Auch die zwölf Jahre alte Abbigail, die mit ihrem Vater gekommen ist, will sich impfen lassen. FOTO: hans-dieter erlenbach
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Auch die zwölf Jahre alte Abbigail, die mit ihrem Vater gekommen ist, will sich impfen lassen.

Corona

Von wegen Impfmüdigkeit: Warteschlange vor dem Impfbus

Auffallend viele Jugendliche kommen zum Angebot am Rüsselsheimer Bahnhof

Rüsselsheim -"Klar lasse ich mich impfen", sagt die zwölf Jahre alte Abbigail, die nach der Impfung vor dem Impfbus am Bahnhof sitzt und die obligatorischen 15 Minuten abwartet, bevor sie nach Hause gehen kann. Sie ist mit ihrem Vater gekommen, der schon seit Monaten geimpft ist. Keine Frage, dass er auch seine Tochter impfen lassen wollte. Er sei erleichtert, dass das jetzt endlich möglich sei, erzählt er.

Seine Tochter hat auch gleich ihren Folgetermin für die zweite Impfung in drei Wochen bekommen. Ob sich weitere Kinder in ihrem Alter impfen lassen, weiß sie nicht, weil derzeit noch Ferien sind, erklärt Abbigail.

Überhaupt sind an diesem Tag auffällig viele Jugendliche vor dem Impfbus anzutreffen. Eine Beobachtung, die auch Impfkoordinator Karim Marchani macht. Seit der Impfstoff für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben sei, komme diese Gruppe nun oft zu den mobilen Impfterminen, berichtet er.

Bis zum Mittag 40 Personen

Der Termin am Donnerstag vor dem Rüsselsheimer Bahnhof sei ausnehmend gut besucht, erzählt der Mann. Als der Bus morgens am Bahnhof ankam, habe es bereits eine kleine Warteschlange Impfwilliger gegeben.

Bis zum Mittag waren schon mehr als 40 Personen geimpft, wobei die Impfwilligen, die im Bus auf zwei Impfstraßen ihre Spritze bekamen, mehrere Vakzine zur Auswahl hatten.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson werde oft gewählt, weil der zwar nicht ganz so viel Schutz wie der Impfstoff von Biontech bietet, aber nur einmal verabreicht werden muss. Das schätzten alle, die nun kurzfristig in Urlaub fahren und eine Quarantäne vermeiden wollten, so der Impfkoordinator.

Auf die Frage, warum so viele Menschen zum Impfbus kommen, die schon längst geimpft sein könnten, hat er eine einfache Antwort: "Bequemlichkeit oder mangelnde Aufklärung." Aber auch die Tatsache, dass es für Ungeimpfte in den kommenden Wochen angesichts wieder steigender Corona-Zahlen erhebliche Einschränkungen zum Beispiel beim Besuch eines Restaurants oder beim Friseur geben könnte, mag wohl mit zu dem unerwartet großen Andrang beitragen.

Bis zu 150 Personen würden im Schnitt pro Tag im Impfbus geimpft. In Rüsselsheim könnten es an diesem Donnerstag deutlich mehr gewesen sein, denn der Bus blieb nicht nur wie andernorts bis 18 Uhr, sondern bis 21 Uhr. Gerade am Bahnhof kämen viele Personen, die auswärts arbeiten, erst nach 18 Uhr an.

Auch sie sollten die Chance haben, sich noch impfen zu lassen. Zudem fand im benachbarten Opel-Altwerk an diesem Abend eine Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers statt. Da wären sicher auch noch einige Besucher dabei, welche die unkomplizierte Möglichkeit einer schnellen Impfung nutzen wollten.

Ein Frau, die frühmorgens zum Impfbus kam, habe sich eigentlich gar nicht impfen lassen wollen. Weil sie aber gerade in der Stadt unterwegs war und am Bus vorbeikam, habe sie sich kurzfristig entschieden, die Impfung quasi im Vorbeigehen mitzunehmen.

"Damit wird man erpresst"

Vor dem Bus sitzt auch Melanie, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte. Sie zähle eigentlich zu dem Impfgegnern, berichtet sie. Sie hat sich mit dem Einmal-Impfstoff impfen lassen. "Für mehr habe ich keine Zeit", so die junge Frau, die nach eigenen Angaben im Einzelhandel arbeitet. Sie habe sich die Spritze nur geben lassen, weil sie künftig nicht für jeden Test Geld bezahlen wolle. "Damit wird man erpresst, sich impfen zu lassen", schimpft sie.

Womöglich habe sie schon eine Corona-Erkrankung gehabt und es gar nicht gemerkt, denn im Einzelhandel hielten sich viele Menschen nicht an die Auflagen. Sie trügen die Masken gar nicht oder nicht richtig und hielten auch die Abstände nicht ein. Bei Beratungsgesprächen sei das mit dem Abstand ohnehin schwierig, sagt die Frau.

Das Ärzteteam war jedenfalls mit dem Rüsselsheimer Termin zufrieden. In den nächsten Tagen tourt der Bus weiter durch den Kreis Groß-Gerau und macht unter anderem auf Supermarktparkplätzen Station. ha

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