Tiefer Rasen und ein viel zu schwerer Linienrichter

Das alte Stadion Rüsselsheim war einst Schauplatz hochklassigen Fußballs. 3000 Zuschauer und mehr pro Spiel verfolgten in den Jahren von 1965 bis 1972 die Spiele des SC Opel 06 Rüsselsheim.

Rüsselsheim. 50 Jahre ist es nun her, dass dem SC Opel der Aufstieg in die Regionalliga Süd gelang, damals die zweithöchste Spielklasse im deutschen Fußball. An diese Zeit erinnerte am Montagabend der Förderverein des SC Opel im neuen Clubhaus.

Die Verantwortlichen freuten sich, 16 Spieler aus der Regionalligazeit begrüßen zu dürfen. Keine Selbstverständlichkeit, denn zu Beginn der Planungen gab es zwar eine Liste mit Namen, wo die Spieler aber geblieben sind, musste recherchiert werden. „Wir möchten unseren Ehemaligen ein Forum bieten, mal wieder zusammenzukommen“, erläuterte Ralf Keil, erster Vorsitzender des Fördervereins.

Zu bieten hatte der Abend allerdings noch mehr: Nach ausgiebiger Recherche konnte der zweite Vorsitzende Bernd Wagner zahlreiche Videos mit Originalspielszenen beisteuern. Gefunden hatte er sie im Archiv des Hessischen Rundfunks. Die Anwesenden sahen die Höhepunkte aus sieben Regionalliga-Jahren: Siege gegen den Freiburger FC, Deutscher Meister von 1907, gegen den FSV Frankfurt, den KSV Hessen Kassel und sogar einen 5:0-Sieg gegen die heute erstklassigen Lilien aus Darmstadt in der Saison 1969/70. Auch Spiele gegen die Offenbacher Kickers wurden gezeigt. Unter anderem eine 1:4-Niederlage des SC Opel, jedoch gegen eine Truppe um Erwin Kostedde, trainiert von Kuno Klötzer, die damals ungeschlagen den Erstliga-Aufstieg schaffte und auf Anhieb Bundesliga-Siebter wurde.

Man sah aber noch mehr: Bilder aus einer anderen Zeit. Im Vordergrund Spieler, die auf tiefem Rasen mit schwarzen Fußballschuhen einem schweren Lederball hinterherjagen. Im Hintergrund Zuschauer mit Regenschirmen in den nicht überdachten Kurven, das langsame Entstehen einer Fankultur mit Fahnen und Fanfaren, sowie ab Anfang der 1970er Jahre das Aufkommen von Bandenwerbung. Die Anwesenden freuten sich auch über diverse Kuriositäten der Zeit: Der damalige Fifa-Schiedsrichter Rudolf Kreitlein leitete 1965 eine Partie in Rüsselsheim, ein geschätzt 150 Kilo schwerer Linienrichter und die teils bissigen Bemerkungen der Kommentatoren sorgten für einige Lacher. In erster Linie aber wurde allen klar, dass damals in Rüsselsheim schon richtig gut Fußball gespielt wurde. Dem zollte auch der Vereinsvorsitzende Jürgen Gelis in seiner Ansprache Tribut: „Hier sitzen heute Abend Idole meiner Kindheit!“ Weiter wies er darauf hin, dass auch aktuell in Rüsselsheim gute Arbeit geleistet wird. Die Frauen spielen in der dritthöchsten deutschen Liga, und der Jugendfußball stehe auf einem breiten Fundament. Den Jugendfußball weiter voranzubringen, ist die Absicht des Fördervereins.

Nach dem sehr gelungenen offiziellen Teil blieben alle noch beisammen und erinnerten sich gemeinsam an die eine oder andere weitere Kuriosität der Regionalligazeit des SC Opel Rüsselsheim. me

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