Lehrerin oder Mutter? So recht weiß während des Rundgangs keiner, was die in Bronze gearbeitet Szene vor der Goethe-Schule darstellt.
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Lehrerin oder Mutter? So recht weiß während des Rundgangs keiner, was die in Bronze gearbeitet Szene vor der Goethe-Schule darstellt.

Kunst in Rüsselsheim

Warum die SPD im Opel Kapitän über Kunst nachdenkt

  • vonRobin Göckes
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Wer hat sie aufgestellt, was sollen sie bedeuten, und warum beschäftigt sich niemand mit ihnen? Diese Fragen treiben die Rüsselsheimer Sozialdemokraten um, die Licht ins Dunkel der Kunst im öffentlichen Raum in Rüsselsheim bringen wollen. Von diesen fast vergessenen Puzzlesteinen der Stadtgeschichte gibt es viele Beispiele.

Olaf Kleinböhl zeigt auf einen Busch unweit des Eingangs der Goethe-Schule und erinnert sich. „In den 80ern war ich hier Gärtner. Damals stand hier noch eine Skulptur.“ Heute nicht mehr. Wohin das mutmaßliche Kunstwerk verschwunden ist, wer es einst aufgestellt hatte – es ist der Vergessenheit anheimgefallen.

Und teilt damit das Schicksal vieler Kunstwerke im öffentlichen – Rüsselsheimer – Raum. Das zu ändern hat sich die Rüsselsheimer SPD auf ihre Fahnen geschrieben. Einen Antrag dazu haben sie geschrieben, zum Rundgang eingeladen, Treffpunkt Goethe-Schule. Da stehen nun Kleinböhl sowie eine kleine Schar Rüsselsheimer Genossen.

Und noch bevor Kleinböhl die Erinnerung aus den 80ern überfällt, beginnt auch schon das Rätseln. „War da mal eine Plakette dran?“, fragt Stadtverordnetenvorsteher Jens Grode und zeigt auf den Sockel der Bronzeskulptur einer Dame mit zwei kleinen Kindern, direkt vor dem Eingang der Schule. Möglich, aber ungewiss. Ebenso wie der Name des Künstlers, seine Intention, oder der Anlass, zu dem das Kunstwerk aufgestellt wurde.

„Das ist genau das Problem. Überall in Rüsselsheim stehen solche Kunstwerke und niemand weiß, weshalb oder wann sie aufgestellt wurden“, beklagt Kleinböhl. Um das zu demonstrieren hat er zum Rundgang gebeten. Der führte von der Goethe-Schule zur Kita Godesberger Straße. In deren Vorgarten begrüßt ein flötespielendes Mädchen die Sozialdemokraten. Ebenfalls aus Bronze, im Stil der Skulptur vor der Goethe-Schule ganz ähnlich. Wieder weiß niemand, wieso das Kunstwerk aufgestellt wurde. Auch in der Kita ist man ratlos. „Das Kunstwerk ist schon hier, seitdem die Kita eröffnet wurde“, sagt Hiltrud Ebert von der Kita-Leitung. Das war 1961. „In den 60ern, als das Geld da war, ging man mit der Gießkanne über Rüsselsheim und hat überall was hingesetzt“, sagt Kleinböhl. Nur weitergehend beschäftigt habe sich dann in den wenigsten Fällen noch jemand mit den Kunstwerken. Die waren eben da.

So wie die Flötenspielerin. „Sie ist schon zu so etwas wie unserer Identifikationsfigur geworden. Einen Namen haben wir ihr aber nicht gegeben“, sagt Kita-Leiterin Ebert, die noch eine Überraschung für die Sozialdemokraten bereit hält. „Wir haben da ja noch was anderes“, sagt sie, und führt die Sozialdemokraten durch den Garten der Kita. Und da steht: Ein Opel-Kapitän. Freilich ist es kein echtes Auto, dass da steht, sondern ein Klettergerüst. Gestiftet von Opel zur Eröffnung der Kita. Unter den Sozialdemokraten ist die Begeisterung groß, auch wenn nicht ganz klar ist, ob der alte Kapitän jetzt wirklich noch unter den Kunstbegriff fällt.

Irgendwann reißen sie sich dann doch los, schließlich steht noch eine dritte Station auf dem Plan des Mini-Rundgangs. An der Goethe-Schule vorbei geht es zum Bären, über dessen gebeugtem Haupt das Straßenschild „Berliner Platz“ hängt. Versehen mit dem Hinweis, dass der Platz in Würdigung der Deutschen Einheit seinen Namen trägt. Kollektives Stirnrunzeln bei den Sozialdemokraten. „Der Platz hieß doch schon vorher so“, sind sie sich einig. Eigentlich solle die Namensgebung von Platz und Straße – genau wie der Bär – an den Berliner Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 erinnern. „Aber der Hintergedanke geht vergessen. Diese kleine Grünoase, die man um den Bären herum gepflanzt hat, ist zwar schön, aber das Denkmal, welches der Bär eigentlich ist, gerät dadurch natürlich auch in den Hintergrund“, sagt Kleinböhl und hat damit gleich das nächste Beispiel, welches die Intention des Antrags der SPD stützt.

Den haben die Sozialdemokraten bewusst offen formuliert. „Die Stadt Rüsselsheim wird beauftragt, ein Kataster aller öffentlichen Denkmäler und Kunstobjekte im öffentlichen Raum Rüsselsheims zu erstellen und diesen durch Veröffentlichungen den interessierten Bürgern und Gästen der Stadt zur Verfügung zu stellen“, heißt es darin.

Welche Form genau diese Veröffentlichung annehmen könnte, darauf wollen sich die Sozialdemokraten nicht versteifen. Von QR-Codes an den Kunstwerken, die auf erklärende Seiten im Internet verweisen, bis hin zu einer Broschüre sei vieles denkbar. Vielleicht könnte auch ein Studiengang der Kunstgeschichte für die Aufarbeitung der Thematik interessiert werden, glauben sie. „Wer weiterführende Ideen hat, ist eingeladen diese einzubringen“, sagt Kleinböhl.

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