Der Wimpel ist Programm: Günter Richter ist seit 30 Jahren Vorsitzender des Freundeskreises Le Teil.
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Der Wimpel ist Programm: Günter Richter ist seit 30 Jahren Vorsitzender des Freundeskreises Le Teil.

Städtefreundschaft mit Le Teil

Der Vorsitzende vom Dienst

Günter Richters Leidenschaft für den Freundeskreises Le Teil nimmt kein Ende. Warum er das Amt des Vorsitzenden seit drei Jahrzehnten gerne bekleidet, hat er im Gespräch mit dem Echo erzählt.

Von RÜDIGER KOSLOWSKI

Günter Richter gehört zu einer aussterbenden Spezies. Vereine haben es immer schwerer, Menschen zu finden, die sich im Vorstand engagieren. Viele ältere ehrenamtliche Vorstandsmitglieder geben ihr Amt auf. Nicht so Günter Richter. Der 79-Jährige hat sich bei der Jahreshauptversammlung einmal mehr für den Vorsitz des Freundeskreises Le Teil zur Verfügung gestellt. Er ist damit seit 30 Jahren Vorsitzender des Vereins. „Es wollte ja keiner nachrücken, und mein Interesse an der Freundschaft ist nicht erlahmt“, begründet er sein drei Jahrzehnte währendes Engagement für den Freundeskreis und die Jumelage mit der französischen Partnerstadt.

Günter Richter war nicht einmal Gründungsmitglied des Freundeskreises. Dieser wurde am 12. Mai 1982 ins Leben gerufen. Die Gründung hatte damals einen weniger erfreulicher Anlass: 1983 stand die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft an, und die Stadt Raunheim war finanziell klamm. Ein Freundeskreis sollte die Feier finanziell absichern.

Jedenfalls wurde Günter Richter, Stadtverordneter für die SPD und im SPD-Vorstand, nicht zur Gründungsversammlung eingeladen. „Ich weiß nicht, warum“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Wenige Wochen nach der Gründung trat er dem Freundeskreis dann aber bei. „Bei einer Fahrt nach Le Teil habe ich die Beitrittserklärung unterschrieben“, erzählt er schmunzelnd.

Vier Jahre später sollte er den Vorsitz des Freundeskreises übernehmen. Otto Sittmann wollte das Amt aus beruflichen Gründen abgeben. Sittmann und Alt-Bürgermeister Günther Diehl sprachen ihn daraufhin an. Vermutlich, weil er in der Partnerschaftskommission der Stadt saß und sich sehr für die Jumelage engagierte. „Ich nahm immer an Gesprächen und an den Fahrten nach Le Teil teil“, erinnert sich Richter. In der Partnerstadt hatte er inzwischen gute Freunde gefunden.

Woher kommt sein Engagement für die Städtepartnerschaft? Günter Richter nennt die Erinnerung an die beiden Weltkriege, den Aussöhnungsgedanken. „Das Verhältnis zwischen Franzosen und Deutschen war in den 80er Jahren durchaus noch belastet“, meint er. „Man hat aber gemerkt, dass das doch ganz vernünftige Leute sind“, so die Eindrücke nach den ersten Begegnungen. Bei der ersten Fahrt nach Le Teil waren die Deutschen privat bei französischen Gastgebern untergebracht. Auch das hat zu einem positiven Bild beigetragen.

„Ich wollte einfach nie aufhören“, sagt Günter Richter mit Blick auf die vergangenen 30 Jahre. Er habe aber auch keinen Grund gesehen, das Amt abzugeben. Günter Richter nennt zudem das Verhältnis zu Michel Reynaud, dem Gründer des Vereins Amis de Raunheim, der als Motor der Jumelage gilt.

Zwischendurch war in der Städtepartnerschaft mit Le Teil ein wenig Sand im Getriebe – während der Amtszeit des dortigen Bürgermeisters Robert Chapuis. „Ich wollte aber nicht, dass die Partnerschaft einschläft“, sagt Günter Richter. Für seine Verdienste hat er unter anderem die Goldene Verdienstplakette der Stadt Raunheim erhalten. Außerdem wurde er mit der Ehrenurkunde für die 25-jährige Mitgliedschaft und für 25 Jahre als Vorsitzender des Freundeskreises Le Teil geehrt.

Zwei Jahre wolle er auf jeden Fall noch weitermachen, versichert er. Bei der nächsten Wahl in zwei Jahren ist er allerdings 81 Jahre alt. Wenn er gesund bleibt, soll aber auch dieses hohe Alter nicht automatisch seinen Abschied vom Vorsitz des Freundeskreises bedeuten. Dennoch sei es an der Zeit, sich nach einem Nachfolger umzuschauen. Der müsse mindestens zehn Jahre jünger sein. „Ich wäre schon traurig, wenn ich aufhöre. Aber altersgemäß bleibt mir irgendwann nichts anderes übrig.“

Er weiß aber auch, dass es schwierig wird, jemanden für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Der Freundeskreis sucht bereits seit Jahren einen Schriftführer, er selbst schreibt zurzeit die Protokolle. Günter Richter glaubt, dass die Familien heute weit über der Vereinsarbeit stehen und dass das Engagement für die Vereine von zu Hause unterstützt werden muss. Vereine haben für ihn durchaus eine Zukunft. Aber er vermutet, dass die Vorstände auf wenige Personen reduziert werden, dass die Vorstandsarbeit beispielsweise nur noch Vorsitzende und Kassierer übernehmen.

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