Schon bei den ersten Sonnenstrahlen nutzen Spaziergänger gerne die Wege im Naturschutzgebiet Mönchbruch. foto: rapp
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Schon bei den ersten Sonnenstrahlen nutzen Spaziergänger gerne die Wege im Naturschutzgebiet Mönchbruch.

Umwelt

Was schön ist, wird mitgenommen

  • vonDr. Susanne Rapp
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Eisläufer, Picknicker und sogar Camper: Im Mönchbruch beklagen Naturschützer in den vergangenen Monaten immer wieder viele Verstöße.

Rüsselsheim -Viele Pandemie-bedingte Einschränkungen reduzieren die Lebensqualität der Menschen derzeit. Da ist es gut, wenn die Natur, die während der momentanen frühlingshaften Temperaturen geradezu explodiert, für Spaziergänge und das Verweilen im Freien genutzt werden kann. Doch vielen Menschen fehlt das Bewusstsein, dass die Natur kein Selbstbedienungsladen ist. "Geht respektvoll mit der Natur um", mahnt der diplomierte Umweltmanager Erik Opper. "Umwelt- und Naturschutz ist Lebensraumschutz." Eine Tatsache, die von vielen ignoriert oder nicht begriffen wird.

Ein gutes Beispiel ist das Naturschutzgebiet Mönchbruch, wo Opper täglich als ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer mehrere Stunden damit verbringt, Besucher über die besonderen Bedingungen in dem circa 1000 Hektar großen Areal zu informieren. Gleich am Eingang des umzäunten Geländes ist seit sechs Wochen ein neues Schild angebracht, das in Piktogramm-Form darüber aufklärt, was in jedem Naturschutzgebiet - grün umrandetes Schild mit Weisskopfseeadler - verboten ist.

"Wenn schon jetzt im Februar die geschützten Wiesen für Ballspielen und Picknicken genutzt werden, dann müssen wir im Vorgriff auf sonnigere Tage deutlich auf alle Verbote hinweisen, damit das Überschreiten dieser Verbote unterlassen wird", so der Umweltschützer.

Bei Eis und Schnee sah er Leute auf den Eisflächen der geschützten Wiesen Schlittschuh fahren. "Am Vatertag 2020 kam ich mir auf der Mönchbruchallee vor, wie bei der Tour de France." Opper bezieht sich mit dieser Aussage auf die Anzahl der Fahrräder und die Geschwindigkeit, mit der die Radler und besonders E-Biker unterwegs waren.

Seltene Tiere und Pflanzen

Die auf dem neuen Schild zu findenden Verbote dienen dem Schutz von wildlebenden Tieren und Pflanzen. Was die meisten nicht wissen, ist, dass im Naturschutzgebiet Mönchbruch mehr als 160 "Rote-Liste-Arten" aus Flora und Fauna ihren Lebensraum haben. Da gebe es den Märzenbecher, eine Pflanze, die dem Schneeglöckchen ähnlich sehe, jedoch viel seltener sei. In etwa zwei Wochen beginne die Blütezeit. Auch der Bärlauch, der im Naturschutzgebiet wächst, und seltene Orchideen dürfen nicht gepflückt oder für den eigenen Garten ausgegraben werden. Denn, so verdeutlicht Opper, wenn viele das tun, sind die Auswirkungen auf die limitierten Bestände verheerend.

Daher ist eines der Verbote der Naturschutzgebietsverordnung, "keine Pflanzen abreißen". Im vergangenen Jahr entdeckte Opper einen Strauß mit Schachblumen, die ein Radfahrer für sich gepflückt hatte. Die abgerissenen Blumen werden nur einige Tage ein Wohnzimmer schmücken. Wären sie in ihrem Umfeld weitergewachsen, hätten sich wohl viele Menschen über sie freuen können und ihr Fortbestand wäre gesichert gewesen.

Hunde müssen immer in einem Naturschutzgebiet angeleint bleiben. Und das gilt nicht nur vom 1. März an mit Beginn der Brut- und Setzzeit. Ein freilaufender Hund wird dort zum Störfaktor. Tiere nicht zu beunruhigen, ist ein weiteres Thema. Das geschieht, wenn Besucher von den Hauptwegen abweichen und Absperrungen, die Opper schon x-mal reparieren musste, ignoriert werden. Wer die Seitenwege begeht oder einfach mitten in den Wald marschiert, stört seltene Tierarten wie Laubfrosch, Ringelnatter oder Kiebitz.

Dass das Lagern in einem Naturschutzgebiet verboten ist, wo im schlimmsten Fall auch noch ein Lagerfeuer angezündet wird, scheint mit gesundem Menschenverstand logisch. Dennoch erlebte Opper, dass vier Männer im Juli 2020 mit riesigen Rucksäcken zum Campen kamen. Dann gebe es noch jene, die ihre Modellflugzeuge oder Drohnen über die Wiesen fliegen lassen und durch den Lärm die dort lebenden Tiere aufscheuchen. Und was noch immer nicht begriffen werde, sei, dass Nutrias, Enten und Gänse, die am See leben, nicht gefüttert werden dürfen. Alte Brötchen und Brotreste sind überall am Seeufer zu finden.

Große Schneise im Schilf

Neben den privaten Besuchern, wie Spaziergänger, Hundebesitzer oder Radfahrer, gibt es auch weitere Nutzer des Naturschutzgebietes. So etwa Jagdpächter sowie Betreiber von Ölpipelines oder Stromleitungen. Erik Opper spricht von Partikularinteressen, wenn, wie erst kürzlich geschehen, vom Gasleitungsbetreiber der Auftrag gegeben wird, eine große Schneise mitten in das Schilf zu schneiden, um die Fläche sichtbar zu machen. Das habe im Naturschutzgebiet dazu geführt, dass ein Wasserrallenpaar, das dort zu nisten versuchte, verjagt wurde.

Drei Instanzen kontrollieren derzeit die Naturschutzgebietsverordnung. Die Naturschutzwacht von Hessenforst, ein Feldschütz der Stadt Mörfelden-Walldorf und Erik Opper für das Regierungspräsidium Darmstadt als ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer gemeinsam mit seinem erfahrenen Kollegen Heinz Arndt aus Mörfelden.

Wer sich nicht an die Verordnungen hält, kann auch schon mal einen Bußgeldbescheid erhalten. Doch die Erfahrungen aus den Ansprachen des vergangenen Jahres seien fast durchweg positiv gewesen, berichtet Opper. Von rund 1000 Menschen, die er angesprochen hatte, zeigten 997 Verständnis und korrigierten umgehend den Verstoß. Doch leider gebe es noch immer Menschen, die resistent gegen Ordnungsstrafen seien. In einem Fall war es um illegale Müllentsorgung gegangen. Ein anderes Mal war es ein Hobbyornithologe, der den Schilfbereich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht verließ. In diesen Fällen habe es eine Geldbuße gegeben. Susanne Rapp

Hier sind Hinweise möglich

Sollten Besucher im Naturschutzgebiet Mönchbruch Verstöße beobachten, können sie den Schutzgebietsbetreuer Erik Opper telefonisch und per Whatsapp unter 01 70-7 64 26 89 informieren.

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