was liegt darunter? Ah – Lyrik von Hilde Domin. Sie setzt die Brille auf, liest: „Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft unter den Akrobaten und Vögeln...“. Sie lacht: „Ist das nicht schön?“ Süßmilch ist eine literaturkundige Frau, die sich oft in Worte verliebe. „Ich lese morgens, mittags, abends. Dazu braucht es einen Lebensgefährten, der das versteht. Dirk ist auch Bibliothekar – daher passt das.“

Und schon blättert Süßmilch fast zärtlich in einem illustrierten Kinderbuch: „Ich bin ein Kind der Bücher“, ist da zu lesen und sie erklärt: „In diesem Bilderbuch greift Literatur ins Leben. Es entsteht eine Welt, die mit literarischen Zitaten eine fantasievolle Dichte des Erlebens schafft.“ Das Buch („Wo die Geschichten wohnen“) ist eine ihrer Entdeckungen als Fachfrau für Kinder- und Jugendliteratur in der Stadtbücherei.

Eva Süßmilch meint: „Ich bin im wahrsten Wortsinn ein Kind der Bücher, eine Frau der Bücher.“ Wie prägend Romane fürs Leben sein können, wie sie es bereichern, dies möchte sie durch Austausch in der Bücherei – Lesungen, Veranstaltungsreihen oder das „Erzählcafé“ gehören dazu – schon den jüngsten Besuchern aller Kulturen vermitteln. Und sie tut dies mit Enthusiasmus. „Viele Kinder erfreuen sich als erstes an meinem Namen – Eva Süßmilch – sie sagen: Das klingt schön“, erzählt sie heiter. Wirklich: Ein Name, den ein Dichter nicht passender hätte wählen können.

Zwischen Max Frisch, Christa Wolf, Hilde Domin, Krimis aus Irland und vielen Kinderbüchern, die sie hortet, erzählt Süßmilch, dass sie, geboren 1967, im schleswig-holsteinischen Itzehoe aufgewachsen sei. „Meine Mutter war Apothekerin und konnte nicht verstehen, dass ich die Nase immer in Romane steckte und mich dann entschied, den Umgang mit Literatur zum Beruf zu machen.“

Ihren frühen Lesehunger stillte Süßmilch mit „Hanni und Nanni“, „Burg Schreckenstein“, „Karl May“ oder Agatha Christie, bevor sie das Kriterium kennenlernte, das für sie zum beflügelnden Lesevergnügen gehört: „Schöne Sprache, eindringlich erzählt.“

Für die junge Eva stand der Berufswunsch fest: „Ich lernte Buchhändlerin und sattelte angesichts der mageren Aussichten im Buchhandel ein Studium des Bibliothekswesens drauf.“ Dafür ging es fünf Jahre nach Hamburg. „Meine Diplomarbeit schrieb ich über interkulturelle und feministische Bibliotheksarbeit, denn beides hielt ich damals, als noch keine Rede vom Einwanderungsland war und feministische Gedanken radikal wirkten, für zentral.“ Bundesweit bewarb sie sich als Bibliothekarin – und kam vor knapp 30 Jahren nach Rüsselsheim. Die Stadt in ihrer Interkulturität gefalle ihr.

„Für mich ist die Kinder-und Jugendbuchabteilung das Herz der Bibliothek. Jugend fürs Buch zu begeistern – das macht mir große Freude. Bestandsaufbau, Kooperation mit Förderverein und Schulen sowie Öffentlichkeitsarbeit gehören dazu.“

Und was macht sie, wenn sie mal weder liest noch Literatur vermittelt? „Bauchtanz, Zumba, Rad fahren, reisen und leidenschaftlich gern kochen – am liebsten orientalisch“, sagt Süßmilch und nimmt fast beiläufig ein Buch vom Stapel.

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