Tausendsassa in Sachen Fastnacht: Günter Schenk. FOTOS: NILS MALZAHN
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Tausendsassa in Sachen Fastnacht: Günter Schenk. FOTOS: NILS MALZAHN

Publizist Günter Schenk

Unterwegs im Namen der Narretei

  • vonNils Malzahn
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Kurz vor der heißen Phase der diesjährigen Fastnacht stimmten sich fast 40 Besucher im Ginsheimer Heimatmuseum auf das närrische Treiben ein. Zu Gast war dabei ein waschechter Kulturpreisträger.

Was genau die Zuhörer an diesem Abend erwarten würde, wussten sie selbst nicht so genau. Elke Guthmann und Rita Schmitt, hatten in der ersten Reihe Platz genommen und warteten gespannt auf den Auftritt von Günter Schenk. „Das Thema interessiert uns, und bei Veranstaltungen des Heimat- und Verkehrsvereins sind wir ohnehin immer gerne“, erklärten die beiden Damen unisono.

Aus seinem „Fastnachts-ABC“ wolle er vorlesen, hatte Gast Günter Schenk, der einst selbst 15 Jahre in Ginsheim lebte, im Vorfeld angekündigt. Was genau es damit auf sich hatte, wurde erst im Verlauf des Abends deutlich.

Die Idee, den in Mainz geborenen Autor und Publizisten einzuladen, hatte der Verein schon vor einiger Zeit. „In unregelmäßigen Abständen veranstalten wir im Heimatmuseum Lesungen, das hat bei uns seit vielen Jahren Tradition. Zeitlich passend haben wir uns diesmal überlegt, einen Vortrag zum Thema Fastnacht einzubauen“, erklärte Hans-Benno Hauf, Zweiter Vorsitzender.

Eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung wollte er noch keine Prognose wagen, wie viele Narren tatsächlich den Weg ins Heimatmuseum finden würden. „Wir hoffen, dass unsere Ankündigung die Leute anzieht. Allzu viele Besucher finden bei uns ja eh nicht so viel Platz“, lachte der 63-Jährige angesichts der begrenzten räumlichen Kapazitäten.

Hauf und alle weiteren Initiatoren sollten nicht enttäuscht werden: Nur vereinzelt blieben Plätze leer. Im Gegensatz dazu hatte sich mancher Zuhörer schon in Schale geschmissen und war im bunten Schal, den man am kommenden Wochenende auf den Ginsheimer Straßen noch öfter zu sehen bekommen dürfte, erschienen.

Der zunächst etwas nebulöse Begriff des „Fastnacht-ABC“ nahm im Verlauf des Abends schnell Gestalt an. Günter Schenk, der zu diesem Thema schon zahlreiche Porträts, Bücher und Hörfunkbeiträge verfasst hat, begann mit einem Quiz, bei dem er das Wissen der Zuhörer testete. So erfuhren die Anwesenden zum Beispiel, dass die Melodie des Narrhallamarsches seinen Ursprung in der französischen Oper „Le Brasseur de Preston“ hat. Trotz vieler Lacher hatte das Thema aber auch einen ernsten Hintergrund. „Hat die Fastnacht seine Tradition verloren und ist längst zum Event verkommen?“, war eine der Fragen, die im knapp 90-minütigen Vortrag erörtert wurden.

Dass insbesondere die jüngeren Leute mittlerweile gar nicht mehr wissen, wie die närrische Jahreszeit überhaupt entstanden ist, lässt sich nicht leugnen. Dennoch war die Botschaft, die Schenk den Zuhörern aus seinem bunten Potpourri trotz aller kritischen Zwischentöne vermittelte, am Ende ziemlich eindeutig: Fastnacht soll vor allen Dingen Spaß machen.

Schenk wurde im Jahr 2011 von der Stiftung des Bundes Deutscher Karneval mit dem Kulturpreis Deutscher Karneval ausgezeichnet. Damit sollen laut Veranstalter Wirken und Werk von Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, deren Schaffen wesentlich zur Erhellung der Grundlagen und zur Vertiefung des Verständnisses der Inhalte fastnachtlicher Bräuche beigetragen haben. Das ist Schenk auch in Ginsheim-Gustavsburg gelungen.

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