+
Die Zentrale der Rüsselsheimer Volksbank in der Bahnhofsstraße.

Fusion

Volksbank tritt Verbund bei: Nach Zusammenschluss mit Geldhäusern im Odenwald und Franken sollen Aufgaben geteilt werden

  • schließen

Die Rüsselsheimer Volksbank tut sich mit zwei Partnern zusammen. Gerade das soll die Selbstständigkeit sichern.

Fusion bei genossenschaftlichen Geldhäusern: Die Rüsselsheimer Volksbank tritt einem Verbund mit der Volksbank Odenwald und der Raiffeisen-Volksbank aus dem fränkischen Miltenberg bei. Das hat Timo Schmuck, Bereichsleiter Vertrieb und Marketing der Rüsselsheimer Volksbank, auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt.

Der Zusammenschluss werde in diesem Jahr vollzogen. Eine Mitteilung zu den Plänen verfasste die Bank Schmuck zufolge bereits Ende vergangenen Jahres. Allerdings werde diese nur auf Anfrage versendet. „Für unsere Kunden ändert sich ja nichts“, begründet Schmuck dies.

Allerdings werde künftig der Arbeitsbereich der sogenannten Regulatorik, der sich mit der Einhaltung der gesetzlichen Bankenregulierung befasst, zwischen den Mitgliedern des Verbunds aufgeteilt. Mit der Regulatorik hätten kleine Geldhäuser besonders zu kämpfen, da sie die gleichen Anforderungen erfüllen müssten wie Großbanken. Welche Aufgaben aus diesem Bereich künftig in Rüsselsheim verbleiben, stehe noch nicht fest, sagt Schmuck. Arbeitsplätze würden jedenfalls „im Moment“ nicht wegfallen, versichert er.

Vorstand bleibt im Amt

Laut der Aufsichtsratsvorsitzenden Patricia Prinzessin zu Erbach-Schönberg, die in der Pressemitteilung zu Wort kommt, erhielten die Mitglieder als Niederlassungen die volle Marktpräsenz und unternehmerische Kompetenz vor Ort – bis zur Entscheidung des Vorstandes in Rüsselsheim. So bleibt das Vorstandsduo Markus Walter und Josef Paul Schmuck zufolge auch im Amt. Obgleich die Rüsselsheimer Volksbank „eines der erfolgreichsten Institute in Südhessen“ sei, wie es in der Mitteilung selbstbewusst heißt, verschließe man die Augen nicht vor den Herausforderungen, denen es sich zu stellen gelte. Die Zahl der Zusammenschlüsse der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland sei 2017 weiter angestiegen.

Größere Einheiten

Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten seien rund 50 Fusionen beschlossen oder auf den Weg gebracht worden. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen. Niedrigzinsen, Digitalisierung und Bankenregulierung belasteten die Institute zunehmend. Die Antwort darauf seien größere Einheiten, die sich diesen Themen stellten.

Aufsichtsrat und Vorstand der Rüsselsheimer Volksbank hätten sich ausführlich damit beschäftigt, wie diesen Anforderungen begegnet werden könne und die Selbständigkeit erhalten bleibt. „Wir haben überhaupt keine wirtschaftliche Notwendigkeit, die uns zu einer Verschmelzung drängt. Dennoch, und gerade aus einer Position der Stärke, wollen wir uns den externen Einflüssen und der Frage der Zukunftsfähigkeit stellen. Die Selbständigkeit ist ein hohes Gut, das wir verteidigen wollen – im Interesse unserer Mitglieder, Kunden, Mitarbeiter und der gesamten Region“, wird Vorstand Josef Paul zitiert. Kern der genossenschaftlichen Idee sei die regionale Förderung der Mitglieder und Kunden und die damit verbundene regionale Verwurzelung – diese gelte es zu erhalten.

Kommentar von Sven Westbrock:

Mit dem Beitritt zum Verbund der Volksbanken Odenwald und Miltenberg rüstet sich die Rüsselsheimer Volksbank für die Zukunft. Wenn man den Ausführungen von Vorstand Josef Paul Glauben schenken darf, nach denen der Zusammenschluss aus einer „Position der Stärke“ erfolgt, wären die Verantwortlichen für ihre Weitsicht zu beglückwünschen. Wenig glaubwürdig ist allerdings, dass für die Fusion „überhaupt keine wirtschaftliche Notwendigkeit“ besteht, hätte man dann doch weitermachen können wie bisher. Und schließlich ist da noch die Pressemitteilung, die es nur Anfrage gibt. Auch wenn für die Kunden alles so bleibt, wie es ist, wäre mehr Transparenz an dieser Stelle wünschenswert gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare