Online-Dating

Verbraucherzentrale warnt vor Kleingedrucktem bei Online-Partnervermittler

Wer hat schon einmal versucht, mit einer App oder einem klassischen Online-Dating-Portal einen Partner zu finden, oder hat das vor? Rita Offermann von der Verbraucherzentrale kennt dazu viele Geschichten.

Rita Offermann von der Abteilung Verbraucherrecht der Verbraucherzentrale Rüsselsheim ist das Thema Online-Dating ein großes Anliegen. „So viele Menschen fallen auf die Abo- und Vertragsfallen von Online-Partnervermittlungen rein“, stellt sie fest. Am Mittwochnachmittag bietet Offermann ein spezielles Beratungsangebot nur zu diesem Problem. „Aus Liebeslust wird so schnell Rechnungsfrust“, meint die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale.

Oft beginne es mit einer kostenlosen Probemitgliedschaft oder einer günstigen Testphase für unter zwei Euro, die dann jedoch vom Anbieter automatisch verlängert werde. „Widerruft man dann nicht rechtzeitig, sitzt man in der Kostenfalle“, stellt Rita Offermann trocken fest. Selbst wenn Nutzer widerriefen oder kündigten, bestritten die Flirtportale oft, den Widerruf oder die Kündigung erhalten zu haben, sagt die Expertin.

14 Tage für den Widerruf

„Parship musste einem Verbraucher vergangenes Jahr, nach einer Klage, die gezahlte Gebühr bis auf 20 Euro zurückerstatten, weil er nach zwei Wochen Partnersuche widerrufen hatte. Begründung des Gerichts war damals auch, dass die Widerrufbelehrung des Unternehmens fehlerhaft war“, erzählt Offermann. Die Mitarbeiterin schlägt ein Magazin der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2016 auf. „Sehen Sie, trotzdem gehört Parship zu einem der am besten getesteten Online-Partnervermittlungen.“ Offermann bemerkt: „Die Möglichkeiten zum Widerruf und zur Kündigung stehen im Kleingedruckten und sind bei den einzelnen Vermittlungen unterschiedlich. Oft werden sie von Nutzern nicht gelesen.“

Rechtlich bestehe, wie beim Abschluss eines Kaufvertrags, immer eine Widerrufsfrist von 14 Tagen. In Fällen, wo das Portal nicht deutlich über das Widerrufsrecht informiert hat, verlängert sich die Frist auf ein Jahr und 14 Tage. Rita Offermann rät, sich die AGB vor der Anmeldung aufmerksam durchzulesen und sich über das jeweilige Unternehmen zu informieren. In ihrem Berufsalltag berate sie meist telefonisch zu Fällen, in denen es um eine Partnerbörse gehe, erzählt die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale. Fragen der Verbraucher beschäftigten sich auch mit dem Thema Seriosität eines Flirtportals. Woran erkennt der paarungsbereite Single, ob ein Anbieter seriös ist? „Tinder ist zum Beispiel das, was wir als Erotikportal bezeichnen. Hier finden sich Menschen zum größten Teil nur, um ein Schäferstündchen ohne jegliche Verpflichtungen zu haben“, sagt Rita Offermann deutlich.

Grundsätzlich gebe es jedoch fünf Punkte, die ein seriöser Anbieter erfüllen sollte: Erstens sollte das Dating-Portal verständlich auf Kosten und Bezahlmethoden hinweisen. Zweitens werden die Laufzeit und die Voraussetzungen für eine Kündigung angegeben. Drittens informiert das Portal deutlich über die Widerrufsmöglichkeit. Viertens sind Name und Adresse des Anbieters klar im Impressum angegeben und fünftens können die AGB gut lesbar ausgedruckt werden.

Gespeicherte Daten

Bei einer Anmeldung sollte man sich zudem darüber im Klaren sein, dass das Unternehmen alle bereitgestellten Daten sammelt und speichert. „Hat man einmal ein Dating-Profil erstellt und will es irgendwann löschen, ist das gar nicht so einfach. Oft bleiben immer einige Informationen im Netz“, informiert Offermann. Neben Online-Partnervermittlungen und Erotikportalen gebe es noch eine weitere Kategorie, führt Rita Offermann aus: die Singlebörse. Singlebörsen seien meistens kostenfrei. Der Nutzer lege nach der Anmeldung sein Profil selbst an und werde auch selbst aktiv. „Neben der Suche nach dem Lebenspartner bieten Singlebörsen zudem einen Bereich für die gemeinsame Freizeitgestaltung von Singles an“, erklärt Offermann. Doch Vorsicht! Auch unter den Singlebörsen gebe es schwarze Schafe. Weitere Informationen gibt es unter: .

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