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Erzieherinnen fehlen überall, in der Betreuung der Kinder unter drei Jahren ebenso wie in den Gruppen der Älteren. Archivfoto: dpa

Kitas

Verdi: Die Lage spitzt sich zu - Schon wieder fehlen 26 Erzieherinnen

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Die Verdi-Vertrauensleute schlagen Alarm: Wenn sich an der Personalsituation in den Kitas nichts ändert, werde es ein massives Problem geben.

Im Oktober sah es so aus, als könne sich die Situation langsam entspannen. Von den 256 Vollzeitstellen für Erzieherinnen in Kitas waren elf nicht besetzt. Jetzt spitzt sich die Lage wieder zu: Schon wieder sind 26 Stellen nicht besetzt. Weil dazu noch die Krankenstände kämen, fehle es an allen Ecken und Ende. „Die hohe Belastung macht die Kollegen krank“, sagt Alexandra König, Verdi-Vertrauensfrau für die Rüsselsheimer Kitas.

Warum es schon wieder einen Engpass in diesem Ausmaß gibt, weiß König auch nicht genau. Sie vermutet aber, dass es im Umland einfach bessere Angebote gibt. „Wir erleben hier in Rüsselsheim immer noch die Haltung, dass die Menschen froh sein sollen, hier arbeiten zu dürfen. Stattdessen sollte man ihnen den roten Teppich ausrollen.“

Mangelware

Erzieherinnen sind Mangelware. Deshalb können sie sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. „Die Stadt hätte durchaus Möglichkeiten, für Erzieherinnen attraktiv zu sein, aber sie nutzt sie nicht“, sagt Patrick Butsch, stellvertretender Sprecher der Verdi-Vertrauensleute.

Für König und Butsch ist klar: Es muss sich am Gehalt etwas ändern. Deshalb fordern sie die Eingruppierung in die Entgeltgruppe S 10 des öffentlichen Dienstes statt bisher in S 8b. Das seien bei einer Erzieherin, die zwei Jahre im Beruf ist, zwar nur rund 13 Euro mehr im Monat, doch das sei durchaus ein Anreiz. Eine Zulage in Höhe von 100 Euro pro Monat, wie es in einer Magistratsvorlage vom September vergangenen Jahres als Möglichkeit festgehalten wurde, lehnt Verdi ab. „Eine Zulage ist jederzeit kündbar und deshalb nichts Zuverlässiges“, sagt König.

Butsch fordert zudem, dass wieder Stellenausschreibungen mit „ansprechenden Texten“ veröffentlicht werden.

Allerhöchste Zeit

Auch in der Ausbildung ist Rüsselsheim längst nicht die Nummer eins bei den Berufsanfängern. Die Plätze für das Anerkennungsjahr sind nach Königs Angaben auf 25 aufgestockt worden – angepasst an die Zahl der Kindertagesstätten in der Stadt. Besetzt seien gerade mal 16. Auch bei der Ausbildung in Teilzeit seien mittlerweile gerade mal fünf von 20 Plätzen besetzt, weil die Werner-Heisenberg-Schule dieses Modell nicht mehr anbiete.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne), der für die Kindertagesstätten zuständige Dezernent, eine umfangreiche Magistratsvorlage vorgestellt. Dabei ging es auch, aber nicht nur um Geld. In der Vorlage ist unter anderem die Rede von der Einführung eines Job-Tickets, der Anschaffung von Stühlen, auf denen auch Erwachsene bequem sitzen können, und eine Anwerbeprämie. Diese Vorlage sei im Oktober von den Stadtverordneten mit einem Prüfauftrag an den Magistrat zurückverwiesen worden. Jetzt müsse das Papier erneut alle Gremien durchlaufen, bis es im März wieder den Stadtverordneten zur Abstimmung vorgelegt wird. Dann ist es nach Ansicht der Verdi-Leute allerhöchste Zeit zu handeln. „Es geht nur über bessere Bezahlung, sonst wird alles noch viel schlimmer“, lautet Königs Appell an die Kommunalpolitiker.

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