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Die Einrichtung einer Videoüberwachung unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen, die erfüllt werden müssen.

Interview

Videoüberwachung: „Das Sicherheitsgefühl wird gestärkt“

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Soll die Videoüberwachung in Rüsselsheim eingeführt werden? Darüber diskutieren derzeit die Gemeindevertreter im Rathaus. Aber wo liegen die Kriminalitätsschwerpunkte überhaupt und wo sollte man laut Polizei Videokameras am besten installieren? (Teil 2, Ende).

Wo liegen die Kriminalitätsschwerpunkte in Rüsselsheim?

Die Polizei subsumiert unter dem Begriff Kriminalitätsschwerpunkte Örtlichkeiten, an denen in einem definierten Zeitraum Straftaten begangen werden und im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren ein sprunghafter Anstieg festzustellen ist.

In Rüsselsheim verteilen sich Straftaten auf das gesamte Stadtgebiet, ohne Schwerpunkte zu bilden. An exponierten öffentlichen Plätzen, an denen sich erwartungsgemäß mehr Menschen aufhalten, werden auch mehr Straftaten festgestellt. Das Gebiet rund um den Bahnhof ist z. B. eine Örtlichkeit, die überproportional von Straßenkriminalität betroffen ist und das subjektive Sicherheitsgefühl des Bürgers beeinträchtigt.

Wo wären mögliche Orte und Plätze in Rüsselsheim, an denen Sie sich eine Videoüberwachung vorstellen könnten?

Aus Sicht der Polizei sind zentrale und belebte Plätze mit einer hohen Personenfluktuation prüfenswert. In Rüsselsheim wären dies der Bahnhofsvorplatz, die Bahnhofstraße (in Bahnhofsnähe), die Sophienpassage, die Rheinstraße und die Friedensstraße, die im Bereich der Stadtunterführung in Frage kommen könnten. Das Sicherheitsprogramm „Kompass“ bietet in solchen Fällen zielgerichtet Präventionsmaßnahmen an, die das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Mithilfe des Programms kann die Stadt Rüsselsheim passgenaue Lösungen für die Sicherheit vor Ort mit allen Beteiligten erarbeiten.

Wie darf man sich das vorstellen: Wer wertet die gesammelten Daten einer Videoüberwachung anschließend überhaupt aus? Braucht man dazu zusätzliches Personal?

Überwachungsmonitore würden bei Einrichtung der Videoanlagen auf den Wachen der örtlichen Polizeistationen stehen. Eine regelmäßige Überwachung der betroffenen Örtlichkeiten ist somit gewährleistet. Die übertragenen Bilder können zudem nach den gesetzlichen Vorgaben auf elektronische Medien abgespeichert werden.

Verlagert man durch eine Videoüberwachung nicht einfach mögliche Straftaten an andere Orte in der Stadt, an denen es wiederum keine Kameras gibt?

Kriminologische Erkenntnisse haben ergeben, dass eine Verdrängung von Straftaten aufgrund von Videoüberwachungsmaßnahmen durchaus stattfinden kann, aber nicht zwingend muss.

Tatgelegenheitsstrukturen eines kriminalgeographischen Raumes, kriminogene Situationen und ein kriminelles Milieu lassen sich nicht einfach in andere Räume übertragen. Die Ziele, Verhinderung und Aufklärung von Straftaten sowie das gestärkte Sicherheitsgefühl des Einzelnen, werden durch eine Videoüberwachung positiv beeinflusst.

Der Verdrängungseffekt durch eine Videoüberwachung beinhaltet einen Schwund von Straftaten. Begleitend führt die Polizei Maßnahmen durch, mit diesem Kontrolldruck in diesem überwachten Bereich und in den angrenzenden Gebieten ist eine Reduzierung bis hin sogar eine Auflösung der Straßenkriminalität festzustellen.

 

 

Kommentar von Olaf Kern

Wenn es so einfach wäre, dass ein paar Kameras automatisch weniger Kriminalität hieße, hätte sie jede Stadt. So einfach ist es aber nicht. Empfehlungen der Polizei können nur eine Diskussionsgrundlage sein. Für die Bürger Rüsselsheims und die Gemeindevertreter. Sie müssen am Ende entscheiden, ob eine Videoüberwachung überhaupt sinnvoll ist und gewünscht wird. Sie wissen am besten, wie sicher sie sich hier fühlen oder auch nicht.

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