Projekt des Familienministeriums

Über das Spielen die Sprache lernen in der Kita Bensheimerstraße

Wenn das dicke Schweinchen mit der Isabelle wippen will – darum ging es in der Kita Bensheimerstraße. Spielerisch soll dort sprachliche Bildung gefördert werden.

Die Hälfte aller Rüsselsheimer Kitas hat sich dem Bundesprojekt „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ angeschlossen. In der Kindertagesstätte in der Bensheimerstraße wird das Programm mit der Initiative Elternzeit verknüpft. Am Dienstagvormittag demonstrierte eine Mama in Elternzeit, was sie gerade mit den Kindern macht.

Die sieben Kinder sitzen gespannt an einem Tisch im Obergeschoss in der Kita Bensheimerstraße. Auf dem Tisch liegen kleine Holzplatten, Muttern, Schrauben und ein Dreieckklötzchen. Vor ihnen steht Laura Drobnak, die zurzeit mit ihrer kleinen Tochter in Elternzeit ist und sich alle zwei Wochen in der Initiative Elternzeit engagiert. Die Initiative ist Teil des Bundesprojekts „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist.“ Rund die Hälfte aller Kitas in Rüsselsheim gehörten diesem Projekt an, informiert Bürgermeister Dennis Grieser.

Laura Drobnak ist Lehrerin an einer IGS in Groß-Gerau. Dort unterrichtet sie die Fächer Physik und Mathematik. Und genau das macht sie auch in ihrer „Elternzeit“ mit den Vier- bis Sechsjährigen in der Kita. Drobnaks großer Sohn besucht die Einrichtung ebenfalls. So kam ihr Engagement zustande.

Mit dem Programm aus dem Jahr 2016 fördert das Bundesfamilienministerium alltagsintegrierte sprachliche Bildung als festen Bestandteil in der Kindertagesbetreuung. Es richtet sich an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den Familien. Studien zeigten, dass der Familie als wichtigem Bildungsort für Kinder eine stärkere Gewichtung zukommen als der Kindertageseinrichtung.

Laura Drobnak teilt kleine Schilder mit Begriffen an die gespannten Kinder aus und verkündet: „Heute machen wir ein Experiment.“ An eine Flipchart hat die Lehrerin Bilder gemalt, die zu den Begriffen gehören. Nach und nach fragt sie ab: „Wer hat eine Mutter in der Hand.

Wer hat die Schraube, wer die Dreiecksklötzchen?“ Begeistert kleben die Kinder die Begriffe zum jeweils richtigen Bild. So hat die engagierte Mutter mit den Kita-Kindern die Utensilien ihres Experiments geklärt. „Es geht heute um den Themenbereich Gleichgewicht und Ungleichgewicht. Ich gehe bei den Kindergartenkindern nicht anders vor, als bei meinen Schülern. Ich arbeite es nur altersgerechter auf. Die Kleinen begreifen das genauso schnell wie meine älteren Schüler“, sagt Laura Drobnak. Dann stellt sie mit Hilfe einer Geschichte fünf Personen vor: Papa, Peter, Isabelle, den dicken Karl und das dicke Schweinchen. „Die Fünf wollen miteinander wippen. Isabelle und Peter sind gleich schwer. Alle anderen sind schwerer als die beiden. Wisst ihr, was passieren muss, damit trotzdem Karl und Isabella, Peter und Papa oder Isabella und das dicke Schweinchen – es ist am schwersten von allen Personen – miteinander wippen können?“, fragt Drobnak in die Kinderrunde.

„Ihr könnt das jetzt mit den Materialien vor Euch ausprobieren“, fordert die Mutter die Kinder dann auf. Sofort stürzen sich die sieben auf die Schrauben, Muttern, Holzplatten und Dreiecksklötzchen. Laura Drobnak erklärt: „Peter und Isabelle sind eine Schraube mit einer Mutter. Karl ist eine Schraube mit zwei Muttern. Papa ist die Schraube mit drei Muttern und das Schweinchen hat vier Muttern.“ Mit dem Dreiecksklötzchen und der Holzplatte bauen sich die Kinder eine Wippe.

Dann verschieben die Kinder munter die verschieden schweren Schrauben auf beiden Seiten der

Wippe hin und her

. Am Ende haben sie herausgefunden, dass Peter und Isabelle beide beim Wippen ganz hinten sitzen können.

Will jedoch einer von beiden mit einer schwereren Person wippen, muss diese sich immer näher an das Zentrum der Wippe setzen. „Ich mache mit den Kindern immer Physik-Sequenzen von 15 bis 20 Minuten. Danach dürfen sie noch ein wenig weiter experimentieren“, berichtet Laura Drobnak und fügt hinzu, sie wolle sich noch solange weiter in dem Projekt engagieren, so lange sie in Elternzeit sei.

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