Der Laden von Hamza Malik ist voll mit Winterware, die er aktuell versucht mithilfe des Instagram-Accounts seines Geschäfts (faiza_thefashionstore) zu verkaufen. foto: Privat
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Der Laden von Hamza Malik ist voll mit Winterware, die er aktuell versucht mithilfe des Instagram-Accounts seines Geschäfts (faiza_thefashionstore) zu verkaufen.

Gewerbe

Testen statt Lockdown?

  • vonDr. Daniela Hamann
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Forscher schlagen ein System vor, mit dem Getestete, Immune und Geimpfte sich frei in Friseursalons, Restaurants oder bei Kulturveranstaltungen bewegen können. Ist das eine Alternative zum Lockdown? Das sagen Händler und Veranstalter in Rüsselsheim dazu.

Rüsselsheim - Einzelhändler und Veranstalter sind durch die Verlängerungen des Lockdowns der Verzweiflung nahe. Dabei hilft es nicht, dass die von der Bundesregierung versprochenen Hilfen noch immer auf sich warten lassen. Aktuell kursiert deswegen die Idee, statt dem Weiterführen des Lockdowns eine Öffnung von Geschäften und den Zugang für Kunden zu ermöglichen, die einen aktuellen, negativen Corona-Test vorweisen können. Das Konzept ist auch für Veranstaltungen im Gespräch.

Seit mehr als 20 Jahren führt Hamza Malik seinen Laden "Faiza - The Fashionstore" in der Bahnhofstraße, mitten in der Rüsselsheimer Innenstadt. Malik sagt, er würde es begrüßen, wenn die Regierung dem Konzept "Testen statt Lockdown" zustimmen würde. "Es ist besser als gar nichts. Aktuell sind mein Geschäft und mein Lager mit Winterware voll, die ich nicht abverkaufen kann." Malik ist aus diesem Grund vor allem auf dem Instagram-Account der Fashionstores besonders aktiv. Hier stellt er fast täglich Angebote ein und informiert über die Möglichkeit von Kauf und Abholung im Laden.

Laufende Kosten irgendwie zahlen

Doch wirklich viel abverkaufen kann der Ladenbesitzer auf diesem Weg nicht. "Ich werde die Winterware im schlimmsten Fall wieder einpacken müssen. Dabei habe ich gar keinen Platz mehr im Lager. Und im Frühjahr und Sommer werden wir an den Ständern leere Stangen haben, weil die Hersteller kaum Ware angeboten haben, da es keine Planbarkeit gibt."

Zudem habe er laufende und teilweise gestundete Kosten, die er jetzt und in Zukunft begleichen müsse. Dass, sollten Schnelltests statt eines anhaltenden Lockdowns eingeführt werden, dann plötzlich ein Kundenansturm über die Innenstadt hereinbrechen werde, glaubt Malik nicht. "Schon im Lockdown Light vor dem 16. Dezember war in der Stadt wenig los. Das lag daran, dass damals bereits die Restaurants geschlossen hatten", erinnert sich Hamza Malik zurück. Dennoch wünsche er sich, dass die Menschen seinen Laden endlich wieder betreten dürfen. Denn der Kontakt zu den Kunden fehle ihm sehr.

Seit 15. März geschlossen

Positiv sieht auch Ingo Kruse von der "Waschbar" die Diskussion um Tests statt Lockdown. "Na klar würde ich mit Tests aufmachen! Unsere Lokalität läuft unter der Rubrik Barbetrieb. Wir durften also noch nicht mal im vergangenen Sommer wieder öffnen. Die ,Waschbar' ist seit dem 15. März geschlossen." Nur der Waschsalon - von dem die Bar ihren Namen hat - sei geöffnet. Die Einnahmen aus dem Betrieb sind aber eher klein.

"Irgendwie ist auch dieses Jahr gefühlt für uns schon gelaufen. Ob wir 2021 Veranstaltungen machen können, ist zweifelhaft. Dabei haben wir 2020 unser 20-jähriges Bestehen gefeiert. Allein 2019 liefen bei uns 80 Veranstaltungen", berichtet Kruse resigniert. Aktuell lebe er von seinen Rücklagen. Doch auch die hielten nicht ewig. Trotzdem sagt der Besitzer: "Ich würde die ,Waschbar' nur ungern schließen. Wir versuchen sie am Leben zu halten, egal wie."

Etwas nachdenklicher äußert sich Florian Haupt vom "Rind" zum Thema Veranstaltungen nach Vorlage eines negativen Corona-Tests, Ja oder Nein? Grundsätzlich stelle er sich die Frage, wie zuverlässig derartige Schnelltests seien, sagt Haupt. "Es besteht ja immer ein Restrisiko. Die Schnelltests haben eine hohe Fehlerquote. Viele sind falsch negativ. Da fragt man sich als Veranstalter, ob man dieses Risiko eingehen möchte".

Zudem sei die Umsetzung problematisch, und er frage sich, ob das bei den Menschen überhaupt angenommen werde. Er fände es besser, so Haupt, wenn sich die Bundesregierung eine funktionierende Gesamtstrategie überlege, anstatt den Lockdown mit jeweils einzelnen Tests zu beenden.

Dennoch sei er prinzipiell allen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Denn finanziell sei diese Situation für das "Rind" und seine Mitarbeiter "eine Katastrophe." Die aufzubringenden Mittel seien immens. In den vergangenen zwölf Monaten sei, trotz der kontrollierten Öffnung im Sommer und einem Spendenaufruf, nur eine "kleine Altersvorsorge" in das "Rind" geflossen.

Denn obwohl das Lokal im Sommer mit einem Hygienekonzept öffnen durften, habe es bis zu 40 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet. "Viel besser wäre es meiner Meinung nach, die Impfkampagne zu beschleunigen und generell mehr zu testen. Ich denke, dann haben wir gute Chancen, dass alle Leute bald wieder zu Konzerten, Essen und Einkaufen gehen können." 'Von Daniela Hamann

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