Wahlkampf

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow macht Station in Rüsselsheim

Rot-Rot-Grün in Hessen? Nicht unrealistisch, meinen die Linken in Rüsselsheim. Und blicken neidisch nach Thüringen. Vor dort kommt Stargast Ministerpräsident Bodo Ramelow an diesem Abend in die Stadthalle.

Der Ministerpräsident kommt fast auf die Minute pünktlich und das, obwohl er direkt vorher im gut 150 Kilometer entfernten Lauterbach einen Termin hatte. Um 19.02 Uhr fahren an der Stadthalle zwei schwarze BMW mit Erfurter Kennzeichen und Blaulicht auf dem Dach vor. Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen und bundesweit bislang erster und einziger Regierungschef aus den Reihen der Linke, wird von Marcel Baymus begrüßt. Der Direktkandidat des Wahlkreises 47 (Groß-Gerau I) heißt seinen berühmten Parteifreund mit Handschlag in der Opelstadt willkommen.

Nachdem Ramelow sein schwarzes Jackett übergestreift hat, geht es in den Lasalle-Saal der Stadthalle, wo gut 40 Genossen den Ministerpräsidenten mit Applaus begrüßen. Die Wartezeit haben sie überbrückt, um die Möglichkeiten einer rot-rot-grünen Landesregierung in Hessen nach dem Wahltag am 28. Oktober einzuschätzen. „Es sieht knapp aus, ist aber nicht unrealistisch“, lautet die Einschätzung von Marcel Baymus.

Der hiesige Kandidat schaut immer wieder etwas nervös auf sein Handy. Kommt der berühmte Gast vielleicht zu spät? „Einen ersten Kontakt zum Büro von Ministerpräsident Ramelow gab es vor zwei Monaten“, erzählt er, um unaufgefordert die Vorzüge von Rot-Rot-Grün auf Kreisebene hervorzuheben. Doch alles geht klar. Ministerpräsident Ramelow lässt seine Genossen in Rüsselsheim nicht warten. Mitgebracht hat er Jan Schalauske, auf Listenplatz 2 stehender Spitzenkandidat der hessischen Linken bei der Landtagswahl. Unter den Zuschauern sitzt auch Christiane Böhm, Kandidatin der Linken im Wahlkreis 48 (Groß-Gerau II). Sie hat mit Listenplatz 5 sehr gute Aussichten, in den Landtag gewählt zu werden. Ganz im Gegensatz zu dem auf Listenplatz 30 stehenden Baymus, der seinen Wahlkreis schon gewinnen müsste, um direkt in den hessischen Landtag einzuziehen. Das ist nicht zu erwarten.

Die Inhalte von Schalauskes und Ramelows Reden sind schnell zusammengefasst: massive Kritik an der schwarz-grünen Landesregierung, massive Kritik an den Wirtschaftsbossen, massive Kritik an den Großunternehmen, die kaum beziehungsweise keine Steuern zahlen. Für mehr Gerechtigkeit in vielen Bereichen, nicht nur bei den Steuern, sondern auch in der Bildung, machen sich beide stark. Rot-Rot-Grün sei machbar, heißt es. In Thüringen sei die Welt auch nicht untergegangen. Aber in Hessen muss es die SPD, im Gegensatz zu 2008, nur wollen.

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