Haupt- und Finanzausschuss

Vereine protestieren gegen Gebühren

Massenandrang im Haupt- und Finanzausschuss wie noch nie: Mehr als 80 Mitglieder aus Vereinen, die den Sportpark nutzen, bekunden ihren Protest gegen Nutzungsgebühren. Ihre Chancen, ungeschoren davon zu kommen, stehen schlecht.

Der umstrittene FDP-Antrag zur Kostenbeteiligung der Vereine beim Sportpark ist vorerst zurückgestellt. Aufatmen kann indes keiner: CDU, FLN und FDP haben am Montagabend einen Unionsantrag für ein Konzept beschlossen, die Klubs an Verbrauchskosten zu beteiligen.

Um welche Nutzungskosten geht es?

Anhand der Verbrauchszahlen von 2016 listet die Gemeinde an Personalkosten für den Sportpark 60 000 Euro, an Verbrauchskosten für Strom, Wasser und Heizung 40 000 Euro auf. Hinzu käme die Abschreibung nach einer Sanierung in Höhe von 35 000 Euro. Die Fußballer erklären, dass sie ihre Verbrauchskosten im eigenen Vereinsheim schon immer selbst bezahlten.

Was passiert nun?

Die Kunstrasenplätze werden im Juli und August saniert. Der Zug sei nicht mehr auszuhalten, hieß es. Die Gemeinde stelle dafür 500 000 Euro bereit, davon seien 400 000 Euro für den großen und den kleinen Kunstrasenplatz vorgesehen. Sie sollen saniert, aber nicht erneuert werden. Bodengrundlage und Drainagen seien in Ordnung, das sei untersucht worden.

Die übrigen 100 000 Euro sollen für andere Arbeiten verwendet werden. Nach gegenwärtiger Planung seien 65 000 Euro für das marode Sportparkgebäude vorgesehen und 35 000 Euro für die Laufbahn. Es bleibe eine Aschenbahn, eine Tartanbahn werde es nicht geben. Ob die bis jetzt kalkulierten Summen reichen, steht in den Sternen. Die Auftragslage lasse anderes vermuten, warnte Grünen-Fraktionsvorsitzender Marco Müller.

Warum sollen die Vereine Geld bezahlen?

„Es geht nicht darum, jemand an die Wand zu drücken“, hieß es in der überfüllten Sozialstation. Doch so fühlen sich die Klubs. Sinnbildlich stehen die meisten Zuhörer im Ausschuss mit dem Rücken zur Wand.

Die FDP-Fraktion hatte mit ihrem Antrag den Stein ins Rollen gebracht, diesen aber jetzt zurückgestellt. Der geforderte Sperrvermerk für die Sanierung der Kunstrasenplätze? Nicht mehr mehrheitsfähig.

In vielen Kommunen sei es üblich, Sportstätten an Nutzer zu verpachten, betont die FDP dennoch. Nauheim könne nicht alle zehn bis 15 Jahre eine halbe Million Euro für Kunstrasenplätze investieren, von denen nur die Fußballer profitierten. Unter diesen Umständen sei „Fußball ein Luxussport“. FDP-Fraktionschef Gerd Petersen wird von den Vereinsvertretern an dieser Stelle lautstark ausgelacht.

Die Union setzt einen eigenen Antrag mit den Stimmen von FDP und FLN gegen das Votum von SPD und Grünen durch. Die Gemeinde sei verpflichtet, irgendwann die Grundsteuer B zu senken. Daher müssten Lasten der Zukunft verteilt werden. Ausschussvorsitzender Winfried Rehm (CDU) sagt dazu: „Die Vereine sollen die Hosen runterlassen und sagen, was ist möglich, was können wir beibringen.“

Was ist die Gegenposition?

Die SPD kritisiert, dass seit Jahren nichts passiert sei, trotz der Verhandlungen mit den Klubs. Neue Gespräche müssten zieloffen sein. Vorschläge wie von der FDP seien „eine Verhöhnung der Sportvereine“, kritisiert SPD-Fraktionschef Frank Schmitz. Er wirft FDP und CDU vor, die Vereine unter dem Vorwand der Haushaltsberatung zu erpressen.

Dass es auch ein Sportentwicklungskonzept gibt, bringen die Grünen ins Spiel. Der Sportpark solle demnach nicht nur Vereinen, sondern der Grundschule, dem Freizeitsport und für Kulturveranstaltungen genutzt werden. Das funktioniere nicht, wenn Vereine einseitig verantwortlich und zur Kasse gebeten würden. Und 35 000 Euro für die Laufbahn der Leichtathleten reichten schon mal gar nicht. „Das klingt wie Resteverwertung“, kritisiert Grünen-Fraktionschef Marco Müller.

Was ist jetzt das Ziel?

Diese Frage stellt der Bürgermeister. „Es ist an der Zeit zu sagen, was es denn sein soll“, fordert Verwaltungschef Jan Fischer (CDU). Der Blick geht in die Zukunft: In vielleicht 15 Jahren stehe die nächste Sanierung an.

Sollte die Gemeinde dann Geld haben, werde sie sich an neuerlichen Sanierungskosten beteiligen, verspricht die Union Die Vereine würden nicht im Stich gelassen. So fühlen sie sich aber gerade, wie das in ihren Stellungnahmen zum Ausdruck bringen.

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