Daniela Bergschneider am letzten Tag ihrer Ausstellung ?Sprout? in den Opelvillen.
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Daniela Bergschneider am letzten Tag ihrer Ausstellung ?Sprout? in den Opelvillen.

Künstlergespräch mit Daniela Bergschneider

Wächst das etwa noch weiter?

Einen interessanten Einblick in ihr kreatives Schaffen gab die Künstlerin Daniela Bergschneider in den Opelvillen. Anlässlich der Dernière ihrer Ausstellung Sprout hatte sie zum Künstlergespräch in die Schleuse des Ausstellungshauses eingeladen.

Wie Flechten oder Pilze scheinen die zwei Arbeiten Daniela Bergschneiders an den Wänden der Schleuse in den Opelvillen entlang zu wachsen. Sprout, also Sprosse, ist der Titel ihrer Ausstellung. Was so überzeugend organisch daherkommt ist das Ergebnis langer Versuchs- und Bearbeitungsprozesse im Atelier der Künstlerin. Die gelernte Textil-Designerin bearbeitet Stoffe indem sie sie abbindet, wobei sie sich an den Techniken des japanischen Shibori orientiert. Anders als bei dieser fernöstlichen Batik-Variante tut sie das aber nicht, um anschließend zu Färben.

Für das Eiskristall-artige Objekt in verschiedenen Grautönen hat sie die Stoffe zuvor gefärbt und dann durch das Abbinden über Stäben in die endgültige Form gebracht. In Rüsselsheim hat sie mehrere solcherart bearbeiteter Stoffbahnen zu einem Ganzen zusammengefügt. Diese Module kann sie immer wieder neu arrangieren, je nach den räumlichen Begebenheiten ihrer Ausstellungsorte.

Wild wuchernd

Die Schleuse in Rüsselsheim gefalle ihr besonders gut, erzählt sie eingangs den Kunst-Fans, die ihrer Einladung gefolgt sind. „Ich mag so cleane Räume wie diesen hier, als Gegenpol zu meinen wild wuchernden Objekten“, sagt sie den rund 15 Frauen und Männern, von denen die meisten wie die Vögel auf einer Stange auf der langen steinernen Bank in der Mitte des Raumes aufgereiht sitzen.

Denen beschreibt sie nun, wie das luftige weiße, an Blüten erinnernde Objekt, das sich fast durch die gesamte Länge des Raumes diagonal an der Wand entlang zieht, entstanden ist. Auch hier wurde der Stoff zuerst abgebunden, als nächstes bearbeitete Bergschneider ihn dann noch mit einem Heißluftföhn. Aufgrund der unterschiedlichen Materialien und somit Eigenschaften von Kett- und Schussfaden des Stoffes entstanden die bizarren Gebilde, die an Blüten oder Baumpilze erinnern. Wegen der Dämpfe, die beim Erhitzen der – meist synthetischen – Stoffe entstehen, arbeitet die Künstlerin nur noch im Freien und mit Atemschutzmaske.

„Mein Atelier ist ein Labor“, erklärt die junge Frau und erläutert: „Dort teste ich mein Material aus und warte auf Zufälle“. Wenn sie Glück habe, entstehe so etwas, wie die weißen Blüten. „Ich versuche, Eigenschaften aus dem Material herauszulocken“, beschreibt sie den kreativen Prozess. Wenn dann so etwas entstehe, gebe das wiederum das weitere Vorgehen vor. Die Arbeit sei sehr intuitiv, von daher gebe es auch keine Skizzen vorab, denn: „Das Material entscheidet über die Form“. Sicherheit gebe ihr das fundierte handwerkliche Können, über das sie als Textildesignerin verfüge.

Licht und Schatten

Die Zuschauer lauschen gebannt und haben auch die ein oder andere Frage. So möchte eine Besucherin wissen, ob es Zufall ist, dass alle Arbeiten und auch die Kleidung der Künstlerin in schwarz und weiß gehalten seien. Für ihre Skulpturen könne sie das absolut bejahen, denn da seien ihr die Form an sich und der Einfluss von Licht und Schatten wichtig, bestätigt Bergschneider und da würde Farbe nur stören. Privat hingegen trage sie hingegen auch gerne mal bunte Kleider. Dass sie solche Objekte auch schon verkauft habe, antwortet sie auf eine andere Frage. Ihr Geld verdiene sie jedoch als künstlerische Mitarbeiterin an der Universität in Paderborn, ihrem Geburtsort.

Wichtig an ihrer Arbeit sei ihr die Ambivalenz ihrer Objekte, das Changieren zwischen Ekel und Schönheit oder auch zwischen Natur und Künstlichkeit. Das Uneindeutige, das die Leute dazu bringe zu überlegen: ist das ein Tier oder vielleicht eine Pflanze? Wächst das vielleicht noch weiter? Ihr gefalle auch der Kontrast zwischen der organischen Struktur und dem synthetischen Material. Ihr Ziel sei es, im Betrachter ein Gefühl zu erzeugen. Dass ihr das gelungen ist, beweisen die zahlreichen begeisterten Kommentare der Teilnehmer des sehr lebendigen Künstlergesprächs.

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