Verzweifelte Mutter schmuggelt Drogen

  • vonMatthias Gerhart
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Weil sie knapp ein Kilo Kokain in ihren Brustimplantaten transportiert hatte, wurde eine 24 Jahre alte Kolumbianerin gestern vom Landgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter honorierten dabei besonders das Geständnis der Frau.

Die dramatische Geschichte der Mutter von drei Kindern begann nicht erst Anfang dieses Jahres in einem kleinen Dorf, rund vier Autostunden von der kolumbianischen Hauptstadt Bogota entfernt. Aber damals spitzte sie sich zu. Im Dorf lebte die Frau mit Mutter, Geschwistern und Kindern mehr schlecht als recht in einer Hütte. Schuluniformen für die Brüder mussten angeschafft werden. Doch wie sollten diese bezahlt werden? „Sonny“, ein Mann, der schon einmal wegen Rauschgiftdelikten im Gefängnis war, hatte bei der Frau also leichtes Spiel.

Umgerechnet 850 Euro sollte sie als Kurierlohn für einen Transport von rund 850 Gramm Kokainzubereitung nach Spanien bekommen. Der in Deutschland „lächerliche Betrag“ (Richter Jörn Immerschmitt) bedeutet im kolumbianischen Hinterland ein halbes Vermögen. Vorher aber ging es zu einem Privathaus in Bogota, in dem „Sonny“ gemeinsam mit einem Chirurgen wartete: Ohne klinische Standards zu beachten, wurde die Frau betäubt, und es wurden ihr anschließend die beiden Päckchen mit den Drogen in die Silikon-Implantate operiert.

Weil alles sehr schnell gehen musste, waren die Narben und Schnitte natürlich noch längst nicht verheilt, als sie tags darauf in den Flieger nach Frankfurt gesetzt wurde. Nach ihrer Ankunft schwankte sie den Kontrollbeamten entgegen – sie konnte vor Schmerzen kaum laufen.

Gleichwohl hätte das Flughafenpersonal von sich aus wohl nicht auf eine Drogenkurierin getippt, sondern die Frau mit dem nächsten Flugzeug wieder zurück in ihre Heimat geschickt. Plötzlich aber beschrieb die Passagierin ihre Schmerzen und gab an, Drogen in ihren Brüsten zu transportieren. Sie sollte nach Spanien weiterreisen, wo die Ehefrau von „Sonny“, eine Ärztin, mit Messer und Skalpell auf sie warte.

Die deutschen Behörden ersparten der Frau allerdings dieses Abenteuer und brachten sie in die Uniklinik, wo sie drei bis vier Tage blieb und dann direkt ins Frauengefängnis überstellt wurde.

Dort arbeitet sie seither und verdient soviel, dass sie 100 Euro monatlich an ihre Familienmitglieder in der Heimat überweisen kann. So ist es auch bittere Ironie dieser Geschichte, dass die Kinder letztlich doch dank des zwar kriminellen, aber dennoch aufopferungsvollen Einsatzes ihrer Mutter zu ihren Schuluniformen kommen werden. „Im deutschen Gefängnis verdient die Angeklagte jedenfalls einiges mehr, als bei ihrem Gelegenheitsjob in der Heimat“, fasste Richter Immerschmitt in der Urteilsbegründung zusammen.

Im Strafmaß – zweieinhalb Jahre Haft – stimmte er mit dem Staatsanwalt überein. Auch dieser hatte den freimütigen Hinweis der Frau auf ihre zweifelhafte Fracht im Oberkörper zum Anlass genommen, für eine – gemessen an der Menge des Rauschgifts – außerordentlich milde Strafe einzutreten.

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