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In der Mensa der Hochschule Rhein-Main greifen viele Studierende zum Pappbecher, weil Mehrwegbecher aus Hygienegründen nicht benutzt werden dürfen.

Umweltschutz

Experte rät: Hände weg von Einwegbechern!

Die Menschen produzieren zu viel Müll. Das ist keine neue Erkenntnis. Doch ein großer Teil des Abfalls besteht aus umweltbelastenden Stoffen, wie Chemikalien, Mikroplastiken und vielem mehr. Wie man mit diesem Müll trotzdem nachhaltig umgehen kann, berichteten am Montagabend drei Referenten bei einem Vortrag an der Hochschule Rhein-Main.

Eine Woche lang hat Marco Hoffmann, Student der Umwelttechnik, zusammen mit seiner Arbeitsgruppe den Müll des Gebäudes A auf dem Campus der Hochschule Rhein-Main (HSRM) untersucht. „Wir haben die Abfalleimer geleert, den Müll sortiert und statistisch erfasst“, berichtet Hoffmann am Montagabend in der Hochschule Rhein-Main bei einer Vortragsreihe zum Thema „Nachhaltiger Umgang mit umweltbelastenden Stoffen.“ Das Ergebnis sei beeindruckend gewesen, wenn man bedenke, dass dies den Müll einer Woche aus nur einem Gebäude des Rüsselsheimer Campus der HSRM darstelle, so der Referent. „Wir haben 129 Einweg-Becher gefunden, 54 dazugehörige Deckel und 128 Folienbeutel, die beim Erwerb eines Gebäcks oder Brötchens in der Mensa um das Essen gewickelt sind“, informiert der Student.

Die Becher würden aus Neu-Material mit einem hohen Mineralölgehalt hergestellt, so dass die Coffee-to-go-Becher langsamer abgebaut würden als der restliche Biomüll, stellt Hoffmann fest. Die Verwerter seien also gezwungen, die Becher auszusortieren und zu verbrennen. „Das ist keine fachgerechte Entsorgung“, bemängelt der Student. Auch die Herstellung der Coffee-to-go-Becher erfolge unter einer sehr schlechten Umweltbilanz. Marco Hoffmann erklärt: „Im Jahr werden in Deutschland 2,8 Milliarden Einweg-Becher verbraucht. Für deren Herstellung in Deutschland werden 43 000 Bäume gefällt. Mit der Energie, die bei der Herstellung verbraucht wird, könnten 100 000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Außerdem wird Wasser benutzt, das dem Jahresverbrauch von 32 000 Deutschen entspricht.“

Jürgen Prediger (von links), Marco Hoffmann, Denise Schwalbach und Jens Wieberneit informieren zum Thema „Nachhaltiger Umgang mit umweltbelastenden Stoffen.“

Dabei gebe es zu den Coffee-to-go-Bechern gute Alternativen. „Die Mensa bietet die Möglichkeit, gegen einen Euro Pfand eine Porzellantasse zu verwenden“, berichtet Hoffmann. Leider sei es in der Mensa nicht möglich, eigene Mehrwegbecher zu nutzen. „Das Studentenwerk argumentiert hier, dass das aus hygienischen Gründen nicht möglich ist. Dies zweifeln wir allerdings an, denn in großen Kaffeeketten wird diese Alternative auch angeboten“, kritisiert der Student.

Es gibt gute Alternativen

Die Folienbeutel, in denen in der Mensa belegte Brötchen und Gebäck verkauft werden, seien ein zweites Problem im Hinblick auf ein nachhaltiges Abfallwirtschaftskonzept an der Hochschule. „Die Beutel bestehen aus Polypropylen und sind extrem schlecht zu recyceln.“ Es gebe leider keine Möglichkeit, die Brötchen ohne die Folie zu kaufen, dabei existierten genügend Alternativen, stellt Marco Hoffmann fest. „Es gibt beispielsweise Tüten aus 100 Prozent Altpapier, die Studierenden könnten ihre Brötchen in wiederverwendbaren Dosen selbst mitbringen. Oder die Mensa könnte die Waren auf einem Teller in einer Anrichte mit Spuckschutz verkaufen. Bei der letzten Variante würde keinerlei Verpackungsmüll anfallen. Das wäre am nachhaltigsten“, schlägt Hoffmann vor.

Jürgen Prediger erklärt in seinem Vortrag zum Thema „Mikroplastik“: „Deutschland liegt an der Spitze des Kunststoffverbrauchs.“ Rund 20 Prozent des Mülls durch Kunststoffe bestünde dabei aus dem Stoff Polypropylen, wie er in den Verpackungstüten der Mensa verwendet werde. Dabei erfolge die Entsorgung zu 41 Prozent durch Verbrennung, zu 31 Prozent durch Recycling und zu 27 Prozent auf nicht-deutschen Deponien. Bei der letztgenannten Form der Entsorgung einstünden Mikropartikel mit toxischer Wirkung, nicht nur auf Tiere, die diese zu sich nähmen, sondern auch für den Menschen. „Mikroplastiken enthalten Weichmacher, die für den Menschen schädlich sind. Ein weiteres Problem entsteht, wenn die Mikroplastik-Partikel in den Nahrungskreislauf gelangen. Dann nehmen auch die Menschen die teilweise mikroskopisch kleinen Teilchen zu sich“, warnt Prediger.

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