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Bauschutt und Altreifen

Umweltsünder werden immer dreister

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Illegale Müllhalden in der freien Wildbahn gibt es schon lange. Aber die Verursacher gehen jetzt noch dreister vor. Bergeweise werden Altlasten auf einmal abgekippt. Darunter nicht selten auch hochgiftiges Material.

„So eine Sauerei“, fährt es aus Walter Höfeld heraus. Einige Jahre ist er jetzt schon als Mit-Jagdpächter im Königstädter Revier unterwegs. Doch jedes Mal ärgert er sich aufs Neue. Schon wieder hat jemand eine Ladung Bauschutt mitten im Wald abgeladen. Illegal natürlich. Wahrscheinlich irgendwann im Schutz der Dunkelheit in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Die Lage des Jagdgebiets zwischen der L 3012, der L 3482 und K 159 ist offenbar besonders günstig gelegen. Mal kurz abgebogen auf einen der Waldwege, um in der Natur abzuladen, was eigentlich auf den Wertstoffhof oder die Deponie gehört, so einfach machen es sich die Umweltsünder. Betonbrocken, bergeweise Altreifen, Eternitplatten, Autoteile, Altöl, manchmal auch Batterien und vieles mehr müssen dann mühsam wieder vom Städteservice im Auftrag der Stadt entsorgt werden.

Schnell wird es teuer

Das kann für diese schnell teuer werden. Vor allem, wenn es sich um gesundheitsschädliche Baumaterialien handelt, die Asbest enthalten. Seit 1993 ist der Stoff in Deutschland verboten. Die eingeatmeten Fasern können Lungenkrebs verursachen. Allerdings gibt es Altlasten, die immer wieder auftauchen. So auch in einem jüngsten, besonders krassen Fall im Königstädter Wald. Dort wurde vor Wochen eine riesige Lkw-Ladung mit Bauschutt aus Abbrucharbeiten zusammen mit alten Dachplatten, die das gefährliche Asbest enthalten, unbemerkt abgekippt. In so einer Situation wird das Umweltamt eingeschaltet.

Mittlerweile wird der Abfallberg von einem Entsorgungsunternehmen abgetragen und ist schon um gut zwei Drittel geschrumpft. Der Rest folgt noch. Es ist eine mühsame Arbeit. Für den Abtransport müssen die Asbestteile in luftdichte Plastiksäcke, sogenannte „Big Bags“, gefüllt werden. Die beauftragten Arbeiter sind angehalten, dabei Schutzmasken tragen. So ist die Vorschrift. Vorsorglich hat man ein rot-weißes Absperrband um die Stelle gezogen. Ein Schild wurde aufgestellt, auf dem steht: „Betreten der Baustelle verboten“, obwohl es sich genau genommen um keine Baustelle handelt. Kein Einzelfall.

329 Tonnen illegal abgeladener Müll waren es im Jahr 2017, sagt der Chef des Städteservice, Jens Will. Zahlen für 2018 liegen noch nicht genau vor. Aber es dürfte noch etwas mehr geworden sein, so Will. Zwei Mitarbeiter sind täglich mit einem Auto im Einsatz, um die Umweltsünden aufzuspüren und wegzuräumen. Die Täter würden immer dreister, fällt ihnen dabei auf. Waren es früher eher kleinere Mengen, sind es mittlerweile ganze Wagenladungen, die auf einmal in die Landschaft gekippt werden, so Jens Will. „Skrupellos“, nennt er das. Manchmal stoßen sie auf riesige Mengen Altreifen. Das sehe schon nach einer gewerbsmäßigen Entsorgung aus, sagt er.

Täter nur selten zu finden

Von den Tätern fehle meist jede Spur. Nur ab und an gelinge es, einen Verantwortlichen zu ermitteln. Wenn etwa auf irgendeinem Schnipsel inmitten des Abfalls noch Hinweise auf den Verursacher zu finden sind. Walter Höfeld, der auch als Stadtverordneter für die WsR im Rüsselsheimer Parlament sitzt, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema. Würde die Stadt mehr über solche Fälle publizieren, hätte dies womöglich auch eine abschreckende Wirkung, sagt Höfeld. Er plädiert dafür, im Kampf gegen die illegalen Müllhalden auch die Stadtpolizei auf Patrouille durch die Natur miteinzubeziehen. Ebenso wirkungsvoll wäre es, wenn über das Auffinden von Ablagerungen, die Entsorgung und deren Kosten, aber auch über erfolgreich aufgeklärte Fälle regelmäßig berichtet werden würde.

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