Der VdK-Ortsverband hat sein Büro Am Treff, wo auch das Theater, die Stadtbücherei und die Musikschule angesiedelt sind. Die Räumlichkeit hat die Stadt dem Sozialverband zur Verfügung gestellt.
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Der VdK-Ortsverband hat sein Büro Am Treff, wo auch das Theater, die Stadtbücherei und die Musikschule angesiedelt sind. Die Räumlichkeit hat die Stadt dem Sozialverband zur Verfügung gestellt.

Soziales

VdK-Vorstand schmeißt hin

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Sozialberatung nur noch in der Kreisgeschäftsstelle Groß-Gerau

Rüsselsheim -Wer sich beim VdK-Ortsverband Rüsselsheim in sozialen Fragen beraten lassen möchte, der wird zurzeit an die Kreisgeschäftsstelle nach Groß-Gerau verwiesen - "aufgrund interner Umstrukturierung", heißt es auf der Webseite des Ortsverbands. Was steckt dahinter?

"Es soll ein Kompetenzzentrum eingerichtet werden", erläutert Günther Englert auf Nachfrage dieser Zeitung. Noch vor zwei Wochen war Englert Erster Vorsitzender im Ortsverband. Bei der Vorstandssitzung am 28. Juli sei der Vorstand geschlossen zurückgetreten. Es habe Unstimmigkeiten mit dem Landesverband Hessen-Thüringen gegeben, so Englert. Der Landesverband habe dem Rüsselsheimer Ortsverband vor kurzem mitgeteilt, dass in Zukunft keine Sozialberatung mehr an dem Standort angeboten werde. Die Sozialberatung umfasst unter anderem Fragen rund um die Schwerbehinderung, Krankenkasse, Pflegeversicherung, gesetzliche Unfallversicherung, Blindengeld sowie Teilhabe am Arbeitsleben. Dieses Angebot solle nun auf Kreisebene in Groß-Gerau gebündelt werden. "Dabei haben wir hier zwei speziell ausgebildete Damen", ist Englert überrascht. Bisher habe sich der Ortsverband persönlich um seine Mitglieder aus dem Nordkreis gekümmert. "Mit mehr als 2000 Mitgliedern sind wir der zweitgrößte Ortsverband in Hessen", unterstreicht er die Bedeutung der Beratungsstelle Am Treff in Rüsselsheim.

Englert sorgt sich um die zumeist älteren Mitglieder, die nun möglicherweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln den langen Weg bis nach Groß-Gerau auf sich nehmen müssten. Hinzu komme, dass die Kreisgeschäftsstelle nicht zentral in der Stadtmitte, sondern ein Stück außerhalb in der Heimstättensiedlung gelegen ist. Im März 2017 war der Kreis-VdK aus der Innenstadt, Gernsheimer Straße, in die neuen Räumlichkeiten Im Amtsee gezogen.

Von oben herab behandelt

Die Entscheidung des Landesverbands widerspreche dem Motto des Sozialverbands "Wir lassen niemanden allein", findet Englert, der zehn Jahre lang im Vorstand des Rüsselsheimer Ortsvereins wirkte. Die Ehrenamtlichen fühlten sich "von oben herab" behandelt, ihre Bedenken nicht ernst genommen. Deshalb habe sich der Vorstand zu diesem drastischen Schritt entschlossen. "Es tut uns natürlich leid, dass wir so handeln mussten. Wir haben uns all die Jahre sehr für den VdK-Ortsverband engagiert."

Der VdK-Landesverband Hessen-Thüringen scheint von den Geschehnissen in Rüsselsheim überrollt. Man sei überrascht und müsse sich erst einmal intern beraten, heißt es von offizieller Seite. Philipp Stielow, Pressesprecher des Landesverbands, erklärt, dass der Verband auf Landesebene überlege, die Sozialberatung zu professionalisieren. Ob tatsächlich sogenannte Regionale Kompetenzzentren in den Kreisverbänden entstehen, müsse erst noch beschlossen werden.

Mit der Bündelung der Kompetenzen werde nicht nur die Qualität der Sozialberatungen erhöht, sondern auch die Ortsverbände entlastet, die den Landesverband wiederholt um Unterstützung gebeten hätten. "Personal, das in Rechtsdingen berät, muss sehr gut ausgebildet sein. Mit einer Schulung ist es heutzutage nicht mehr getan", weist Stielow auf die schwierige rechtliche Position des VdK hin, sollten die Berater falsche oder lückenhafte Informationen weitergeben. "Wir tragen eine hohe Verantwortung für unsere Mitglieder", betont der Pressesprecher. Der VdK-Landesverband werde sich mit der Entwicklung in Rüsselsheim auseinandersetzen, eine Presseantwort sei in den nächsten Tagen zu erwarten.

Finanzierung reiche nicht aus

Beim Rüsselsheimer Ortsverband scheint es schon seit geraumer Zeit unter der Oberfläche zu rumoren. Die "Freunde des VdK im Nordkreis", die diese Zeitung auf den Rücktritt des Vorstands aufmerksam gemacht haben, weisen in ihrem Schreiben auf eine Unterfinanzierung des Ortsverbands hin: "Jedes Mitglied zahlt 66 Euro pro Jahr, zum Ortsverband fließen 9 Euro zurück - zu wenig, um den Anteil am Gehalt Angestellter, Strom, Porto, usw. zu zahlen." Tatsächlich habe der Rüsselsheimer VdK seit geraumer Zeit mit dem Landesverband über einen Zuschuss verhandelt, mit dem die Stelle einer langjährigen Mitarbeiterin finanziert werden soll. "Bis jetzt haben wir das von den Mitgliedsbeiträgen bezahlt. Das können wir aber nicht mehr stemmen", sagt Englert. Hierzu stehe noch eine Entscheidung aus.

Wie es mit dem Ortsverband weitergeht, ist offen. Ein neuer Vorstand muss gewählt werden, einen Termin dafür gebe es noch nicht. dit

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