Stolpersteine in Groß-Gerau

Vier goldene Steine sollen an das Schicksal der Familie Hirsch erinnern

Vor dem Seniorenhaus Raiss wurden gestern vier neue Stolpersteine verlegt. Sie sollen an das Schicksal der Familie Hirsch erinnern,

Wer mit offenen Augen durch die Innenstadt geht, dem bleiben die Zeugnisse einer unheilvollen Vergangenheit nicht verborgen: Vor 13 Häusern sind sie bereits zu sehen, die goldenen Pflastersteine, die an das Vermächtnis ehemaliger jüdischer Mitbürger erinnern. Seit gestern sind es wieder vier mehr: Vor dem Haus in der Frankfurter Straße 48, heute bekannt als Seniorenhaus Raiss, fand die mittlerweile 14. Verlegung von Stolpersteinen in der Kreisstadt statt – diesmal im Gedenken an die Familie Hirsch.

Das Haus ist eng mit jüdischer Geschichte verbunden. Vor dem zweiten Weltkrieg wohnte der Metzger und Viehhändler Gustav Hirsch gemeinsam mit seiner Frau Lina Hirsch, geborene Mayer, deren Mutter Emma Mayer, geborene Kahn, und ihrer Tochter Liesel Hirsch hier. Gustav Hirsch war Vorsteher der jüdischen Gemeinde.

In der Pogromnacht umstellten SA-Leute sein Haus und viele Menschen schauten zu, wie es verwüstet und Möbel auf die Straße geworfen wurden. Gustav Hirsch wurde von November bis Dezember 1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Der Familie gelang 1940 die Flucht in die USA, wo sie sich in Bridgeport eine neue Existenz aufbauten.

Pfarrer Wolfgang Prawitz zitierte bei der Verlegung der Stolpersteine einen Satz von Jay Kahn, eines ebenfalls aus der Stadt vertriebenen Juden: „Möge die Erinnerung uns auf den Weg der Gerechtigkeit bringen – es ist unsere ewige Verpflichtung.“ Besonders herzlich hieß er Melisa Pope mit ihrer Familie willkommen, die für diesen Tag aus den USA angereist war. Erster Stadtrat Richard Zarges bezeichnete es als „eine Ehre, dass die Familie Pope in die Stadt ihrer Väter gekommen ist. Wir wünschen, dass sie hier wieder herzlich aufgenommen werden.“

„Ohne Name ist man ein Niemand“

Schüler des Prälat-Diehl-Gymnasiums rezitierten aus der Lebensgeschichte der Familie Hirsch. Petra Kunik, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Frankfurt, sagte, die Nazis hätten versucht, den Juden die Namen zu nehmen. „Aber ohne Namen ist man ein Niemand. Deshalb bin ich besonders dankbar, dass auf den Stolpersteinen die Namen der Verfolgten stehen.“ miko

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