Opel

Aus dem Vectra wird ein Oldtimer

  • schließen

Gleich zwei Modelle des Rüsselsheimer Autobauers Opel können ab dem kommenden Jahr mit einem H-Kennzeichen ausgestattet werden.

Die Blech-gewordene Traumgestalt eines Autoliebhabers ist er nun nicht unbedingt. Er gilt gemeinhin als ein bisschen bieder, ein bisschen langweilig und manch einer bezeichnete ihn gar als ein bisschen hässlich. Entsprechend gering ist die Wertschätzung, die dem Vectra A in Sammlerkreisen in den vergangenen Jahren entgegengebracht wurde.

Das könnte sich mit Beginn des kommenden Jahres schlagartig ändern. Denn für die erste Vectra-Generation, die ab 1988 die Bänder des Autobauers Opel verließ, ist das nächste Jahr ein besonderes. Der Vectra wird 30 Jahre alt. „Das ist der Übergang, mit dem aus einem Verbrauchs-Auto ein Liebhaberfahrzeug wird“, erklärt Heiner Schnorrenberg, der erste Vorsitzende der Interessengemeinschaft Alt-Opel. Deren Mitglieder eint die Liebe zu den früheren Modellreihen des Rüsselsheimer Autobauers, entsprechend haben Schnorrenberg und seine Mitstreiter auch das besondere Datum für den Vectra im Blick.

„Innerhalb einer Autohistorie stellt es eine wichtige Zäsur dar, wenn ein Modell 30 Jahre alt wird“, erklärt Schnorrenberg. Schließlich ist das Passieren dieser Zeitmarke das wichtigste Indiz dafür, dass man als Besitzer eines Vectras plötzlich einen Oldtimer in seiner Garage stehen haben könnte.

Was ein Oldtimer ist und was ein alter Blechhaufen auf vier Rädern, dafür gibt es scharf umrissene Kriterien. Das wichtigste: Die Erstzulassung muss 30 Jahre her sein. Darüber hinaus entscheidet der Allgemeinzustand darüber, ob der fahrbare Untersatz eine H-Plakette bekommen kann. Wichtig ist auch: Das Auto muss sich möglichst im Originalzustand befinden. Bei verbauten Zubehör- oder Tuningteilen muss es sich um zeitgenössische Veränderungen handeln.

Trifft all dies zu, stehen die Chancen nicht schlecht, für ein altes Modell des Vectras ab dem kommenden Jahr ein H-Kennzeichen ergattern zu können. „Sofern der Zustand passt, lässt sich so ein Auto mit H-Kennzeichen sehr viel günstiger betreiben“, erklärt Schnorrenberg. Denn: Wer mit einem Oldtimer unterwegs ist, bezahlt einen vergünstigten Kfz-Steuersatz in Höhe von 191,74 Euro pro Jahr. Außerdem dürfen die Fahrzeuge auch ohne Katalysator fahren. Profitieren können Oldtimer-Liebhaber zudem von einem oft günstigen Versicherungsschutz.

Obwohl der Vectra für Opel ein echter Verkaufsschlager war, erfreute er sich in Youngtimer-Kreisen, also unter jenen Sammlern, die sich auf Autos spezialisiert haben, die noch nicht so ganz zu den Oldtimern zu zählen sind, allgemein einer eher geringen Beliebtheit. Schnorrenberg rechnet damit, dass die Begehrlichkeiten allerdings steigen werden, wenn nun die offizielle Anerkennung als Oldtimer ansteht. „Der Ascona beispielsweise hat einen auch erstmal nicht sofort vom Hocker gerissen. Und trotzdem stieg die Beliebtheit, als er zum Oldtimer wurde“, erklärt er.

Gemessen an den Verkaufszahlen könnten im kommenden Jahr rund 50 000 Vectras zum Oldtimer werden – zumindest ergeben dies die Recherchen eines Mitstreiters von Schnorrenberg in der Alt-Opel-Interessengemeinschaft. Wie viele davon allerdings noch fahrbereit sind, ist unbekannt.

Auf den einschlägigen Autobörsen im Internet finden sich zwar viele Vectras, doch meist stammen diese aus späteren Modelljahren. Einen 88er-Vectra gibt es dann aber doch. Der könnte für 1150 Euro den Besitzer wechseln, bräuchte aber einen neuen Auspuff. Wie sich die Marktpreise verändern, werde die Zeit zeigen, meint Experte Schnorrenberg. „Dass das Modell jetzt 30 Jahre alt wird, ist ein Startschuss. Wie die weitere Entwicklung sein wird, muss man abwarten. Das lässt sich nur schwer abschätzen.“

Schon jetzt deutlich begehrter als der alte Vectra ist der Kadett E GSi 16V. Mit dem stachen die Rüsselsheimer einst den ewigen Rivalen aus Wolfsburg, den VW Golf GTI, aus. 150 PS und 217 Kilometer in der Stunde Spitzenleistung machten ihn auch schon in den zurückliegenden Jahren zum vergleichsweise begehrten Sammlerobjekt unter Enthusiasten. Für entsprechend gepflegte Modelle werden bereits jetzt Preise um 10 000 Euro aufgerufen. Weitere Preisanstiege sind durchaus möglich. Schließlich wird auch der Kadett E GSi 16V im kommenden Jahr 30 Jahre alt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare