Auf lyrischem Kurs: Die Autoren Nevfel Cumart und Safiye Can verstehen es, Schüler zum literarischen Schreiben zu motivieren.
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Auf lyrischem Kurs: Die Autoren Nevfel Cumart und Safiye Can verstehen es, Schüler zum literarischen Schreiben zu motivieren.

Schreibworkshop an der MBS

Ein Votum für die Lyrik

Einer der Höhepunkte der Kulturwoche an der Martin-Buber-Schule (MBS) ist der literarische Abend, zu dem die Öffentlichkeit am heutigen Freitag um 18.30 Uhr eingeladen ist. Namhafte Autoren bereiten die Lesung mit Schülerworkshops vor. Lyrik steht im Fokus.

Von CHARLOTTE MARTIN

Philipp Stannarius, Schulleiter der Martin-Buber-Schule (MBS), sagt: „Lyrik ist ein Stiefkind an Schulen.“ In der Tat: Straffe Lehrpläne lassen kaum Zeit, diesen kunstvollen Sprachgebilden aus leisen, vieldeutigen Worten nachzuhorchen. Und MBS-Gastautorin Safiye Can unterstreicht daher vehement den Sensibilisierungsprozess, der über die achtsame Arbeit an Gedichten in Gang komme. „Hörend sowohl als auch schreibend“, betont die deutsch-türkische Lyrikerin, die seit drei Jahren mit Workshops während der Kulturwoche dabei ist.

Diese Kulturwoche an der integrativen Gesamtschule soll jährlich kreative, wertungsfreie Zeit schenken, um in verschiedenen Disziplinen – von Musik und Malerei bis hin zu Literatur – Akzente der Bildung zu setzen, die über Fachwissen hinausgehen. Querdenken, Dinge auf den Kopf stellen, Neuartiges ausprobieren – das sei Impetus der künstlerischen Auseinandersetzungen, fasst das pädagogische Organisationsteam um Philipp Stannarius zusammen.

„Dass wir erneut namhafte Autoren für Lesungen und Workshops gewinnen konnten, freut uns“, so der Schulleiter. Denn „ein echter Autor“ habe doch größeres Ansehen bei Jugendlichen als ein Lehrer, wenn es um Schulung der Ausdrucksfähigkeit gehe. Neben Safiye Can, deren jüngster Lyrikband 2015 im Frankfurter Verlag Größenwahn unter dem Titel „Diese Haltestelle hab ich mir gemacht“ erschienen ist, hält erneut der Autor Nevfel Cumart Schreibseminare für Zehntklässler ab. Er bezeugt hier seit Jahren seine „Motivationskünste“, die in Schülerlob münden: „Am liebsten hätte ich nur noch Deutschunterricht.“

Cumart weiß, dass sich Inspiration nicht erzwingen lässt, schafft „Wohlfühlatmosphäre“, wozu auch Diskretion gehört: „Nicht jeder Teilnehmer mag vor versammelter Gruppe lesen, was er aufs Papier bringt.“ Die Themenstellung sei frei, betonen Can und Cumart, Zwang, an der öffentlichen Lesung der Texte heute Abend teilzunehmen, gebe es nicht.

Schön aber, dass sämtliche gelungenen Texte dennoch einer lyrisch interessierten Schulgemeinde vorgestellt werden: Wie auch in den Vorjahren soll es im Nachklang zur Kulturwoche eine Broschüre unter dem Motto „Kultur macht Schule“ geben, in der sich Malerei und Lyrik paaren. Blättert man im Heft von 2014, fallen Sentenzen auf, die das Niveau der Workshops ebenso dokumentieren wie die Freude der Schüler: „Glück – frischer Wind, der dir durchs Haar fährt.“ Mit einem vorläufigen Resümee für dieses Jahr sagen Nevfel Cumart und Safiye Can: „Die Thematik Flüchtlinge, Flucht und Fremdsein bestimmen diesmal viele Texte der Schüler in unseren Workshops. Das Thema ist ja auch brandaktuell.“ Und die Lyrikerin meint noch: „Ich erlebe, dass es sehr spannend, sehr förderlich für junge Menschen sein kann, sich fiktiv schreibend mit Flucht auseinanderzusetzen.“

Neben dem Wagnis des Schreibens dürfen sich Schüler ab Jahrgangsstufe sechs während der Kulturwoche auch an Lesungen geladener Autoren freuen. Außer den Workshopleitern sind dies die Jugendbuchautoren Dirk Reinhardt („Edelweißpiraten“) sowie Jochen Till („Der Junge Sonnenschein“). „Ihnen Löcher in den Bauch zu fragen, ist allemal erlaubt“, machen Lehrkräfte Mut, die Gelegenheit zu Gesprächen zu nutzen. Vor dem Literarischen Abend üben Can und Cumart nun mit den Schülern und Nachwuchslyrikern noch das konzentrierte Vortragen eigener Verse ein.

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