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Nachdem sie die Maschine am Computer programmiert hat, schaltet Jana Kässmann sie an und erhält nach dem Fräsprozess eine Schachfigur.

Tag der offenen Tür

Die Werner-Heisenberg-Schule bietet ein Bildungskonzept für möglichst viele an

Ob Technik, Wirtschaft, Informationstechnologie oder Abitur am Beruflichen Gymnasium: Am Samstagvormittag präsentierte die Werner-Heisenberg-Schule beim Tag der offenen Tür ihr breites Bildungsangebot.

Jana Kässmann schaut hochkonzentriert auf den PC-Monitor vor ihr. Er zeigt ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite ist das Modell einer Schachfigur zu sehen. Daneben sind Programmierbefehle aufgeführt. Anhand einer Liste gibt Jana Kässmann die Befehle ein. Sie ist eine von zwei Studentinnen im ansonsten männlichen Jahrgang des dritten Lehrjahrs der Dreher- und Fräser-Klasse in der Berufsfachschule der Werner-Heisenberg-Schule. Am Samstagvormittag sitzt sie beim Tag der offenen Tür der Schule in einem Klassenzimmer im technischen Trakt. Die zahlreichen vorbeischlendernden Besucher haben so die Möglichkeit, einer Unterrichtseinheit beizuwohnen.

„Ich habe nach meinem Abitur überlegt, was ich machen möchte, und habe mehrere Praktika absolviert. So bin ich schließlich zur Berufsfachschule gekommen und lerne jetzt Zerspanerin“, berichtet Kässmann. „Ich habe diese Entscheidung, etwas ganz anderes zu machen, als man vielleicht von einer Abiturientin erwartet, nicht bereut. Mir macht das Handwerk viel Spaß.“

Rasante Entwicklung

Nachdem sie die Fräsmaschine, die im hinteren Teil des Klassenraums steht, mit ihrem PC fertig programmiert hat, spannt Jana Kässmann einen Metallblock ein. Dann drückt sie auf einen Knopf. Auf einem Display an dem Gerät erscheinen die Befehle, die sie vorher am PC eingegeben hat. In wenigen Minuten hat die Fräsmaschine aus dem Metallblock eine Schachfigur hergestellt.

„Ich kann mir gut vorstellen, nach der Ausbildung auch noch ein Studium als Technikerin oder Bauingenieurin anzuschließen. Ich denke, zukünftige Arbeitgeber bevorzugen Bewerber, die vor dem Studium eine praktische Ausbildung abgeschlossen haben“, vermutet die junge Frau, die im kommenden Jahr ihre Ausbildung beenden wird.

„Wir nennen unsere Berufsschüler Studierende“, erklärt Jana Kässmanns Klassenlehrer, Günther Geiß. Die Entwicklung im Berufsfeld der Werkzeug- und Zerspanungsmechaniker schreite rasant voran. Es sei mittlerweile normal, dass von den jungen Menschen nach der Ausbildung auch umfassende Programmierkenntnisse erwartet würden. „Die meisten Maschinen in der Industrie werden heutzutage durch den PC angesteuert“, schildert Geiß.

Duale Ausbildung

Vor dem Klassenraum der Dreher und Fräser präsentiert Fachlehrer Sven Stuhmeier ein Modell aus der Berufsfachschule für Mechatronik. Etwa 20 Schüler besuchen pro Jahrgang diesen Fachbereich an der Schule. „Das Kurrikulum ist eine Mischung aus Elektrik und Mechanik. Junge Menschen mit diesem Abschluss können in der Automobilindustrie, aber auch in anderen Unternehmen Arbeit finden“, so Stuhmeier.

Im neuen Gebäude der Schule können sich die vielen Besucher über das weitere Angebot der Bildungseinrichtung informieren. Sonja Schmithals leitet die Berufsfachschule, die Höhere Berufsfachschule und die Höhere Handelsschule. „Bei uns gibt es auch ohne Schulabschluss die Möglichkeit der Weiterbildung, zum Beispiel durch eine duale Ausbildung oder ein Berufsvorbereitungsjahr, an dessen Ende der Hauptschulabschluss steht“, schildert Schmithals. Für junge Menschen nach dem Realschulabschluss biete die Schule neben der Höheren Berufsfachschule und der Höheren Handelsschule auch die Fachoberschule und das Berufliche Gymnasium an.

Selbst für Menschen, die im Beruf stehen, biete die Einrichtung mit der Fachschule für Wirtschaft und Technik eine Weiterbildung in Form einer Abendschule an.

„Wir sind mit unseren Angeboten breit aufgestellt“, ist sich Schmithals sicher. Auch die Resonanz der Schüler – die Werner-Heisenberg-Schule ist mit 2900 Schülern die größte Schule Rüsselsheims – zeige, dass das Konzept den weit gefächerten Bedarf gut abdecke.

von DANIELA HAMANN

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