Riedleitung

Täglich bis zu 120 000 Kubikmeter Wasser

An der Schrägseilbrücke befindet sich mit dem Verteilerbauschacht das Ende des ersten Bauabschnittes für die neue Trinkwasser-Versorgungsleitung der Riedleitung.

Früher, bevor die Schrägseilbrücke für den Verkehrsanschluss Ost gebaut wurde, fiel das kleine Gebäude, das mit seinen gelben Ziegelsteinen den Charme der 1960er Jahre versprüht, kaum auf. Dort traf man höchstens Hundehalter und Spaziergänger an. Jetzt liegt der Blick auf das Gebäude frei.

Aber was befindet sich eigentlich in dem 1964 gebauten Häuschen? „Das ist im Grunde ein Verteilerbauschacht“, informiert Daniele Caccamo, Sachgebietsleiter für Anlagen- und Bautechnik der Wasserbeschaffungsgesellschaft Hessenwasser. Durch eine alarmgesicherte, mit verzinktem Stahl gerahmte Tür geht es hinein. In einer Tiefe von gut fünf Metern hängen Rohre mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter. Sie sind für die Trinkwasserversorgung im hessischen Ried zuständig.

Im März wurden die Leitungen erneuert und aufgestockt. Denn vor zwölf Monaten begann das millionenschwere Erweiterungsprojekt von Hessenwasser. Mit dem Verteilerbauschacht in Raunheim befindet sich dort das Ende des ersten von vier Bauabschnitten.

1963 und 1964 wurde innerhalb von anderthalb Jahren die Riedleitung aus dem Boden gestampft. Der Bau hing eng mit der Besiedlung des Ballungsraumes zusammen, so Hubert Schreiber, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Hessenwasser. Die 35 Kilometer lange Trinkwassertransportleitung beginnt am Wasserwerk Gernsheim-Allmendfeld und reicht bis zum Main bei Raunheim.

Von dem Verteilerbauschacht führt eine Leitung über die südliche Mainseite nach Frankfurt. Eine zweite Leitung führt unter dem Main hindurch, um sich auf der Nordseite des Flusses ein weiteres Mal zu teilen. Von dort werden dann die Regionen Wiesbaden bis Frankfurt mit Trinkwasser versorgt.

Die Krux: „Die Leitung wird nicht jünger“, erklärt Schreiber. Soll heißen, sie muss irgendwann außer Betrieb genommen werden, um sie sanieren und instand setzen zu können. Es ist aber nicht möglich, sie für diese Sanierungszwecke allzu lange außer Betrieb zu nehmen, ohne einen Versorgungsnotstand zu generieren. Deshalb will Hessenwasser über die gesamte Strecke eine parallele Leitung im Erdreich verlegen.

Mit der Leitung zwischen Rüsselsheim-Haßloch und Raunheim wurde jetzt der erste, vier Kilometer lange Streckenabschnitt beendet. Drei weitere werden folgen. Noch ist offen, wann mit dem zweiten, 17 Kilometer langen Teil zwischen Allmendfeld und Riedstadt-Wolfskehlen begonnen wird. Anvisiert sei das Jahr 2020, so Schreiber.

Wann das Projekt gänzlich abgeschlossen sein wird, sei noch völlig offen, sagt Schreiber. Insgesamt wird der Bau der Parallelleitung geschätzte 100 Millionen Euro verschlingen. Der erste Abschnitt kostete acht Millionen.

120 000 Kubikmeter Wasser floss jeden Tag durch die alte Leitung zwischen Haßloch und Raunheim. Die Parallelleitung wurde im September in Betrieb genommen. Jetzt wird durch jede der beiden Leitungen die Hälfte, also 60 000 Kubikmeter Wasser gepumpt. Damit sinke der hydraulische Druck in der alten Leitung und das Havarierisiko verringere sich damit ebenfalls, so Caccamo.

Durch die Parallelleitung musste auch im Verteilerbauschacht das Rohrsystem ausgebaut werden. In einem bereits in den 60er Jahren angelegten Nebenschacht kommt die neue Parallelleitung an. Von ihr zweigt zum einen eine neue Leitung ab, die sich noch im Schacht mit der alten Abzweigung in Richtung südliche Mainlinie verbindet. Zum anderen werden die alte Leitung in Richtung nördliches Mainufer und die neue Leistung aus dem Schacht herausgeführt und außerhalb des Bauwerks miteinander verbunden. Der Knotenpunkt ist über einen Revisionsschacht erreichbar. „Das ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit“, räumt Sachgebietsleiter Caccamo ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare