Im Prozess zur Auto-Attacke am 23. September 2020 an der Bushaltestelle in der Astheimer Straße ist jetzt das Urteil gesprochen worden. Foto:5visionmedia
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Im Prozess zur Auto-Attacke am 23. September 2020 an der Bushaltestelle in der Astheimer Straße ist jetzt das Urteil gesprochen worden.

Prozess

Vier Jahre Haft für Auto-Attacke

  • vonWalter Scheele
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Das Landgericht Darmstadt verurteilt einen 32-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Er hatte den Liebhaber seiner Schwester angefahren und schwer verletzt.

Königstädten -Zu vier Jahren Gefängnis hat die 11. Große Strafkammer am Landgericht Darmstadt gestern einen 32-jährigen Rüsselsheimer verurteilt. Der von Staatsanwältin Eva Heid vor dem Schwurgericht wegen versuchten Mordes Angeklagte muss wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung für vier Jahre hinter Gitter.

Die Strafkammer sprach den aus Afghanistan stammenden Deutschen schuldig, weil er am 23. September vergangenen Jahres in der Astheimer Straße in Königstädten mit mindestens Tempo 30 den 24-jährigen abgelegten Liebhaber seiner Schwester (19) mit seinem Auto angefahren und schwer verletzt hatte.

Das Verfahren endete nach vier Verhandlungstagen anders als es Staatsanwältin Eva Heid in ihrem Plädoyer sieben Jahre wegen eines Tötungsdeliktes gefordert hatte. Aber auch die Verteidigung, Caroline Jacob und Stefan Adler, hatten nur bedingt Grund zur Freude. Ihre Forderung auf eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren auf Bewährung stieß beim Gericht auf wenig Gegenliebe.

Nicht zu widerlegen

Vorsitzender Richter Volker Wagner sagte in der Urteilsbegründung, man müsse sich vorstellen, wie viel Angst es bei den beiden jungen Männern in dem Wartehäuschen an der Bushaltestelle Astheimer Straße ausgelöst habe, als der 32-Jährige mit seinem Wagen auf sie zu fuhr. Der 24-jährige abgewiesene Liebhaber der Schwester des Täters hatte schwere Brüche von linkem Schien- und Wadenbein erlitten. Sein neben ihm sitzender Kumpan hatte sich unverletzt mit einem Sprung zur Seite retten können.

Zu widerlegen war, so Richter Wagner, die Aussage des Angeklagten nicht, er sei von seinem Opfer spontan zur Tat gereizt worden. Er habe mit Mutter und seinem kleinen Bruder Altkleidung in dem Container neben dem Wartehäuschen entsorgen wollen. Dabei habe ihn der 24-Jährige mit Schimpfworten und obszönen Gesten sehr zornig gemacht.

Gefährliche Waffe

Für den erfahrenen Strafrichter Wagner stand in seiner Urteilsbegründung eine Frage im Vordergrund: "Wie kann ein so anständiger Kerl, der sein schweres Leben bisher makellos gemeistert hat, zu so einem Fehlverhalten kommen?" Eine Antwort fand auch die Strafkammer nicht.

Sie hatte in ihrer Urteilsbegründung auch zu bewerten, dass der 32-Jährige mit seiner neunköpfigen Familie wegen religiöser Verfolgung aus der Heimat in den Iran flüchten musste. Wegen seiner journalistischen Tätigkeit waren der Angeklagte und seine Eltern sowie die Geschwister ins Visier der regierenden Mullahs geraten, flohen nach Deutschland. Hier lernte der 32-Jährige binnen kurzem die deutsche Sprache so gut, dass er in Rüsselsheim mit einem Studium beginnen konnte.

Trotzdem, so Richter Volker Wagner, müsse dem Angeklagten klargemacht werden - ob spontaner Entschluss oder nicht -, dass er nicht einfach sein Auto im Verkehr als gefährliche Waffe einsetzen dürfe. "So ein Verhalten geht hier einfach nicht", schloss Wagner seine Urteilsbegründung.

Ob gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt werden, wurde gestern nicht bekannt. Nach dem Prozess berieten die Anwälte intensiv mit ihrem Mandanten. Walter Scheele

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