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Diese Kiefer im Ostpark ist ungefähr 100 Jahre alt. Ihre kahle Krone deutet darauf hin, dass sie wohl nicht mehr zu retten ist. Fotos: Westbrock

Wegen Trockenheit und Hitze

Tote Bäume im Rüsselsheimer Ostpark - Mindestens jede dritte Kiefer krank

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Der Wald im Ostpark ist in schlechtem Zustand. Wie schlimm die Schäden wirklich sind, wurde jetzt bei einem Rundgang mit Umweltdezernent und Förster deutlich.

Rüsselsheim - Schmackhaft soll die Krause Glucke ja sein. Doch dass der Pilz die etwa 100 Jahre alte Kiefer befallen hat, ist kein gutes Zeichen. Zumindest nicht für den Baum und für den Wald.

Wegen der großen Hitze und Trockenheit im vergangenen Sommer seien die Bäume geschwächt worden, hätten sich nicht mehr wehren können, erläutert Förster Oliver Burghardt der Gruppe, die am Freitagnachmittag um ihn herum im Ostpark versammelt steht. Von Pilzen und Käfern befallen sind vor allem viele Nadelhölzer. Denn Laubbäume können ihre Blätter während einer Dürre fallen lassen, Kiefern und Co. nicht. Jede Dritte, so schätzt der Förster, sei deshalb nicht mehr zu retten. Im Ostpark wird sich deshalb einiges tun.

Schwerer Sturm

Als die Vertreter aus der Stadtpolitik samt einiger interessierter Bürger am Parkplatz an der Bundesstraße 486 starten und Richtung „Waldbembelsche“ aufbrechen, spricht Umweltdezernent Nils Kraft (SPD) davon, dass man sich nicht nur getroffen habe, weil „es mal nicht regnet und wir gern spazieren gehen“. Anlass sind vielmehr die umfangreichen Waldarbeiten, die jetzt beginnen. So wird in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten totes Holz mit schwerem Gerät aus dem Wald geholt.

Förster Oliver Burghardt ist für den Wald in Rüsselsheim verantwortlich.

Vieles davon liegt seit einem schweren Sturm im September bereits auf dem Boden. Kraft stellt die Situation in Rüsselsheim in den Kontext der weltweiten Klimaerwärmung. Von dieser sei die Stadt direkt betroffen. Der Wald habe sich den heißen Sommer „gemerkt“.

Verkaufspreis halbiert

Laut Reinhard Ebert, bei der Stadt Bereichsleiter Umwelt- und Naturschutz sowie stellvertretender Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Rhein-Main, dauerte das Fällen von kranken und toten Bäumen und der Abtransport von Holz während des Winters in den vergangenen Jahren ungefähr bis Ende März.

Diesmal werde voraussichtlich mehr Zeit benötigt. Er geht davon aus, dass im gesamten Ostpark um die 1000 Festmeter zu finden sind. Obwohl das jede Menge Holz ist, wird es vergleichsweise wenig Geld einbringen. So ist ein Festmeter Kiefer Ebert zufolge momentan 40 bis 50 Euro wert. Früher sei schon mal ein doppelt so hoher Preis erzielt worden.

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Förster Oliver Burghardt macht deutlich, dass kranke Kiefern unbedingt gefällt werden müssen, da sich ihre Parasiten sonst auf andere Bäume ausbreiten. Dass eine Kiefer krank ist, lasse sich an einer rötlichen Rinde und schwindenden Nadeln erkennen. Ebert, der eng mit Burghardt zusammenarbeitet, zeigt sich verwundert darüber, dass der Kiefernbestand derart gefährdet ist. Denn eigentlich seien dies „Bäume für die Trockenheit“. Im vergangenen Jahr habe die Trockenperiode jedoch zu lange angehalten. Schon im Frühling habe es zu wenig geregnet und dann bis Oktober kaum Niederschläge gegeben.

Nichtsdestotrotz müssten sich die Menschen keine Sorgen über einen möglichen Kahlschlag im Wald machen. Je mehr Licht auf den Boden falle, desto mehr Bäume würden nachwachsen, erläutert Reinhard Ebert. „Das geht schnell“, versichert er.

Wo wirklich nachgepflanzt werden muss, seien künftig Eichen der Baum der Wahl. Denn sie kämen mit den hiesigen, besonders sandigen Böden gut zurecht. Richtung Trebur hätten sich die Verhältnisse so sehr verschlechtert, dass dort nun spezielle südländische Eichenarten angepflanzt würden. Doch auch in Rüsselsheim sei man schon in der „Kampfzone“.

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