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Geburtshelferinnen sind auf der sicheren Seite

Traumberuf Hebamme

Der Beruf der Hebamme zeigt seit Jahren zwei Seiten: Die freiberufliche Hebamme ist wegen des Haftungsrisikos auf dem Rückzug. Die fest angestellte Hebamme steht dagegen auf der sicheren Seite, so auch in Diensten des GPR-Klinikums.

Die Geburt eines Kindes ist eine wunderschöne Angelegenheit. Mehr als 1200-mal im Jahr geschieht dies am GPR-Klinikum. Während der Vater vielleicht im Flur vor lauter Nervosität auf und ab tigert und die Mutter den Geburtsvorgang körperlich durchstehen muss, strahlt im Kreißsaal eine Person Ruhe und Gelassenheit aus. „Bei uns ist eine Hebamme grundsätzlich bei der Geburt dabei, auch bei einem Kaiserschnitt“, bekräftigt GPR-Pflegedirektor Hans-Ulrich Dörr. 10,5 Planstellen für fest angestellte Hebammen gibt es am GPR, die von einem Dutzend Frauen besetzt werden.

Das männliche Pendant zur Hebamme ist übrigens der Entbindungspfleger, den man allerdings weitgehend vergeblich sucht, auch am GPR. Doch die Hebamme selbst wird immer seltener, zumindest im freiberuflichen Sektor. Eine gesetzlich verpflichtende, aber in den vergangenen Jahren immer teurer gewordene Versicherung, die das Haftungsrisiko einer freiberuflichen Hebamme absichert, zwingt bundesweit viele Geburtshelferinnen zur Aufgabe.

Lag die monatliche Beitragssumme 2004 noch bei rund 110 Euro, sind es mittlerweile mehr als 500 Euro, die die freiberufliche Hebamme durch Zuschüsse ein wenig abmildern kann. Die Folge ist ein bundesweiter Hebammenmangel, weswegen beispielsweise das Klinikum im schwäbischen Memmingen eine eigene Hebammen-Ausbildung starten wird.

So weit ist man am Rüsselsheimer GPR-Klinikum allerdings nicht. „Wir stehen jedoch mit der Carl-Remigius-Medical-School (CRMS) in Idstein in Kontakt“, berichtet der Pflegedirektor. Die Einrichtung bildet Fach- und Führungskräfte in der Gesundheitsbranche aus und kooperiert dabei mit verschiedenen Krankenhäusern. Was die Ausbildung zur Hebamme betrifft, zeigt das GPR-Klinikum Interesse an einer solchen Kooperation mit der CRMS. „In diesem Jahr wird das mit Sicherheit noch nicht konkret, eventuell aber im kommenden Jahr“, erläutert Pflegedirektor Dörr. Denn ein Hebammen-Notstand herrscht am GPR nicht, noch nicht. „Aber wir wissen, dass der Markt an Hebammen spärlich besetzt ist“, führt Pflegedirektor Dörr aus, der dafür sorgen muss, dass die Stellen besetzt sind.

Den Widerspruch kann sich der GPR-Pflegedirektor nicht erklären: Die widrigen Begleitumstände, mit denen freiberufliche Hebammen zu kämpfen haben, hat nicht dazu geführt, das die Frauen den Kliniken die Tür einrennen, um sich anstellen zu lassen. Dörr sieht eine mögliche Erklärung darin, dass die freiberufliche Hebamme sich mehr und mehr auf die Betreuungszeit nach der Geburt beschränkt oder den Beruf ganz aufgibt.

Gabriele Heberlein ist die Leitende Hebamme am GPR. In den vergangenen 25 Jahren ihrer Tätigkeit hat die 54-Jährige, die das GPR Ende März aus privaten Gründen verlassen wird, vielen Tausend Babys geholfen, das Licht der Welt zu erblicken. Auch sie weiß selbstverständlich um die steigenden Berufshaftpflichtprämien und die damit verbundene Konsequenz, dass die freiberufliche Hebamme leise, aber stetig von der Bildfläche zu verschwinden droht. Von der Tätigkeit ist Heberlein dennoch ganz und gar überzeugt: „Hebamme ist für mich ein Traumberuf.“

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