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Liebe statt Todessehnsucht im Büchnersaal.

Neu verstrickt ins Leben

Das Bündnis gegen Depression lud zu „Norway today“ ein, einer Inszenierung um zwei verletzte Seelen. Das Theaterstück soll für das Thema Depression und Suizid von Kindern und Jugendlichen sensibilisieren.

Kreis Groß-Gerau. Das Kreisbündnis gegen Depression mit Anke Creachcadec als Projektkoordinatorin nimmt zunehmend auch Bedarfe psychisch kranker Kinder sowie Kinder psychisch kranker Eltern in den Blick. Für dieses Thema stand auch das Theaterstück „Norway today“, das am Donnerstagabend auf der Bühne des Büchnersaals zu sehen war.

Creachcadec und Landrat Thomas Will (SPD) begrüßten rund 130 Gäste im Landratsamt, in dem nun erstmals ein Theaterensemble eingeladen war, das sich mit der Thematik Depression und suizidaler Gefährdung von Jugendlichen auseinandergesetzt hat. „Freilich geht es heute auch um die Kunst der Darstellung, doch hat sie primär den Stellenwert des adäquaten Mediums, die Thematik anschaulich zu transportieren“, sagte Creachcadec.

Sie dankte dem Ensemble um Regisseurin Isa Micklitza und den beiden Schauspielern Marget Flach und Samuel Pock. Die Inszenierung „Norway today“ nach Buchvorlage von Igor Bauersima ist in Absprache von mehreren regionalen Bündnissen gegen Depression unter dem Dach der deutschen Depressionshilfe bundesweit zu sehen und will für die Thematik des Suizids von Jugendlichen sensibilisieren.

So kalt wie die Landschaft, die die Protagonisten auf der Bühne bewohnen, so kalt ist es in ihren Herzen: Juli und August, die Teenager mit den sommerlichen Namen, reisen nach Absprache im Internet-Chat zu den eisigen Fjorden Norwegens, wo sie gemeinsam sterben wollen.

Woher diese tiefe Verstörtheit rührt, die Marget Flach als coole Juli und Samuel Pock als verunsicherter August glaubhaft auf die schneeweiß ausgestattete Bühne bringen, bleibt im Dunkeln. Es scheint, als sei eine restlose Antwort darauf nicht möglich, und die dünnen, dialogischen Fäden, die sich zwischen den beiden Selbstmordkandidaten entspinnen, reichen nicht aus, Schmerz und Todessehnsucht zu erklären. Unter Beimengung von erstem Liebeskummer und tiefem Ungenügen an sich selbst hat sich die seelische Eiszeit in ihren Herzen ausgebreitet.

Das Theaterstück ist trotz teils nahezu komischer Tragik ein dunkles Stück. Das Publikum braucht Durchhalte- und Einfühlungsvermögen angesichts der Schwere, in die lange Zeit kein Lichtstrahl der Hoffnung dringt: Die Darsteller, phasenweise schweigend, dann miteinander kämpfend und gegen die Angst vorm Tod aufbegehrend, weben aus ihrer seelischen Qual depressive Schleier.

Langsam aber verwandelt sich ihre Todessehnsucht in Liebe. Schrittweise verabschiedet sich das Paar vom Todessehnen. Juli und August verstricken sich neu ins Leben, knapp dem Suizid entkommen, zwei junge Menschen, die glücklich von Einsamkeit zu Zweisamkeit fanden. cma

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