+
Solawi-Gründer Sandra Wolf und Toni Groß vor dem Hofeingang in Königstädten.

Bio-Gemüse

Verein "Solidarische Landwirtschaft": Selbst die Ernte einfahren

Im kommenden Jahr wird in Rüsselsheim solidarisch gelandwirtschaftet, und zwar in Bio-Qualität. An Erzeugern und Ernte wollen Solawi-Mitglieder ganz nah dran sein. Auf dem Hof treffen sich nun die Gründungsmitglieder und planen.

„Oft stehe ich in Rüsselsheim im Supermarkt und frage mich: Soll ich den gespritzten Apfel aus Deutschland oder den Bio-Apfel aus Chile kaufen?“ Gerade steht Toni Groß aber zwischen Weidenkörben und Ackermaschinen, die noch nie mit gespritztem Obst und Gemüse in Kontakt waren. Ab dem nächsten Jahr muss er sich nicht mehr zwischen zwei Übeln entscheiden. Gemeinsam mit einer Gruppe Engagierter gründet er gerade den Verein „Bio-Solawi Auf dem Acker“.

Die

Idee ist simpel

: Die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) finanzieren mit einem Jahresbeitrag den Hof und alles, was für Anbau und Ernte gebraucht wird. Im Gegenzug bekommen sie die gesamte Ernte. „Wir wollen weg von diesem Konsumentenstatus: Ich gebe dir Geld, du gibst mir die Gemüsekiste. So soll es nicht sein“, betont Groß.

Der Hof – ein einladendes Grundstück hinter alten Steinmauern mit Scheune, Federvieh, Kelter – im Königstädter Feld wird von Heike und Werner Muster schon seit mehr als 40 Jahren biologisch nach den Richtlinien von Bioland bewirtschaftet. Die Gärtnerei bleibt weiterhin bestehen und betreut ihre Kunden. Da das Prinzip der Solawi den Musters gefällt, wollen sie es zusätzlich etablieren.

Sandra Wolf, die von Anfang an dem Organisationsteam angehört, war davon sofort überzeugt. Als die Verhandlungen im Spätsommer 2017 mit einer bio-veganen Solawi aus Frankfurt (diese Zeitung berichtete) scheiterten, musste sie nicht lange überlegen.

„Es ist etwas stressig, aber wir sind zuversichtlich, dass es dieses Jahr noch klappt mit der Vereinsgründung“, sagt die Mathematikerin. „Im April fangen wir dann richtig an.“ Ein Gärtner kümmert sich um das praktische Fachwissen, gibt es aber auch an die Laien weiter. „Wie betreutes Anbauen quasi“, sagt Toni Groß schmunzelnd.

Ein wichtiger Aspekt der Solawi ist die Gemeinschaft. „Als Mitglied sollte man natürlich Lust haben, dabei zu sein, und sich mit biologischer Landwirtschaft identifizieren“, erklärt Wolf. „Von etwa sechs Arbeitseinsätzen im Jahr wäre es toll, wenn man bei zwei dabei wäre.“ Dort würde dann beispielsweise Unkraut gejätet, bei der Ernte geholfen und sich natürlich ausgetauscht. Auch gemeinsame Feste sind geplant.

Wenn die ersten Erträge kommen, so Wolf, gibt es regelmäßig Gemüsekisten, die an bestimmten Depots für die Mitglieder abholbar sein werden. Mitmachen kann jeder, der Lust auf saisonale Gemüseversorgung mit Herkunftsgarantie hat. „Wir freuen uns wirklich über jedes neue Gesicht“, sagt Sandra Wolf. Finanziell sei die Mitgliedschaft ebenfalls stemmbar, da sich die Solawi mit sogenannten Bieterrunden jährlich neu aufstellt.

Die Finanzplanung und der daraus resultierende Durchschnittsbeitrag pro Person werde den Mitgliedern vorgestellt. Anschließend „schreibt jeder auf, was er zahlen will oder kann“, erklärt Wolf. Decken die aufgeschriebenen Beiträge das Budget nicht, wird die Runde wiederholt.

Sandra Wolf, Toni Groß und ihre Mitstreiter sind voller Tatendrang für den Verein. „Hier sind die idealen Grundvoraussetzungen vorhanden, der Hof ist groß und das Umfeld mit der ganzen Artenvielfalt einfach einzigartig“, weiß Wolf. Wer Transparenz beim Gemüseverbrauch möchte, sei bei der Bio-Solawi so nah dran wie sonst nirgends, wirbt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare