Container voll: Andreas Keller (links) und Hans-Dieter Werschnik bereiten den Bioabfall für den Abtransport vor. Foto: Stich
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Container voll: Andreas Keller (links) und Hans-Dieter Werschnik bereiten den Bioabfall für den Abtransport vor.

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Was so alles an Müll über den Zaun fliegt

  • vonDr. Susanne Rapp
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Freiwillige der SG Eintracht treffen sich zum Frühjahrsputz auf dem Vereinsgelände. Da sammelt sich so einiges an. Der Parkplatz vor dem Vereinsgelände ist abends ein beliebter Treffpunkt.

Rüsselsheim -Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich das Grünpflege-Team der SG Eintracht auf dem Vereinsgelände, um dieses in einem guten Zustand zu erhalten. Die Idee, eine Gruppe zu gründen, die sich ehrenamtlich um das Vereinsgelände mit viel Grünfläche und Baumbewuchs kümmert, war vor mehr als 30 Jahren bei einem Stammtisch geboren worden. Vergangenen Samstag luden die Herren zu einem Frühjahrsputz ein, zu dem 14 Helfer kamen.

Jede Menge Laub und Geäst wurde dabei eingesammelt. Vereinsmitglied Hans-Dieter Werschnik stand in einem Container, in dem das gesammelte Blattwerk zum Abtransport untergebracht wurde. Neben dem biologisch abbaubaren Abfall fand sich aber auch Plastik- und Glas-Müll wie Whiskey- und Wodkaflaschen, Trinkbecher und Essensverpackungen. Andreas Keller, der Vorsitzende des Vereins, erklärt, dabei handle es sich um Abfall, den junge Leute über den Zaun auf das Vereinsgelände werfen, wenn sie sich abends auf den Parkplätzen der Georg-Jung-Straße vor dem Vereinsgelände treffen. Zwei bis dreimal die Woche fahre dort die städtische Kehrmaschine entlang, um die Straße vom Müll zu befreien.

Im Rhythmus von 14 Tagen sammelt das Grünpflege-Team der SG Eintracht den Müll vom Gelände auf. Obwohl die Stadt schon im vergangenen Jahr Mülltonnen vor Ort platziert habe und auch Glascontainer für die Entsorgung der Alkoholflaschen bereitstünden, sei es wohl ein besonderer Spaß, diese nicht zu nutzen, sondern alles über den Zaun fliegen zu lassen, vermutet Keller. Die Stadt verhängte vom 28. März an ein Aufenthaltsverbot für die Parkplätze, das bei Verstoß mit einem Bußgeld von 200 Euro geahndet wird. In der Vereinszeitung der Sportgemeinde ist zu lesen: "Seitdem ist die Straße so sauber wie zuvor noch nie." Am Montag endet nun das Aufenthaltsverbot und Keller hat die Befürchtung, dass dann bald wieder das Müllproblem auftritt.

Bänke bekommen neuen Anstrich

Herbert Schuster streicht die Bänke auf dem Gelände. Zuerst seien die Sitzgelegenheiten an der Bouleanlage dran gewesen, sagt er. Das habe ihm so viel Spaß gemacht, dass der 86-Jährige sich nun auch der anderen Bänke rund um das Fußballfeld annimmt.

Die Arbeit im Freien scheint fit zu halten, denn viele Herren, die mit Rechen und Säcken bewaffnet unterwegs sind, haben ihr 80. Lebensjahr längst überschritten. Der Älteste von ihnen ist Alois Marx, der im November seinen 94. Geburtstag feiert. Wenn ihn einer frage, warum er so gut aussehe, gebe er immer die Antwort: "Wenn man alt werden will wie ich, dann muss man bei der Grünpflege mitmachen." Marx war maßgeblich an der Gründung des Grünpflege-Teams vor 33 Jahren beteiligt. Früher habe sich die Stadt noch um das gesamte Gelände gekümmert. Seit rund zwölf Jahren übernimmt der Verein selbst die Grünpflege. Und das regelmäßig. Denn, so erklärt Marx: "Man muss ständig dran bleiben. Sonst sieht man kein Land mehr."

Hoffen auf Nachwuchs

Beim Frühjahrsputz am vergangenen Samstag waren auch drei junge Vereinsmitglieder dabei. Das Grünpflege-Team hofft auf Nachwuchs, der, sollten die Herren mal nicht mehr können, deren Arbeit übernimmt. Demnächst stehen einige Renovierungsarbeiten auf dem Vereinsgelände an. Die Umrandung der rund 30 Jahre alten Tartanbahn, die auch für den Sportunterricht von Schulen genutzt wird, muss erneuert werden. "Vor Corona wurden wir immer zum Essen vom Wirt eingeladen", sagt der Vereinsvorsitzende. Das habe schon Tradition. Damit die Helfer nicht ganz leer ausgehen, hat Alois Marx Bier mitgebracht, das im Anschluss getrunken wird. "Ich bin froh, mit Menschen zusammenzuarbeiten", sagt er. "Das hält mich jung." Susanne Rapp

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