Literatur

Tina Kemnitz kennt die besten Bücher

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Tina Kemnitz will mit ihrer Literaturshow in der Immanuel-Kant-Schule Jugendliche zum Lesen animieren. Die unkonventionelle, unterhaltsame Vermittlung wirkt.

Noch ist es etwas unruhig – in der Aula der Immanuel-Kant-Schule (IKS) und in dem Buch, das Tina Kemnitz auf der Bühne vorne gerade vorliest. „Und du kommst auch drin vor“ (Alina Bronsky) heißt es und Kemnitz erzählt auf lässige Art mit einem Hauch Berliner Schnauze, was darin passiert: Eine Schulklasse muss in die Bibliothek zu einer Lesung, kaum jemand hat Lust, aber dann handelt die Lesung vom Leben einer der Schülerinnen.

Die unheimliche Geschichte des Buches kommt an, auch in der Aula wird es langsam still. Tina Kemnitz ist Sprechwissenschaftlerin und Literaturvermittlern, schreibt selbst Kinderbücher und weiß, wie man gut erzählt: indem man in Rollen schlüpft, Stimmung über die Stimme vermittelt und nicht zu viel verrät.

Sechs aktuelle Jugendbücher hat sie am Mittwochvormittag für ihre Literaturshow „Tolles Buch!“ mit in die Aula gebracht, in jeweils einer Stunde stellt sie sie den Jahrgangsstufen 7 und 8 des IKS vor. Die Auswahl der Bücher trifft sie selbst: „Ich liebe Bücher, ich lese immer. – jedes Jahr gefühlt 10 000 Bücher. Die, die ich herausragend finde, habe ich ausgewäht“, erzählt sie.

Was die Schüler erwartet, ist keine klassische Lesung. Das wird deutlich, wenn Kemnitz sich vorab auf Augenhöhe mit den Schülern begibt und sie einbindet. Sechs Cover hat sie am roten Vorhang aufgehängt; die Schüler sollen zu Beginn der Stunde mit roten Zetteln abstimmen, welche drei am ansprechendsten sind. Am Ende wird auf gleiche Weise mit blauen Zetteln über den Inhalt abgestimmt und verglichen.

Alle ausgewählten Bücher spielen im schulischen Umfeld, das schafft Identifikation. Gerade die scheint in der Zielgruppe der 7. und 8. Klasse wichtig zu sein, um die Lesefreude wieder anzukurbeln. „Die Motivation lässt in dieser Zeit nach, das merken auch die Mitarbeiterinnen der Schulbücherei“, erzählt Deutschlehrerin Julia Leibmann, die die Literaturshow an die Schule geholt hat.

Während in der Stunde für die 7. Klasse noch Konzentration herrscht, sind die Achtklässler erst einmal aufgedreht. Absolute Ruhe schließlich kehrt dann aber ein, als in „One of us is lying“ von Karen M. McManus ein Schüler stirbt und nur vier Menschen – drei Schüler und ein Lehrer – für den vermeintlichen Mord infrage kommen. Auch Lea-Lina Oppermanns „Was wir dachten, was wir taten“ beeindruckt: Hier geht es um einen Amoklauf, bei dem der Täter Aufgaben an eine als Geiseln gehaltene Schulklasse stellt. Der Inhalt wirkt, am Ende liegt das Buch bei der inhaltlichen Abstimmung ganz vorne. Wer von den Schülern Lust bekommen hat, eines oder alle Bücher zu lesen, muss nur in die Schulbibliothek gehen. Einige hätten bestellt werden müssen, andere, wie Ursula Poznanskis Jugendthriller „Erebos“, seien ob des großen Anklangs schon vorhanden gewesen.

Tina Kemnitz ist glücklich, am Ende haben ihr sogar einige Schüler beim Auszählen der Stimmen geholfen. Noch am selben Tag geht es für sie zurück nach Berlin – und dann startet auch schon bald die Hochsaison. „Ich bin sehr viel unterwegs“, erzählt sie. Pro Jahr erreicht sie durch ihre Schultermine rund 17 000 Jugendliche, jedes Mal stellt sie andere Bücher vor.

Ihr Fundus sei groß, sagt sie schmunzelnd, ständig kämen außerdem neue Bücher dazu. Dass sie dann auch auf den Autofahrten durch die Republik nicht auf Literatur verzichten kann, scheint nur logisch: „Hörbücher!“, ist der Tipp der Geschichtenenthusiastin.

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