Natur

Der Verein Internationaler Garten präsentiert sein Gelände

Zur Interkulturellen Woche hat der Verein Internationaler Garten eingeladen. Die Verantwortlichen freuen sich über den Mitgliederzuwachs des vergangenen Jahres. Für die Zukunft gibt es viele kreative Ideen.

Nach vielen Wochen Dauersonnenschein fängt es ausgerechnet an diesem Nachmittag an zu stürmen. „Wir hatten grade den Tisch so schön hergerichtet, da ging es los“, berichtet Monika Günther vom Vorstand. Schnell habe man eine Plane zum Schutz für die große Tafel gespannt, nass wurde sie trotzdem. Doch weder die Vereinsmitglieder noch deren Besucher lassen sich vom Regen abhalten.

Jetzt, nach dem heftigen Schauer, wird der Tisch wieder emsig mit allerlei Köstlichkeiten beladen, weit mehr, als die in der Einladung versprochenen Kekse erwarten ließen. Viele der exotischen Backwaren sind in der Flüchtlingsunterkunft in der Kelsterbacher Straße in Raunheim entstanden. Hier leben derzeit Khaled Ani, seine Frau Hanadi Sayah und deren drei Kinder. Mit leuchtenden Augen präsentieren die Eltern die Spezialitäten aus ihrer Heimat. Mit Frischkäse gefüllte Grießrollen, Mürbeteiggebäck mit Pistazien-Rosenwasser-Füllung, knusprige Sesamkekse, Falafel und Hummus.

Seit diesem Sommer bewirtschaftet die Familie eine Parzelle auf dem großen Gelände des Internationalen Gartens am Waldrand zwischen Raunheim und Rüsselheim. Bohnen, Spinat, Auberginen und Tomaten sollen hier in den zukünftigen Sommern geerntet werden. Ein paar stattliche Bohnenpflanzen konnten dieses Jahr, trotz des späten Starts in die Saison, schon gepflanzt werden.

„Die Leute sind gut hier, wir haben uns gut eingelebt“, sagt der Vater. Der elfjährige Sohn Abdullah, Schüler der Raunheimer Gesamtschule, übersetzt problemlos von seiner Muttersprache in fehlerfreies Deutsch. Die Familie wünscht sich eine friedliche Zukunft für ihre Kinder in Deutschland. „Wenn ihr wollt, dann bleiben wir“, sagt Ani.

Derzeit ist die fünfköpfige Familie auf der Suche nach einer anderen Bleibe. Ein Zimmer für fünf Personen sei auf Dauer doch recht beengt.

Vereinsmitglied Ariane König, die lange auch im Vorstand mitgearbeitet hat, freut sich über die Mitarbeit der syrischen Familie am heutigen Fest. „Das hier ist ja ein Integrationsprojekt, es ist dieses Jahr so schön, dieses große Engagement zu erleben“, schwärmt die Rüsselsheimerin.

Begeistert berichtet sie von ihren Ideen für die Zukunft. Regelmäßig besuche König die Treffen des bundesweiten Netzwerkes „Anstiftung“, das Projekte wie den Internationalen Garten mit anderen solcherart vernetzen will.

Workshops zum ökologischen Gärtnern, Vorträge, Koch-Events, gemeinsame Einkoch-Aktionen könne sie sich vorstellen, aber auch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Ausstellungen wünscht sich König: „So ein großes Grundstück ist doch eine tolle Chance.“

Etwas konkreter sind schon die Pläne für einen Workshop im systemischen Familienstellen in der Natur. Die Methode soll unter anderem helfen, seelische Probleme zu lösen. Die Dozentin jedenfalls ist schon gefunden. Gesine Biedert, die gerade ihre Ausbildung absolviert hat, würde dieses besondere Projekt gerne im Internationalen Garten anbieten.

Drei geflüchtete Familien und zwei Flüchtlinge sind seit kurzem mit einer eigenen Parzelle dabei. Aber das ist nicht der einzige Grund für den erfreuliche Mitgliederzuwachs. „Die Rüsselsheimer Stadtpflanzen haben sich auch den Internationalen Gärten angeschlossen“, berichtet König.

Diese Gruppe hatte sich für ein Urban-Gardening-Projekt (Gartenbau mitten in der Stadt) auf dem Hessentag gegründet. Nachdem sich das Projekt in der Innenstadt nicht fortführen ließ, ist die Gruppe um den ehemaligen Kultur-Stipendiaten Jan Muschiol nun auch mit vier Parzellen dabei. Sichtbares Zeichen sind die vier großen Pflanzkübel, die einen Sommer lang den Löwenplatz verschönert hatten.

„Jetzt müssen wir noch zusammenwachsen als Gruppe, wir sind noch im Prozess“, erläutern König und Günther die nächste Herausforderung für den Internationalen Garten.

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