Busfahrer Selgim Vujic macht gute Erfahrungen mit den Fahrgästen bei der Einhaltung der Maskenpflicht. Yonca Telli ist einverstanden mit der Anordnung. Foto: Koslowski
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Busfahrer Selgim Vujic macht gute Erfahrungen mit den Fahrgästen bei der Einhaltung der Maskenpflicht. Yonca Telli ist einverstanden mit der Anordnung. Foto: Koslowski

Hygienevorschrift

Viel Disziplin in den Rüsselsheimer Stadtbussen

Der weitaus größte Teil der Fahrgäste befolgt die Maskenpflicht

Rüsselsheim-Ein junger Mann in Jogginghose und weißem Oberteil steigt in den Bus der Linie 41 ein, der von der Stadtmitte nach Königstädten fährt. Er trägt keine Mund-Nasen-Schutzmaske. Obwohl dies doch verpflichtend für alle Fahrgäste des öffentlichen Personennahverkehrs ist.

Er wird prompt von einem anderen Fahrgast angesprochen. Alles kein Problem. Er zieht die Maske sofort über, die er bereits in der Hand hielt. Der 23-Jährige möchte seinen Namen nicht nennen. Er habe schlichtweg vergessen, die Maske überzuziehen, weil er beide Hände voll hatte, meint er entschuldigend.

Denn er hat Verständnis für die Anordnung. Für das mögliche Bußgeld von 50 Euro allerdings nicht, das die Landesregierung bei Nichteinhaltung der Maskenpflicht auferlegt hat. Manche Leute hätten nicht so viel Geld, er denkt an die Arbeitslosen.

Der ältere Herr, der Zivilcourage bewies, ist nicht etwa sauer auf den jüngeren Zeitgenossen. "Er hat es einfach vergessen", meint der 68-Jährige und winkt ab. Er fand es dennoch wichtig, ihn darauf hingewiesen zu haben, denn er sei übergewichtig und leide unter zu hohen Blutdruck. Wenn er sich mit dem Coronavirus infiziere, sei seine Überlebenschance gering, ist er sich sicher. Er ist einverstanden mit dem Bußgeld, weil das Tragen der Maske eben eine Anordnung von oben sei.

Dieses Bußgeld dürfen indessen nicht die Busfahrer aussprechen, betont Jürgen Gelis, Pressesprecher der Stadtwerke. Dies obliege dem Ordnungsamt und der Stadtpolizei.

Manche vergessen den Schutz einfach

Nach Auskunft der Stadt kontrolliere die Stadtpolizei in den Bussen. Seien Fahrgäste ohne Masken angetroffen worden, hätten sie sich in der Mehrheit einsichtig gezeigt, informiert Johanna Weigand von der Pressestelle. Sie hätten nicht an die Maske gedacht, habe die Begründung gelautet. Zuletzt seien jedoch auch Passagiere aufgefordert worden, den Bus zu verlassen. Zweimal habe ein Bußgeld verhängt werden müssen. Am häufigsten würden Jugendliche keine Maske tragen.

Dies bestätigen die Busfahrer Selgim Vujic und Rüstem Duran. Wenn, dann würden Jugendliche und ein paar ältere Menschen keine Maske tragen, sagt Vujic. Er weise die Fahrgäste auf ihr Fehlverhalten hin. Es habe aber noch nie Ärger gegeben, die Leute hätten einfach vergessen, die Maske aufzuziehen. "Die Fahrgäste sind ziemlich diszipliniert", stellt er fest. "Die Fahrgäste haben Verständnis", lobt auch Duran. Er habe noch nicht erlebt, dass jemand des Busses verwiesen werden musste.

Fahrdienstleiter Matthias Jensen kann tatsächlich nur von einem Extremfall berichten. Einmal habe ein Busfahrer die Polizei alarmieren müssen, weil der Fahrgast sich strikt geweigert habe, eine Maske aufzuziehen. Nach einiger Diskussion habe er sich dann einsichtig gezeigt.

Die Busfahrer befinden sich in keiner einfachen Situation. Sie dürften zwar einem Fahrgast ohne Maske bei Uneinsichtigkeit den Zutritt verweigern, so Jensen. Aber der Fahrgast könne auf der Beförderung bestehen.

Fahrer kann die Polizei rufen

Bemerkt ein Busfahrer während der Fahrt einen maskenlosen Fahrgast, weist er ihn auf sein Versäumnis hin. Lässt der Fahrgast nicht mit sich reden, sei der Busfahrer berechtigt, die Fahrt zu unterbrechen und die Polizei zu alarmieren.

Dies stehe durchaus im Widerspruch zur Beförderungspflicht, räumt Jensen ein. Aber er stellt schlussendlich fest, dass die Maskenpflicht Priorität habe. Letztlich müsse der Busfahrer von Fall zu Fall entscheiden. In der Regel seien die Fahrgäste jedoch einsichtig.

Im Bus der Linie 41 tragen bis auf den jungen Mann alle Fahrgäste eine Maske, sowohl auf der Fahrt in die Stadtmitte als auch zurück nach Königstädten. Sie zeigen zudem Verständnis für die Maskenpflicht.

Die 16-jährige Shirin macht das Tragen der Maske nichts mehr aus, seit in der Schule keine Maskenpflicht mehr besteht. Denn dann auch noch im Bus eine Maske zu tragen, empfand sie als zu viel.

"Die Maske ist wichtig, weil der Bus ein geschlossener Raum ist", betont Yonca Telli. "Ich habe noch keinen ohne gesehen", stellt sie fest. Sie stört die Maske nicht, müsse sie doch bei ihrer Arbeit in einem Supermarkt ebenfalls den Schutz tragen.

"Das ist okay", sagt auch Efe Polat. Die Hygienevorschrift sei angebracht. Das Bußgeld von 50 Euro findet er in Ordnung. Nach seiner Beobachtung trügen mehr Fahrgäste die Masken, seit es das Bußgeld gibt.

Rüdiger Koslowski

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