Demos für bessere Arbeitsbedingungen wie hier in Nordrhein-Westfalen schließt Verdi-Vertrauensfrau Michaela Stasche für Rüsselsheim nicht aus. Foto: dpa
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Demos für bessere Arbeitsbedingungen wie hier in Nordrhein-Westfalen schließt Verdi-Vertrauensfrau Michaela Stasche für Rüsselsheim nicht aus. Foto: dpa

Gewerkschaft zur Kita-Öffnung

"Es ist ein Unding"

  • Stella Lorenz
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Verdi fordert für Rüsselsheim Kita-Gipfel und Covid-Tests für Beschäftigte.

Rüsselsheim-Michaela Stasche und Alex König machen keinen Hehl aus ihrem Unmut. "Wir sind stinkesauer", sagt Stasche. Sie ist die Sprecherin der Verdi-Vertrauensleute der Stadt Rüsselsheim. Ihre Gewerkschaftskollegin Alex König ist zuständig für den Kita-Bereich. Beide sind entsetzt darüber, wie sich der Vorlauf zum eingeschränkten Regelbetrieb der Kindertagesstätten, der seit gestern in Kraft ist, seitens der Stadt gestaltet hat. Theoretisch gehen 2074 Kinder in die 26 städtischen Kitas, davon sind 99 unter drei Jahre alt. "Hessen ist das einzige Bundesland, das keine Vorgaben zur Aufnahme dieses Betriebes gemacht hat", erläutert Stasche. "Die Träger sind sich selbst überlassen."

Dass Sozialdezernent Dennis Grieser (Grüne) sich dann dafür ausgesprochen hat, dass jede Kita selbst entscheiden soll, welches Hygienekonzept sie umsetzt, sei "ein Unding", so Stasche aufgebracht. Während die Gastronomie den schärfsten Regulationen unterliege, sei man bei der Gesundheit der Kinder und der Mitarbeiter geradezu lasch. "Das ist ein Unding", sagt Stasche.

Zu kurze Vorlaufzeit

Viel zu kurz sei zudem die Vorlaufzeit zur Ausarbeitung der Konzepte gewesen: Am 27. Mai seien die Eltern informiert und deren Bedarfe abgefragt worden, die Ergebnisse kommen jeder Kita einzeln zu. Auf dieser Grundlage entsteht die individuelle Gruppengröße, für die es seitens des Landes nur Empfehlungen gibt: maximal zwölf Kinder über drei Jahren und maximal sechs unter drei Jahren pro Gruppe. Weniger als eine Woche sei den Kitas geblieben, sich auf die eingeschränkte Öffnung einzustellen. Eine Vorlage der individuell entwickelten Konzepte sei nicht obligatorisch gewesen. "Die Verantwortung ist abgeschoben worden", stellt König klar. "Alle werden allein gelassen."

Drohen bald Proteste?

Dem stellt sich Dennis Grieser auf Nachfrage vehement entgegen: Alle verfügbaren Informationen habe man sofort weitergeleitet, außerdem stünden drei direkte Ansprechpersonen im Fachbereich für je ein Drittel der Kitas zur Verfügung. Der eingeschränkte Regelbetrieb könne selbstverständlich erst dann starten, wenn das Konzept stehe, so Grieser. "Wir sind immer bereit, ins Gespräch zu gehen." Die Aufregung verstehe er nur "sehr eingeschränkt".

Die Organisation, so die Vertrauensleute weiter, sei aber nicht die einzige Baustelle. Dazu komme noch die Personalnot - ein Problem, dass nicht erst seit der Pandemie besteht. Einige Kitas hätten deswegen schon Schwierigkeiten gehabt, den Notbetrieb aufrecht zu erhalten.

Dafür sei, und hier zeigen sich die Gewerkschafterinnen ein wenig erleichtert, die Resonanz der "Momentaufnahmen", die sie am ersten Tag einfangen konnten, zumindest aus Elternsicht verhältnismäßig entspannt gewesen. "Die Eltern sind verständnisvoll", so Stasche. Aber auch diese Geduld sollte nicht überstrapaziert werden, sonst könne sie Proteste vor dem Rathaus, auch von Erzieherseite, nicht ausschließen - spätestens nach den Sommerferien.

Damit es so weit nicht kommen muss, fordert Verdi nun eine Art Kita-Gipfel, bei dem Eltern und Erzieher gemeinsam mit der Politik aus Erfahrungen Perspektiven entwickeln. "Wir sagen nicht, dass es einfach wäre. Aber die Arbeit muss man sich machen", so Stasche. "Wir brauchen für Eltern, Kinder und Beschäftigte eine Perspektive über den 5. Juli hinaus." Bis zu diesem Termin gehen die Konzepte bisher, danach muss neu geplant werden.

Auch darüber zeigt sich Grieser leicht verwundert. "Wir stehen im stetigen Austausch mit dem Kita-Stadtelternbeirat, um nichts anbrennen zu lassen." Das bestätigt auch die Vorsitzende des Kita-SEB Corinna Arndt auf Nachfrage. Einen Gipfel hält sie in der derzeitigen Situation für schwer realisierbar. Grundsätzlich hat sie den Eindruck, dass "die Kita-Leitungen derzeit verstärkt mit den Elternbeiräten in die Rücksprache gehen. Das läuft eigentlich sehr gut".

Um die Kita-Mitarbeiter besser zu schützen, fordert Verdi außerdem die Möglichkeit, sich freiwillig und auf Kosten der Stadt auf das Virus testen zu lassen. "Das müsste generell für die Stadtverwaltung geklärt werden", so Griesers Einschätzung dazu. Stella Lorenz

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