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Von Verzicht und kulinarischen Alternativen

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Vegan essen in Rüsselsheim – dass muss nicht gleich die kulinarische Askese bedeuten, wenn man lange genug sucht. Wir haben zum Weltvegantag zum 1. November bei Restaurants nachgefragt und mit zwei Veganerinnen gesprochen.

Keine Milchprodukte, keine Eier und natürlich kein Fleisch oder Fisch: Wer vegan lebt, verzichtet auf alle tierischen Lebensmittel – ob aus ethischen, umweltschützenden oder gesundheitlichen Gründen. In der eigenen Küche mag das dank der eigenen Kochkünste und bereits im Supermarkt etablierter Produkte unproblematisch sein. Sobald aber auswärts gegessen wird, wird es schwierig in Rüsselsheim etwas zu finden. Oder?

„Es hat sich was getan“

Svenja Neumann, 19 Jahre alt und seit anderthalb Jahren Veganerin, sieht die Situation gelassen: „Ich finde, man kommt durch – es könnte besser sein, aber es hat sich auf jeden Fall etwas getan.“ Beim Dönerladen ginge zum Beispiel ein Falafel-Sandwich ohne Joghurtsoße, im asiatischen Restaurant Gerichte ohne Ei. „Das ist aber manchmal nicht ausgeschildert“, sagt Neumann.

Die Rüsselsheimerin Joline Müller-Thümen ist dagegen wenig glücklich über die Angebotsauswahl. Seit drei Jahren lebt sie vegan und die Angebote in Rüsselsheim seien nicht zufriedenstellend. „Ich studiere in Gießen – da gibt es vegane Läden, vegane Coffee Shops, sogar veganes Mittagessen in der Mensa“, sagt die 23-Jährige.

Dass die Opel-Stadt keine traditionelle Uni-Stadt mit einem regen Studentenleben hat, mag ein Grund dafür sein, dass Veganismus die Gastronomie hier so wenig beeinflusst. Das glaubt auch Florian Haupt (Das Rind). „Wir bieten bei unseren zwei Tagessuppen immer eine vegane oder vegetarische Alternative an“, sagt er. Bisher gebe es keine Beschwerden, „auch nicht von den Veganern im Team.“

Vegane Hochzeit

Nebenan, im Hotel Höll am Main, erklärt Kai Sommer, dass es schwierig sei, etwas als komplett vegan auszuweisen, wenn in der Küche auch mit tierischen Zutaten hantiert wird. „Einige Gerichte sind aber von Haus aus vegan, zum Beispiel Salate“, so Sommer. Bei größeren, vorgeplanten Veranstaltungen könne aber individuell auf die Gäste eingegangen werden, so zum Beispiel erst vor kurzem bei einer veganen Hochzeit.

Familie Kessidis im Café am Markt hält es ähnlich: „Teilweise können wir problemlos auf Wünsche von Veganern eingehen“, sagt Ekaterini Kessidou. Bei Kuchen wird es dagegen schon schwerer, aber da sei die Nachfrage ohnehin äußerst gering bislang. „Innerhalb von zwei Jahren hat sich bisher ein Kunde danach erkundigt“, so Kessidou.

Eine echte Problematik für alle, die auf tierische Produkte verzichten möchten, ergibt sich bei den Kaffeespezialitäten. Nach Alternativen zu Kuhmilch sucht der Veganer in Rüsselsheim nämlich vergeblich. „Wenn ich Sojamilch für einen Kunden im Monat kaufe und ich sie dann wegschmeißen muss, weil sie schlecht wird, ist das ja nicht sehr nachhaltig“, sagt Kessidou. Im Rind gibt es zwar laktosefreie Milch, aber auch die kommt von der Kuh und ist damit nicht vegan.

Etwas weiter weg von der Innenstadt bietet das Burger-Restaurant Freeway immerhin individuelle Lösungen für vegane Gäste an, wenn darum gebeten wird. „Kartoffelbeilagen und Gemüse zum Beispiel“, sagt Simone Litzinger. Von Veganern gäbe es einfach zu wenige Anfragen, als dass sich ein speziell veganer Burger lohnen würde.

Glück hat man als Veganer in Rüsselsheim im indischen Restaurant Shahi. Für Inhaber Syed Shah ist veganes Essen selbstverständlich, schon lange gibt es eine vegane Karte. „Es fragen vor allem junge Leute nach, ob wir vegan kochen. Das ist überhaupt kein Problem“, sagt er. Dem stimmen auch Neumann und Müller-Thümen zu: „So viel Auswahl habe ich selten“, sagt Neumann. lor

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