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Nur weiße Eier könnten knapp werden

Vogelgrippe hat offenbar nur wenig Einfluss auf den Verkauf zu Ostern

Nach der Vogelgrippe und langen Stallpflicht für Hühner hat das Echo auf dem Wochenmarkt gefragt: Wie steht’s um die Ostereier? Ingrid Rettig vom Odenwälder Bauernhof sagt: „Damit gibt’s kein Problem. Außerdem ist das Ostereiergeschäft sowieso rückläufig.“

 Hühner gackern und scharren wieder in heimischen hessischen Höfen: Die Vogelgrippe ist gebannt, die Stallpflicht aufgehoben. Doch auf dem Wochenmarkt wollten wir von Landwirtin Ingrid Rettig wissen: Wird es genügend frische Eier zum Osterfest geben?

„Bei uns gibt’s kein Problem damit“, sagt die Händlerin vom Bauernhof in Lauterbach-Breitenwiesen, die vielen Kunden bestens bekannt ist. Mancher erinnert sich an ihren Schwiegervater Wilhelm Rettig, der ab 1961 mit Geflügel und Eiern auf dem Markt stand. Vor zwei Jahren sei er gestorben, sagt Ingrid Rettig, die selbst bereits 30 Jahre dabei ist.

„Wir haben ja schon öfter Stallpflicht bei Vogelgrippe gehabt, aber diesmal war es sehr lang. Ab November, gleich nach Martini, ging’s los, was auf unserem Hof vor allem Gänse betraf. Die brauchen Auslauf, wollen die Flügel ausbreiten“, sagt sie. Ihre 1500 Hühner aber lebten sowieso in Ställen, in denen sie sich frei bewegen können, und kämen stundenweise raus. Sie erklärt: „Unser Familienbetrieb liegt im Odenwald in 500 Metern Höhe. Es wäre für Freilandhaltung einfach zu kalt.“

Allerdings konnten Junghennen, deren Lieferung aus Paderborn im Februar erwartet wurde, erst jetzt zum Einstallen auf den Odenwälder Hof gebracht werden, füg5t Ingrid Rettig hinzu. „Mit 22 Wochen beginnen sie, ihre weißen Eier zu legen, die sich gut zum Färben eignen. Damit sind wir natürlich etwas knapp dran.“

Während der Vogelgrippe und Stallpflicht seien an ihren Marktständen in Rüsselsheim, Kelsterbach, Wiesbaden und Zwingenberg dennoch wie gewohnt Eier gekauft worden.

„Manche Kunden waren etwas verunsichert, und ich sagte: Ihr braucht keine Angst haben, unsere Eier sind frisch und einwandfrei. Stammkunden, deren Familien seit Generationen kommen, kauften weiterhin ihre Eier für die Woche. Ein richtig großes Ei kostet bei mir 30 Cent, ein etwas kleineres 25 Cent und Eier von Junghennen gibt’s schon für 10 Cent.“

Bunt gefärbte, glänzende Ostereier aber lasse sie sich vor Ostern zuschicken, sagt Ingrid Rettig. „Das machen wir nicht selbst. Solche Färbemaschinen kosten ein Heidengeld und müssten dann jeden Tag laufen. Wer bei uns frische Hofeier kauft, färbt sie gern selbst oder bemalt sie“, berichtet die Händlerin. „Allerdings ist das Ostereiergeschäft seit Jahren rückläufig – die Leute fahren um Ostern lieber in Urlaub, Paare haben keine Kinder. Bunte Eier gibt es ja mittlerweile auch das ganze Jahr über in den Supermärkten. Das ist nichts Besonderes mehr.“

Nach der Qualität von Hühnereiern gefragt, meint die Landwirtin: „Ob Freiland, Bodenhaltung oder Bio – da ist oft viel Schau dabei.“ Die Realität sehe anders aus, als die Werbung vom glücklichen Huhn auf grüner Wiese es vermittle: „Im Freigehege ist nach wenigen Tagen kein Gras mehr übrig, wenn Hühner immer draußen sind. Das Gelände ist karg und bei Regen verschlammt.“ Vom Gras allein könne zudem kein Huhn leben. „Wir machen Hühnerfutter selbst, bauen Getreide an. Der Cousin meines Mannes schrotet selbst, mischt das Futter, setzt Mineralien, Spurenelemente und Sojaöl zu.“

Zu guter Letzt: Woran erkennt der Käufer ein frisches Ei? „Ein frisches Ei erkennt man nicht an der Farbe des Dotters – der ist je nach Huhn und abhängig vom Futter mal heller, mal kräftiger gelb, sondern daran, dass das Eiweiß beim Aufschlagen nicht zerfließt“, verrät sie. Und solch ein frisches Hühnerei schmecke zu jeder Zeit – gekocht, gekleppert oder gebacken. Nicht nur zu Ostern.

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